Ein Baubot arbeitet unter einer Brücke, während Bauarbeiter in Schutzkleidung die Umgebung überwachen.
Zwei BauBots erstellten zur Befestigung der abgehängten Decke im Cartesius-Neubau vollautomatisch tausende Bohrlöcher „über Kopf“. (Quelle: fischer)

Plus 2025-06-26T07:00:00Z Mit Robotik zum Projekterfolg

Im niederländischen Utrecht entsteht derzeit ein ganz neues Stadtquartier. Das Projekt Cartesius umfasst über 2.800 Wohnungen, eine Schule, einen Supermarkt, Restaurants sowie viele weitere Einrichtungen und soll bis 2030 abgeschlossen sein. Für Tempo sorgt auch ein Bauroboter des Befestigungsspezialisten Fischer.

Mit Cartesius Utrecht wollen die Immobilienentwicklungsunternehmen Cartesius-Konsortiums MRP und Ballast Nedam Development eines der gesündesten, verkehrsberuhigtesten und fahrradfreundlichsten Viertel der Niederlande schaffen. Wertgelegt wird dabei auf Nachhaltigkeit, innovative Energielösungen und Shared Mobility. Alle wichtigen Stadtviertel-Einrichtungen sollen durch ein großzügiges Grünflächennetz miteinander verbunden werden. Angestrebt wird ferner eine integrative soziale Durchmischung: Die geplanten Wohnneubauten reichen von Sozialwohnungen bis hin zu luxuriösen Penthäusern.

Automatische Bohrlocherstellung

Bei einem der im Bau befindlichen Wohngebäude kamen kürzlich zwei „BauBot“-Bauroboter zum Einsatz. Den Befestigungsroboter hat Fischer 2023 auf den Markt gebracht. In Kombination mit einem digitalen Bauplan ermöglicht er die automatisierte Bohrlocherstellung in Betonuntergründen.

„Unsere BauBots trugen entscheidend zum Projekterfolg bei“, betont Emil Kral, Geschäftsführer der Fischer BauBot Services GmbH. „Sie bohrten rund 4.800 hammergebohrte Löcher mit 6 mm Durchmesser und 50 mm Tiefe mit höchster Präzision und Geschwindigkeit in die Betondecke. Das erhöhte die Effizienz und Präzision der Montagearbeiten erheblich.“

Darüber hinaus entlasteten die Roboter die Verarbeiter von körperlich anstrengenden Überkopfmontagen und reduzierten ihr Verletzungsrisiko. Die integrierte Staubabsaugung der BauBots sorgte für eine gesundheitsschonende Arbeitsumgebung und garantierte gleichzeitig die zulassungskonforme Montage der eingesetzten mechanischen Anker.

In Cartesius Utrecht kamen die Roboter zwar nur zur Herstellung der Bohrlöcher zum Einsatz, grundsätzlich kann der BauBot aber sogar noch mehr. Zumindest für ausgesuchte Befestigungsmittel von Fischer übernimmt er auch bereits die Montage.

Umfangreiche Dienstleistungen

Mit seiner 2024 gegründeten BauBot Services GmbH und der niederländischen Fischer-Landesgesellschaft bot Fischer in Utrecht sämtliche Dienstleistungen zum Roboter-Einsatz aus einer Hand an. Die Services umfassten Unterstützung bei der Erstellung des digitalen Bauplans und die professionelle Begleitung der Bohrarbeiten durch einen Operator vor Ort. Zusätzlich sorgten Ersatzroboter, Ersatz-Endeffektoren und Ersatz-Operatoren für einen reibungslosen Ablauf. Auch Bohrer und Verbrauchsmaterial waren im Angebot inkludiert.

Eine Baustelle mit einer Betonplatte, aus der zahlreiche Metallstangen nach unten ragen. Im Hintergrund sind Bauarbeiter und Baumaterialien zu sehen.
Präzise Bohrungen im Raster von 600 x 600 mm ermöglichten die einfache Montage der abgehängten Decke. (Quelle: fischer)

Die Bohrarbeiten fanden in etwa 20 m Höhe auf einem Gerüst statt. Emil Kral: „Die Fahrtrichtung der BauBots war zwar stark eingeschränkt, auch lag eine komplexe Tragwerksgeometrie vor, und es musste für eine sichere Lastverteilung gesorgt werden. Doch unsere BauBots leisteten dennoch exzellente Arbeit“.

Die Roboter wurden mit FMS-Schienen (Fischer Massives Schienensystem) zur Lastverteilung ausgestattet, die an jeder Stütze angebracht wurden. Zusätzlich bewegten sie sich ausschließlich auf speziell ausgelegten Lastverteilungsplatten. Die Bohrarbeiten gelangen dabei problemlos – trotz der niedrigen Raumhöhe von 3,2 m und der komplexen Tragwerksgeometrie mit zahlreichen Querträgern, welche die effektive Arbeitshöhe auf 2,7 m begrenzten.

BIM-Modell erforderlich

Der vollautomatische Helfer wurde ursprünglich vom Wiener Start-up BauBot entwickelt, an dem Fischer seit 2022 mehrheitlich beteiligt ist. Aktiv wird BauBot übrigens nur auf Grundlage eines digitalen Bauplans, der auch ein dreidimensionales BIM-Modell (Building Information Modeling) der Baustelle umfasst.

Ein detailliertes 3D-Modell eines Gebäudes, das die Struktur und Architektur des Baus zeigt.
Digitale Baupläne, Operator-Support und einsatzbereite Ersatzsysteme sorgten für einen reibungslosen BauBot-Betrieb auf der Baustelle. (Quelle: fischer)

Er ist also nichts für spontane, vereinzelte Bohrarbeiten, sondern eher etwas für Massenanwendungen – insbesondere bei Großbauprojekten wie in Utrecht. Beim Arbeiten auf der Baustelle greift der Roboter auf die Daten zu Position, Durchmesser und Tiefe der Bohrlöcher zurück, die im BIM-Modell definiert sind.

Zurück zum Cartesius-Projekt: Nachdem die BauBots die Bohrlöcher gemäß BIM-Modell schnell und präzise ausgeführt hatten, war die Montage der abgehängten Decke ein einfacher Schritt. Für die Befestigung wurde eine maßgeschneiderte Lösung entwickelt, die Montageschienen (FLS 30), Gewindestangen(M10) und Betonschrauben (FBS II 6) von Fischer kombiniert.

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zuletzt editiert am 20. Juni 2025