Im Rahmen eines Pilotprojekts mit einer Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft haben BASF und der Baustoffhersteller Sto bei einem Bestandsgebäude spezielle Neopor-Dämmplatten eingesetzt. Das Besondere: Rund 10 % des Dämmmaterials wurde durch ein EPS-Rezyklat ersetzt. Die technischen Prüfungen ergaben, dass die neu entwickelte Platte die gleichen Qualitätsstandards erfüllt wie die bisherigen Produkte.
Bei dem kürzlich abgeschlossenen Pilotprojekt mit der Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding wurde die neue Dämmplatte im Rahmen einer energetischen Modernisierung an der Fassade eines Bestandsgebäudes mit 52 Wohneinheiten in Frankfurt am Main angebracht. Für die Handwerker machte der Einsatz der Polystyrol-Hartschaumdämmplatte mit Rezyklat-Anteil keinerlei Verarbeitungsunterschiede. In Sachen Nachhaltigkeit ist der erfolgreiche Einsatz von recyceltem EPS in neuen Dämmstoffplatten aber ein echter Fortschritt.
Fossile Ressourcen schonen
„Wenn wir als Wohnungsbaugesellschaft dazu beitragen können, dass bei der Produktion der EPS-Platten durch den Einsatz von Rezyklat fossile Ressourcen geschont werden, unterstützen wir diese Weiterentwicklung gern als aktiver Partner“, betont Frank Junker, Vorsitzender der Geschäftsführung der ABG. Seine Wohnungsbaugesellschaft pflegt seit Jahrzehnten eine enge Geschäftspartnerschaft mit dem baden-württembergischen Baustoffhersteller Sto, der unter anderem Wärmedämm-Verbundsysteme ( WDVS ) anbietet.

Seit 1957 an einem Wohnhaus in Berlin-Dahlem das erste WDVS an einem Gebäude in Deutschland angebracht wurde, hat sich diese Lösung als Standard für die nachträgliche Fassadensanierung von Bestandsgebäuden etabliert. Als Dämmstoff für WDVS kam von Anfang an vor allem expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS) zum Einsatz. Und an dieser Stelle kommt nun BASF in Spiel. Der Chemiekonzern hat den Dämmstoff unter dem Markennamen „Styropor“ einst erfunden und produziert auch heute noch die Rohstoff-Granulate für Polystyrol-Hartschaumprodukte, die Baustoffhersteller wie Sto dann für ihre Produktsysteme weiterverarbeiten.
Bei WDVS-Fassaden ist die Dominanz von EPS zwar nicht mehr ganz so groß wie in den 50er- und 60er-Jahren, aber es handelt sich nach wie vor um das am meisten eingesetzte Material. Nach Angaben des Verbandes für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) lag der Marktanteil im Jahr 2023 bei 50 %, gefolgt von den Dämmstoffen Steinwolle (21,3 %) und Holzfaserplatten (13,8 %).
Vor- und Nachteile von EPS
Die Vorherrschaft von EPS als WDVS-Dämmstoff hängt sicher nicht zuletzt mit dem relativ günstigen Preis zusammen. Allerdings überzeugt das Material auch durch seine Stabilität bei gleichzeitig geringem Gewicht, durch Faktoren wie Wasserresistenz und natürlich durch die hervorragende Dämmleistung. Hinzu kommt die leichte Verarbeitbarkeit. Die Platten lassen sich in vielen Fällen einfach mit Mörtelbatzen auf den Fassadenuntergrund kleben, ein zusätzlicher Einsatz von WDVS-Dübeln ist meist nicht notwendig.
Natürlich gibt es auch Nachteile. Polystyrol-Hartschaum ist ein leicht entflammbares Material, das zudem im Brandfall starke Rauchgase entwickelt. Genau deshalb wird er für WDVS-Fassaden allerdings auch nicht in Reinform verwendet, sondern nur versetzt mit Flammschutzmitteln . Damit erreichen die Dämmstoffe dann immerhin die Baustoffklasse B1 („schwer entflammbar“).
Beim viel diskutierten Thema der Brandgefahr von WDVS mit EPS sollte bedacht werden, dass Außenputz und Armierungsschicht des WDVS den Dämmstoff zumindest für einen gewissen Zeitraum vor einer direkten Beflammung schützen. Zudem sind für EPS-Fassaden schon seit Jahren Brandriegel aus nicht brennbaren Dämmstoffen vorgeschrieben. Das soll eine geschossübergreifende Brandausbreitung verhindern. Mehr Infos zu diesem Thema bietet der BaustoffWissen-Artikel „ Neu seit 2016: Brandschutzregeln bei EPS-Fassaden “.
„Neopor F 5 Mcycled“
Ein weiterer Nachteil von EPS ist, dass das Material als Erdölprodukt nicht gerade nachhaltig ist. Gerade in diesem Bereich könnten Polystyrol-Platten mit Rezyklat-Anteil künftig Verbesserungen bringen.
Bei dem neuen Dämmstoff, der beim Frankfurter ABG-Wohnhaus erstmal erfolgreich in der Praxis erprobt wurde, gelang es, rund 10 % des Polystyrols durch ein EPS-Rezyklat zu ersetzen. „Das Ergebnis lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken, denn unser Ziel ist es, einen deutlich höheren Anteil an nachhaltigen Ersatzstoffen in unsere Wärmedämm-Verbundsysteme einzubringen“, sagt Dr. Frank Börner, Regionalleiter Rhein-Main im Projektmanagement bei Sto.
Der von BASF für das neue Dämmprodukt entwickelte Rohstoff hat natürlich auch einen Namen: „Neopor F 5 Mcycled“. Dazu muss man wissen, dass BASF bereits 1998 unter dem Namen Neopor ein verbessertes EPS auf den Markt gebracht hat. Dieser silbergraue Hartschaum-Dämmstoff ist ebenso vielfältig einsetzbar wie das klassische weiße EPS, dämmt aber noch besser, weil BASF dem Material Graphit hinzufügt. Das Mineral beeinflusst nicht nur die Farbe von Neopor, sondern kann auch Infrarotstrahlung (und damit Wärmestrahlung) absorbieren und reflektieren. Das hemmt zusätzlich den Wärmedurchgang durch das Material.
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Auch das neue „Neopor F 5 Mcycled“ ist ein graphithaltiges expandierbares Polystyrol-Granulat – nur eben eins mit einem EPS-Rezyklat-Anteil von etwa 10 %. „Das Rezyklat stammt aus mechanisch aufbereiteten EPS-Abfällen und trägt zum Recyclingkreislauf bei“, erläutert Klaus Ries, Leiter Business Management Styrenics Europe der BASF. „Ziel ist es, künftig weitere Rezyklat-Ströme zur Produktion von Neopor Mcycled zu nutzen, beispielsweise EPS-Schnittreste von Baustellen.“