Leipfinger-Bader treibt die Entwicklung einer modernen Lehm-Holz-Massivdecke voran – als ressourcenschonende Alternative zu Stahlbeton-Decken. Die Grundidee basiert auf dem Prinzip der historischen Stakendecke. Bei der Neuentwicklung wird der Lehm aber nicht gestampft, sondern zeit- und kostensparend gegossen. Durch Automatisierung will man eine wirtschaftliche Herstellung ermöglichen.
Für seine Lehm-Holz-Massivdecke nutzt der bayerische Baustoffhersteller ein tragendes Holzraster, das mit einem Lehmgemisch vergossen wird. Als Vision nennt das Unternehmen „ein Bauteil rein aus Holz und Erde, das die Vorzüge von Holz- und Stahlbetondecken vereint und dank Automatisierung auf Dauer auch wirtschaftlich in der Herstellung ist“.
Automatisierte Produktion angestrebt
Die Vision scheint bereits weit fortgeschritten. Zumindest manuell gefertigt kommt die Decke nämlich bereits in diesem Sommer beim Neubau eines Bürogebäudes des Verbands für Ländliche Entwicklung Oberpfalz in Tirschenreuth zum Einsatz. Weitere Projekte befinden nach Angaben von Leipfinger-Bader „in der Pipeline“.

Was noch aussteht und dem Vernehmen nach wohl auch noch etwas dauern wird, ist die Industrialisierung und Automatisierung der Deckenherstellung. „Kern unserer Entwicklungen ist der Grundgedanke, dass ökologisches Bauen nicht auf Leuchtturmprojekte beschränkt bleiben darf“, erläutert Julian Trummer, Forschungs- und Entwicklungsingenieur bei Leipfinger-Bader. „Erst wenn sie auch ökonomisch vertretbar sind, können ökologische Lösungen als wirksames Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel fungieren“, fügt er hinzu.
Langfristiges Entwicklungsziel ist eine voll automatisierte Produktion, um Lehm-Holz-Massivdecken mit Spannweiten von bis zu rund 6,50 Metern wirtschaftlich herstellen und für breite Einsatzfelder – vom Designhaus bis zum sozialen Wohnungsbau – zugänglich machen zu können.
Damit will Leipfinger-Bader einen weiteren Baustein zur Dekarbonisierung der Bauwirtschaft anbieten, denn die Herstellung klassischer Stahlbeton -Decken verursacht bekanntermaßen große Mengen klimaschädlicher Treibhausgasemissionen. Der Hersteller mit Stammsitz im bayerischen Vatersdorf erweitert bereits Jahren sein Mauerziegel -Kerngeschäft auch um moderne Lehmbaustoffe . Zum diesbezüglichen Produktsortiment zählen etwa Lehmziegel - und Stampflehm -Fertigteile für das serielle Bauen sowie Lehmplatten für den Innenausbau.
Vorbild Stakendecke
Die Entwicklung der neuartigen Lehm-Holz-Massivdecke erfolgt nicht zufällig unter Federführung von Julian Trummer. Der hatte das Konzept nämlich bereits im Rahmen seines Architekturstudiums an der TU München entwickelt.

Bei der Deckenkonstruktion bilden einige breite Holzbalken sowie feingliedrig-gesägte Holzlatten, die wie ein Rost zwischen den Balken angeordnet sind, die Tragstruktur. Zwischen die Balken – um das „Holzgerippe“ herum – wird Lehm mit einer Rohdichte von 2.200 Kilogramm pro Kubikmeter gefüllt und anschließend mit Rüttlern verdichtet.
Der wohngesunde Naturbaustoff Lehm sorgt nicht nur für einen dauerhaft dichten Raumabschluss, sondern steht auch für einen hervorragenden Brand- und Schallschutz. Die schwere Lehmmasse hat zudem eine hohe Wärmespeicherfähigkeit und trägt zu einer natürlichen Raumklimatisierung bei.
Das Konzept der Lehm-Holz-Massivdecke ist zweifellos an die historische Stakendecke angelehnt. Auch dabei handelt es sich ja um eine Holzbalkendecke mit zwischen den Balken rostartig angeordneten Hölzern (den „Staken“), die als Trägermaterial für die Deckenfüllung aus Lehm dienen. Anders als bei der Stakendecke kommt bei der Neuentwicklung von Leipfinger-Bader aber kein Stampflehm zum Einsatz. Stattdessen wird das Lehmmaterial gegossen.
Gießen statt stampfen
Der Gießprozess wird durch aus der Lebensmittelindustrie bekannte Fließmittel ermöglicht und ersetzt das deutlich zeit- und kostenintensivere Stampfen. Nach Angaben von Leipfinger-Bader ermöglicht diese Produktionsweise die Herstellung von Deckenfüllungen, die ähnliche Materialeigenschaften wie Stampflehm haben, aber nur einen Bruchteil so viel kosten. Durch den Einsatz des Fließmittels werde weder der CO2-Fußabbdruck noch die toxikologische Unbedenklichkeit des Lehms beeinträchtigt.
Da Lehm unter Wasserzugabe wieder formbar wird, lassen sich alle Komponenten der Massivdecke im Sinne des Kreislaufgedankens jederzeit voneinander trennen und für andere Zwecke wiederverwenden. Leipfinger-Bader strebt für die künftige Herstellung zudem einen möglichst hohen Rezyklat-Anteil an. Schon heute bilden Filterschlämme, die in Kieswerken als Abfallprodukt anfallen, die Basis des Lehmgemisches. Künftig sollen auch dessen Sand- und Kiesanteile durch Beton- und Ziegelbruch ersetzt werden.