Der Neubau bietet aktuell keine guten Aussichten. (Quelle: Pixabay)

Panorama 2024-02-05T23:00:00Z Neubaukrise: Umfrage unter Hausbaufirmen

Deutschlands Hausbaufirmen mussten zuletzt starke Verkaufsrückgänge verkraften. Hohe Baupreise, gestiegene Materialkosten und vor allem die Zinswende machten der Branche arg zu schaffen. Immer mehr potenzielle Baufamilien können sich aktuell den Traum vom Eigenheim nicht mehr leisten. Das verdeutlicht das „Marktbarometer 2023“ des unabhängigen Hausbau-Portals www.musterhaus.net.

In der Marktumfrage wurden Baufirmen danach gefragt, wie sich ihr Geschäft 2023 entwickelt hat und wie sie auf die Verkaufsrückgänge reagieren wollen. Musterhaus.net – nach eigenen Angaben das größte deutsche Hausbau-Portal – hatte zu der Online-Befragung im Oktober letzten Jahres knapp 3.000 Hausbaufirmen eingeladen. 212 beantworteten die Fragen – darunter 72 % Massivhausanbieter und 25 % Fertighausanbieter. Das entspricht ziemlich genau den Marktanteilen beider Bauweisen in Deutschland.

„Äußerst kritische Lage“

81 % der befragten Hausbaufirmen verzeichneten im letzten Jahr einen Rückgang bei den verkauften Häusern. Der durchschnittliche Rückgang lag bei 37 % im Vergleich zu 2022. Betrachtet man nur die 81 % der Baufirmen, die tatsächlich weniger verkauften, lag das Minus im Schnitt sogar bei 41 %.

Die meisten Baufirmen haben 2023 deutlich weniger Häuser gebaut. (Quelle: Musterhaus.net)

Ist damit wenigstens die Talsohle erreicht? Die Umfrage zeigt diesbezüglich kaum Optimismus bei den Baufirmen. 53 % der Umfrageteilnehmer rechnen auch 2024 mit weiteren Verkaufsrückgängen, nur ein Viertel erwartet, dass man mehr verkauft als im Vorjahr. 21 % gehen von einem gleichbleibenden Verkaufsniveau aus.

„Die Ergebnisse der Umfrage unterstreichen die äußerst kritische Lage, die wir auch in ständigen Gesprächen mit den Bauunternehmen wahrnehmen“, sagt Musterhaus.net-Geschäftsführer Patryk Moretto. Nikolai Roth, der neue zweite Geschäftsführer, konkretisiert: „Unsere Umfrage zeigt genau, wo den Hausbaufirmen der Schuh drückt. Vor allem die Zinsen und fehlende oder nicht effektive Förderung belasten die Unternehmen. Hier könnte die Politik ansetzen. Auch die Baufirmen fordern dies nachdrücklich.“

Musterhaus.net hat die Hausbaufirmen auch danach gefragt, welche Förderung aus ihrer Sicht am sinnvollsten beziehungsweise nötigsten wäre, um die Baubranche aktuell besser zu unterstützen. Favorisiertes Instrument der Unternehmen ist mit 87 % ganz klar das KfW-Darlehen mit vergünstigten Zinsen, gefolgt von verbesserten Förderungen für energieeffizientes Bauen (55 %) und für Familien mit geringem Einkommen (51 %) sowie für den Mehrfamilienhausbereich (44 %). Neben einer Förderung, die sich „tatsächlich lohnt”, wünschen sich viele der Baufirmen auch niedrigere Baustandards und weniger Bauvorschriften.

Zinswende ein Hauptproblem

95 % der Bauunternehmen nennen die Zinswende – also gestiegene Baufinanzierungszinsen – als einen der hauptsächlichen Gründe für die Zurückhaltung der Kunden im Neubaumarkt. Kein anderer der zur Auswahl stehenden Gründe wurde so häufig angeklickt. Auf den Plätzen folgen die hohen Baukosten (78 %) und die fehlende Bauförderung (55 %).

Der Fachkräftemangel dagegen wurde nur von 5 % der Befragten genannt. Das hängt vermutlich nicht zuletzt mit den massiven Verkaufsrückgängen zusammen. Wenn auf einmal so viel weniger gebaut wird, fällt der grundsätzliche Personalmangel in der Hausbauwirtschaft natürlich erstmal nicht mehr so ins Gewicht.

90 % der befragten Baufirmen gaben an, dass ihre Kunden wegen der gestiegenen Zinsen Abstand vom Hausbau nehmen. 28 % beobachten mehr Eigenleistungen der Bauherren. Als weitere Kundenreaktion auf die Zinswende wurden der Bau kleinerer Häuser (27 %) und ein Verzicht auf hochwertige Extras und Ausstattung genannt (23 %).

Zinswende und hohe Baukosten sind die größten Probleme. (Quelle: Musterhaus.net)

Hohe Baukosten

Ein massives Problem für die Baufirmen sind auch die gestiegenen Baukosten – vor allem in Zusammenhang mit Festpreis-Verträgen. Das bestätigten 52 % der Unternehmen. Bei 43 % kam es aufgrund der hohen Baukosten zu geplatzten Aufträgen. Immerhin ein Viertel der Befragten gab an, dass man die steigenden Kosten habe einpreisen können. 12 % konnten ihre Preise trotz der gestiegenen Kosten sogar halten.

Nur 18 % der Hausbauunternehmen erwarten, dass die Baukosten in Zukunft wieder sinken werden. 54 % der Umfrageteilnehmer schließen das aus. Als Gründe für diesen Pessimismus ermittelte die Umfrage unter anderem die hohen Energie- und Lohnkosten (83 %), nicht mehr sinkende Materialpreise (77 %) und die zu knappe Handwerkeranzahl (64 %).

Ausweg Mehrfamilienhausbau?

Wie reagieren die Firmen auf die aktuellen Herausforderungen? Hier gibt es einige interessante Umfrageergebnisse: 45 % der Bauunternehmen wollen verstärkt auf den Bau von Mehrfamilienhäusern setzen und 38 % künftig auch Sanierungsleistungen anbieten. Auf der anderen Seite planen 40 %, ihr Geschäft (vorerst) weiter herunterzufahren und gegebenenfalls die Belegschaft zu reduzieren.

Stichwort Personalabbau: Im vergangenen Jahr haben 49 % der befragten Unternehmen die Anzahl ihrer Beschäftigten reduziert. Für das laufende Jahr gaben 47 % an, dass sie wohl weiterhin Personal reduzieren beziehungsweise Stellen nicht nachbesetzen werden. Immerhin: 43 % der Befragten denken für 2024 nicht an Änderungen im Personalbereich, 10 % wollen sogar aufstocken.

zuletzt editiert am 01. Februar 2024
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