Die Radon-Karte steht auf der BfS-Website. (Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz)

Aktuell 2023-12-18T11:35:49.857Z Radon-Situation in Wohnungen

Die Deutschen sind in ihrem Heim einer Radon-Konzentration von durchschnittlich 65 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft ausgesetzt. An manchen Orten ist es aber auch deutlich mehr. Das zeigt eine neue Karte, die das Bundesamt für Strahlenschutz auf seiner Website veröffentlicht hat.

Man kann es weder sehen noch riechen oder schmecken: das radioaktive Gas Radon. In geringen Mengen ist es in jedem Gebäude vorhanden und nicht weiter schlimm. Erhöhte Radon-Werte stellen nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) allerdings ein ernst zu nehmendes Gesundheitsrisiko dar, denn dieser Innenraumschadstoff gehört – nach dem Rauchen – zu den häufigsten Ursachen von Lungenkrebs.

Karte zeigt regionale Radon-Konzentration

Das BfS informiert auf seiner Website ausführlich über die Radon-Thematik. Ganz neu ist nun eine Deutschlandkarte, welche die durchschnittliche Radon-Konzentration veranschaulicht, der Menschen in ihren Wohnungen schätzungsweise ausgesetzt sind.

Inge Paulini ist Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz. (Quelle: Holger Kohl / BILDKRAFTWERK)

Als Datenbasis nutzte das Bundesamt die Ergebnisse bundesweiter Radon-Messungen in Wohnräumen, die in den Jahren 2019 bis 2020 durchgeführt wurden. In die Berechnungen flossen außerdem Daten der Gebäude- und Bevölkerungsstatistik sowie Informationen über die Eigenschaften der lokalen Naturräume ein. Die Karte und weitere Informationen über die Methodik sowie Hinweise zur Interpretation der Karte sind hier zu finden.

Aus der Karte lässt sich ablesen, ob der Durchschnittswert für die Einwohner der jeweiligen Städte und Gemeinden über oder unter dem bundesweiten Mittelwert von 65 Becquerel pro Kubikmeter liegt. Die regionalen Schwankungen der Durchschnittswerte reichen von unter 35 Becquerel pro Kubikmeter im westlichen Niedersachsen bis zu über 150 Becquerel pro Kubikmeter in vielen Mittelgebirgs- und Gebirgsregionen.

In dicht bebauten Gebieten zeigt die Karte oft niedrigere Werte als in deren Umland. Das lässt sich auf die Siedlungsstruktur zurückführen: In urbanen Räumen leben prozentual mehr Menschen in höheren Stockwerken als in ländlichen Räumen – und in der Regel nimmt die Radon-Konzentration in einem Gebäude mit jedem Stockwerk nach oben ab.

Radon ist überall im Boden

Radon entsteht in unterschiedlichen Mengen überall in Deutschland im Erdboden. Über Undichtigkeiten im Bodenbereich kann es in Gebäude eindringen. Hält man sich dauerhaft in Gebäuden mit erhöhter Radon-Konzentration in der Raumluft auf, steigt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Wie hoch die Radon-Konzentration in einem Wohnraum ist, hängt vor allem von der Radon-Menge im Baugrund, der Bausubstanz des Gebäudes und dem Stockwerk ab. Keller und Erdgeschoss sind üblicherweise stärker betroffen als höhere Etagen.

Dieses Radon-Messgerät aus Plastik benötigt keinen Strom. (Quelle: Christian Horn)

„Die teils sehr niedrigen Durchschnittswerte bedeuten nicht, dass in der eigenen Gemeinde keine erhöhten Radon-Werte auftreten können“, warnt BfS-Präsidentin Inge Paulini. „Selbst bei einem niedrigen Durchschnitt sind in einzelnen Wohnungen hohe oder sehr hohe Radon-Konzentrationen von über 1.000 Becquerel pro Kubikmeter möglich.“

Wenn der gesetzliche Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten wird, sind laut BfS Maßnahmen gegen Radon angeraten, an Arbeitsplätzen sogar vorgeschrieben. Bei viel genutzten Räumen könne es sinnvoll sein, auch unterhalb dieses Wertes Maßnahmen zur Reduzierung der Radon-Konzentration in Betracht zu ziehen. Über einige mögliche Schutzmaßnahmen haben wir auf BaustoffWissen bereits im Beitrag „ Gebäudeabdichtung: Schutz vor Radon “ informiert.

Radon-Messung schafft Klarheit

Effektiv gegen Radon vorgehen könne aber nur, wer die Radon-Konzentration in seinem Zuhause kenne – sagt Paulini. Aus der Karte des BfS lasse sich diese nicht direkt ablesen. Inge Paulini: „Nur eine Radon-Messung bringt Klarheit. Sie ist einfach und kostengünstig zu haben. Lediglich etwas Geduld sollte man mitbringen. Denn für ein optimales Ergebnis sollte die Messdauer ein ganzes Jahr betragen.“

Geeignete Radon-Messgeräte können nach Angaben des BfS bei spezialisierten Laboren bestellt und selbst aufgestellt werden. Dabei handelt es sich um kleine Plastikbehälter. Sie benötigen keinen Strom und senden weder Licht noch Geräusche aus. Nach Ablauf der Messzeit schickt man die Geräte an das Labor zurück, das die Messung auswertet und über die Ergebnisse informiert. Die Kosten pro Messung liegen bei 30 bis 50 Euro. Eine Liste von Anbietern, die die Qualitätsstandards für Radon-Messungen an Arbeitsplätzen erfüllen, stellt das BfS hier zur Verfügung.

zuletzt editiert am 18. Dezember 2023