Konventionelle Holztafelwände eines Fertigteilhauses bei der Verladung. (Quelle: Meisterstück Haus)

Forschung 2024-05-21T07:00:00Z Recyclinggerechte Holztafel-Elemente

Forschende der TU Braunschweig, der Ruhr-Universität Bochum und des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung wollen gemeinsam mit Industriepartnern bis Ende 2026 flexibel einsetzbare Holztafel-Elemente für den Bau von Fertighäusern entwickeln, die weitgehend wiederverwendbar sein sollen. Zum Forschungsprogramm gehört auch die Erarbeitung passender Recyclingverfahren und Second-use-Konzepte.

„Bis heute sind keine Recyclingverfahren etabliert, mit denen sich aus der Werkstoffkombination Holztafel sortenreine, schadstofffreie Rohstoffe wiedergewinnen lassen“, erläutert Projektkoordinator Prof. Dr.-Ing. Mike Sieder vom Institut für Baukonstruktion und Holzbau der Technischen Universität Braunschweig. „Um Holz ressourcenschonend einzusetzen und langfristig stofflich zu nutzen, müssen wir einen echten, nachhaltigen Kreislauf und eine Rohstoffkaskadierung ermöglichen – von der Zulieferindustrie bis zum Recyclingunternehmen und wiederum zum Zulieferer und zum Produzenten.“

Was sind Holztafel-Elemente?

Im Fertighausbau kommen seit Jahrzehnten im Werk vorgefertigte Holztafeln zum Einsatz. Bei der Holztafelbauweise handelt es sich um eine Variante des Holzrahmenbaus mit besonders hohem Vorfertigungsgrad. Die Holzrahmen für die Außenwände werden hier vorab nicht nur beidseitig mit Trockenbauplatten beplankt und mit Dämmstoffen gefüllt, sondern auch Fenster und/oder Türen werden schon werkseitig eingebaut, bevor man die Wandelemente auf die Baustelle transportiert. Dort muss man sie dann nur noch miteinander verbinden und mit Putzen oder sonstigen Endbeschichtungen versehen.

Grundlage der geschosshohen Wandelemente sind massive Holzrahmen. (Quelle: Meisterstück Haus)

Da solche Holztafel-Elemente aus vielen unterschiedlichen Materialien bestehen – vom Holzrahmen über Beplankungsmaterialien wie Holzwerkstoffe und Gipsplatten bis hin zu den Dämmstoffen, Baufolien, Klammern, Klebern und Putzen – ist die Recyclingfähigkeit in den meisten Fällen bislang stark eingeschränkt. Sowohl aus ökologischer als auch aus ökonomischer Perspektive wären verbesserte Möglichkeiten zur Wieder- und Weiterverwendung der hochwertigen Holztafelelemente allerdings erstrebenswert.

Genau hier setzt das Anfang 2024 gestartete Forschungsprojekt „Recycling for Future – Holztafel 2.0“ an. In dem Verbundprojekt sollen bis Ende 2026 recyclingfähige, kreislaufgerechte, und langlebige Holztafeln entwickelt werden, wobei die Weiterverwendung der recycelten Bauteil-Subsysteme in die Forschungsansätze einbezogen wird. Zugrunde liegt dem Vorhaben die Strategie des Urban Mining , die darauf abzielt, bestehende Gebäude als sekundäre Baustoffquelle für künftige Bauwerke zu nutzen.

Fertigteilhaus als Rohstofflieferant

An der Forschung beteiligen sich insgesamt sieben Projektpartner. Neben Projektteams von TU Braunschweig, Ruhr-Universität Bochum und Fraunhofer-Institut für Holzforschung (Fraunhofer WKI) sind auch vier Praxispartner mit an Bord: der Fertighaus-Spezialist Otto Baukmeier Holzbau-Fertigbau GmbH & Co.KG (Marke „ Meisterstück “), der Gipsfaserplattenhersteller Fermacell , der Baustoffhersteller Sto (unter anderem Fassadenbaustoffe) und das kommunale Abfallentsorgungsunternehmen ALBA Braunschweig .

Recycling for Reuse: Geplantes Konzept zu Rückbau und Wiederverwendung bestehender Holzkonstruktionen. (Quelle: iBHolz / TU Braunschweig)

In sechs eng miteinander verzahnten Arbeitspaketen werden die Projektteams zunächst den Fertigungsprozess konventioneller Holztafel-Konstruktionen unter dem Aspekt der Demontierbarkeit und der möglichst sortenreinen Trennung einzelner Holztafeln untersuchen, um daraus Bewertungsparameter für die Planung und Herstellung einer ökologischen, wirtschaftlichen und recyclinggerechten Holztafel als Design-for-Recycling-Konstruktion abzuleiten.

Daneben überprüfen die Projektbeteiligten gängige Recyclingverfahren und erarbeiten ein Second-Use-Konzept, um die recycelten Materialien später wiederum zu nutzbaren Produkten verarbeiten zu können. Zum Projektende wollen die Forschenden den Prototyp einer recyclierbaren Holztafel präsentieren, die in Sachen Tragverhalten, Emissionen, Wärme-, Feuchte-, Schall- und Brandschutz den Anforderungen der Bauprodukteverordnung entspricht.

Das Projekt „Recycling for Future – Holztafel 2.0“ wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium gefördert. Das Ministerium finanziert aktuell sechs Forschungsverbünde im Rahmen des Förderaufrufs „Recyclinggerechte Verwendung von Holz“. Eine tabellarische PDF-Übersicht zu diesen sechs Forschungsverbünden gibt es hier .

zuletzt editiert am 15. Mai 2024
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