Die Innenbeschichtung des Rohrs erfolgt über einen luftangetriebenen Sprühkopf.
Die Innenbeschichtung des Rohrs erfolgt über einen luftangetriebenen Sprühkopf. (Quelle: rohrgroup)

Entwässerung 2026-03-24T08:00:00Z Rohrsanierung von innen

Wenn Abwasserrohre Leckagen aufweisen, ist schnelles Handeln erforderlich. Herkömmliche Sanierungsverfahren, bei denen man die Rohre komplett austauscht, erfordern ein Aufstemmen von Wänden sowie Decken/Böden und führen oft zu wochenlangen Baustellen, Lärm und Schmutz. Doch es gibt auch minimalinvasive Verfahren, bei denen beschädigte Rohre einfach von innen neu beschichtet werden. Ein Beispiel dafür ist das „Pipeprinting“ des Sanierungsspezialisten Rohrgroup.

Beim Pipeprinting-Sprühverfahren wird ein neues Rohr in das alte gewissermaßen „hineingedruckt“. Nach Angaben der 2022 in Berlin gegründeten Rohrgroup Solutions GmbH handelt es sich dabei um eine kosten- und ressourcenschonende Alternative zur aufwändigen Strangsanierung alter Rohrleitungen im innerhäuslichen Bereich, die schnell, sauber, geräuscharm und geruchsneutral funktioniert.

Rohrgroup will das Verfahren über ein Franchise-System bundesweit in Ballungsgebieten etablieren. Neben Berlin ist man unter anderem bereits in der Region Frankfurt/Main aktiv. Zuletzt kamen neue Partnerbetriebe in München und im Großraum Köln/Bonn/Leverkusen dazu.

Minimalinvasive Rohrerneuerung

Häufige Verstopfungen, undichte Stellen, Feuchtigkeit an Wänden oder Fundamenten sowie intensive Gerüche sind Anzeichen, dass es irgendwo im häuslichen Abwassersystem leckt oder sogar ein Rohrbruch droht. Alte Rohre haben nach 40 bis 60 Jahren oft ihren Dienst getan, sie leiden dann zunehmend an Materialschwäche. Marode Abwasserrohre verursachen durch austretende Feuchtigkeit, Rostwasser und Druckverlust nicht nur Wasserverluste, sondern auch Gebäudeschäden.

Vorhandene Öffnungen im Abwassersystem dienen als Rohrzugang.
Vorhandene Öffnungen im Abwassersystem dienen als Rohrzugang. (Quelle: rohrgroup)

Doch gerade in dicht besiedelten Gebieten und im Altbaubestand stellt die klassische Form der Sanierung von Fallleitungen und Abwasserrohren Eigentümer oft vor logistische Herausforderungen. Das herkömmliche Aufstemmen der Bausubstanz – um an die Rohre zu kommen und sie auszutauschen – bedeutet oft lange Baustellenzeiten mit Lärm und Schmutz.

Beim vom Deutschen Institut für Bautechnik ( DIBt ) zertifizierten Pipeprinting-Verfahren werden altersmüde oder bereits gebrochene Rohre im Gebäude dagegen gar nicht ausgetauscht. Die Bausubstanz bleibt komplett unangetastet, dementsprechend fällt auch kein Bauschutt an. Stattdessen werden die Rohre von innen mithilfe eines Sprühschleuderverfahrens saniert. Das Verfahren eignet sich nach Angaben von Rohrgroup auch für schwer zugängliche und stark verzweigte Rohrsysteme im häuslichen Bereich.

Beschichtung mit PU-Harz

Pipeprinting heißt wörtlich: Rohr drucken. Bei dem Verfahren entsteht ein neues Rohr im Rohr, ohne Stemmarbeiten oder Eingriff in die Bausubstanz. Über vorhandene Öffnungen im Abwassersystem – zum Beispiel WC-Anbindungen, Dachentlüftungen oder Revisionsöffnungen – werden Altrohre von innen mit einem flüssigen Harz auf Polyurethan -Basis (PU) beschichtet. Das Verfahren eignet sich für alle gängigen Rohrwerkstoffe.

Im ausgehärteten Zustand ist die neue Harzschicht korrosionsbeständig, abrieb- und schlagfest sowie temperaturbeständig bis zu 93 °C. Ihre glatte Oberfläche verhindert nach Rohrgroup-Angaben zudem dauerhaft neue Ablagerungen. Rohrgroup betont aber auch, dass sein Sanierungsverfahren ausschließlich für die Sanierung von häuslichen Abwasserleitungen entwickelt wurde. Für Trinkwasserleitungen ist es nicht zugelassen. Außerdem darf es nur für Leitungen innerhalb von Gebäuden zum Einsatz kommen, nicht außerhalb des Gebäudes.

Beim Pipeprinting entsteht in zwei bis vier Druckvorgängen auf der Innenfläche des Altrohrs Schicht für Schicht ein neues Rohr – wie beim 3D-Druck . Das alte Rohr wird also zum Träger und Formgeber des neuen Rohrs, das üblicherweise in einer Wanddicke von 2–3 mm aufgesprüht wird. Zwischen den einzelnen Druckvorgängen sind lediglich kurze Trocknungszeiten von rund fünf Minuten abzuwarten.

Vor der eigentlichen Sprühbeschichtung wird beim Pipeprinting zunächst eine Kamerainspektion der Rohrleitungen durchgeführt, um den Ist-Zustand zu ermitteln. Danach wird das Rohr gereinigt, um den ursprünglichen Rohrdurchmesser wiederherzustellen, bevor die Innenbeschichtung erfolgt.

Rohrgroup setzt auf Rabbit-Coater

Bei der technischen Umsetzung seines Verfahrens setzt Rohrgroup auf den Rabbit-Coater des Anbieters Polypipe. Diese mobile Beschichtungsmaschine zur Rohrinnensanierung verfügt über einen luftangetriebenen Sprühkopf, der auf einem flexiblen Schlauch aufsitzt und über eine moderne Pump- und Steuertechnik jederzeit mit Harz und Härter in der richtigen Dosierung versorgt wird.

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Der Sprühkopf der Maschine wird in das Rohr eingeführt und zunächst zum Leitungsende gefahren. Beim langsamen, gleichmäßigen Rückzug wird Harz fein zerstäubt auf die Rohrinnenwand gesprüht, sodass eine gleichmäßige Schicht entsteht.

„Mit unserem Pipeprinting lassen sich Rohre ohne Aufstemmen von Wänden oder Bodenöffnungen von innen erneuern“, bestätigt Kristan Dietrich, Geschäftsführer des Rohrgroup-Franchisesystems. „So bleibt der Gebäudebetrieb weitgehend ungestört, während die Substanz nachhaltig geschützt wird. Das ist insbesondere für Eigentümer von Altbauten, aber auch Betreiber von Gewerbeimmobilien, Bürokomplexen, Hotels, Gaststätten oder Kliniken interessant.“

zuletzt editiert am 20. März 2026