Lokhalle Freiburg: Die Sheddächer der Nord- und Südhalle wurden saniert. (Quelle: Planwerk Freiburg)

Plus 2023-12-06T11:02:13.940Z Sheddächer in neuem Glanz

In der alten Freiburger Lokhalle wurden bis 1983 Züge gewartet, repariert und instandgesetzt. Seit 2011 befindet sich das Gebäude-Ensemble in privater Hand und dient nun als „Kultur- und Kreativbahnhof“. Mittlerweile sind zahlreiche Startup-Unternehmen eingezogen. Zeitgleich wird der Komplex aufwändig und behutsam saniert. Zuletzt wurden die Sheddächer der Nord- und Südhalle erneuert. Eine Kunststoffabdichtungsbahn von Sika erfüllte die Vorgaben des Denkmalschutzes.

Die Lokhalle Freiburg umffasst ein Ensemble aus insgesamt fünf Gebäudeteilen mit einer Nutzfläche von insgesamt 10.000 qm. Erbaut wurde sie zwischen 1903 und 1905 auf dem Güterbahnhof Nord. Laut Denkmalliste des Landes Baden-Württemberg ist der  Backstein -Hallenkomplex „sicher das bedeutendste Beispiel von Industriearchitektur aus der Zeit der Jahrhundertwende in Freiburg“.

Denkmalgerechte Abdichtungsbahn

Wegen des Denkmalschutzes gab es gewisse Vorgaben für die Sanierung der Sheddächer der Nord- und Südhalle. „Da der optische Charakter durch die vorhandene schwarze  Bitumenbahn  vorgegeben war, sollte wieder eine schwarze Abdichtung verwendet werden“, erläutet Manfred Merazzi, zuständiger Gebietsleiter der Sika Deutschland GmbH. Die Wahl fiel diesmal allerdings nicht auf  Bitumen , sondern auf eine  Kunststoffabdichtungsbahn .

Die Kunststoffbahn Sarnafil TS 77-18 in Anthrazit passt gut zu den Denkmalschutz-Vorgaben. (Quelle: Peter Gerber GmbH)

Ausgewählt wurde das Sika-Produkt Sarnafil TS 77-18 in der Farbe Anthrazitgrau. Dabei spielten auch Brandschutzgründe eine Rolle. Anders als Bitumenbahnen wird Sarnafil TS 77-18 nämlich nicht mit offener Flamme verschweißt, sondern mit Heißluft. Das ist ein wichtiger Vorteil angesichts der darunter liegenden Dachkonstruktion aus Holz! Die Kunststoffbahn verfügt zudem über eine innenliegende Verstärkung aus Glasvlies und einem Polyestergelege.

Bei  Sheddächern  reihen sich mehrere pult- oder satteldachartige Dachaufbauten hintereinander. Die Nord- und Südhalle des Freiburger Lokhallenkomplexes verfügen jeweils über fünf solcher Sheddächer. Bis zur Sanierung war die Dachkonstruktion ürigens komplett ungedämmt. Eine Wärmeisolierung wäre früher auch unsinnig gewesen, da die Hallen gar nicht komplett geschlossen waren, als man in ihnen noch Lokomotiven wartete und reparierte.

Bevor die eigentliche Sanierung auf insgesamt 600 qm (Nord- und Südhalle) beginnen konnte, musste erst einmal die hölzerne Unterkonstruktion gereinigt oder – wo nötig – sogar komplett erneuert werden. Die jahrzehntelange Wartung von Dampfloks hatte Spuren an den Dachbalken hinterlassen.

Abschnittsweises Vorgehen

Die Verlegung der neuen Abdichtungen auf der Südhalle fand vom Januar 2020 bis zum Februar 2021 statt, inklusive drei Wochen Winterpause. Dabei wurde bauabschnittsweise vorgegangen. „Sobald die Zimmerleute mit einem Dach fertig waren, konnten wir starten“, erklärt Volker Haack von der ausführenden Peter Gerber GmbH. Die Rinnenbereiche wurden ebenfalls mit Sarnafil TS abgedichtet. „Die Rinnen sind nur einen Meter breit und 45 Grad schräg, das war für meine Mitarbeiter schon eine Herausforderung“, so Haack.

Die alte Holzkonstruktion der Nordhalle wurde gereinigt oder – wo nötig – erneuert. (Quelle: Sika Deutschland GmbH)

Bei den Dächern wurde übrigens die alte Bitumenbahn nicht etwa entfernt. Stattdessen hat man die Bahnen – nach eingehender Prüfung und stellenweisen Ausbesserungen – als  Dampfsperre  weiterverwendet. Gedämmt wurde das Dach der Südhalle nach Brandschutzvorgaben mit  Mineralwolle . Auf dem Dämmstoff erfolgte anschließend die mechanische Befestigung der Kunststoffabdichtungsbahn Sarnafil TS 77-18.

Bei der Verlegung waren Aussparungen für mehrere Rauch- und Wärmeabzugsanlagen (RWA) und die vorhandenen Oberlichter zu berücksichtigen. Die Bahnen wurden entsprechend zugeschnitten und mit „Sika-Roof Tape P“ beziehungsweise mit Kontaktkleber verklebt. Der Übergang von Dachfläche zu Schrägverglasung erfolgte mit einem Verbundblech in der Farbe Anthrazit.

Sowohl die Rinnenanschlüsse als auch der Traufbereich der Sheddächer wurden als Traufanschluss oder Anschluss unter Festverglasung mit Verbundblechen versehen, die man an die vorhandene Holzkonstruktion montierte. Darauf wurde die Bahn mit Handschweißgeräten verschweißt. „Insgesamt haben wir 2,6 Kilometer Verbundbleche montiert“, resümmiert Haack.

Von Juli 2021 bis Februar 2022 wurde an der Nordhalle gearbeitet. Das Vorgehen war das Gleiche wie bei der Südhalle, nur dass dort mit expandiertem Polystyrol (EPS) gedämmt wurde. Da die Gebäudenutzung eine andere ist als in der Südhalle, konnte hier auf Mineralwolle und deren bessere Brandschutzeigenschaften verzichtet werden.

Einfache Verarbeitung

Das neue Dach sollte dem Bauherrn gefallen und gleichzeitig dem Denkmalschutz entsprechen. Mit Sarnafil TS 77-18 in der Farbe Anthrazit und den passenden Verbundblechen konnte Sika hier die passende Lösung anbieten. Die Wahl von Kunststoff statt Bitumen erleichterte zudem die Verarbeitung.

„Die Kunststoffabdichtungsbahn ist nicht nur schneller zu verarbeiten als eine Bitumenbahn, sie hat auf der Unterseite auch kein Kunststoffvlies und kann so bei Zuschnitten immer direkt aufgeschweißt werden, ohne dass zum Beispiel Kopfstöße mit einem separaten Band überschweißt werden müssen“, erläutert Volker Haack.

zuletzt editiert am 06. Dezember 2023