Strom aus Photovoltaik – hier bei einem modernisierten DDR-Plattenbau in Aschersleben – wird in Deutschland zunehmend für den Eigenverbrauch genutzt.
Strom aus Photovoltaik – hier bei einem modernisierten DDR-Plattenbau in Aschersleben – wird in Deutschland zunehmend für den Eigenverbrauch genutzt. (Quelle: BSW-Solar / agw)

Panorama 2026-02-03T08:00:00Z Solarstrom-Eigenverbrauch steigt stark

Der Eigenverbrauch von Solarstrom aus deutschen Photovoltaik-Anlagen ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Das zeigt eine Analyse des Fraunhofer ISE, für die die komplizierte Eigenverbrauch-Ermittlung nach einer neuen Methode berechnet wurde. Der Boom beim Eigenverbrauch wird begleitet durch ein starkes Wachstum bei den Batteriespeichern. Das zeigen aktuelle Daten des Bundesverbandes Solarwirtschaft.

Bis zum Jahr 2009 nutzten die Besitzer von Photovoltaik-Anlagen ( PV-Anlagen ) in Deutschland ihren selbst erzeugten Strom kaum selbst, sondern speisten ihn lieber in das allgemeine Stromnetz ein. Warum? Weil sie bis dahin für die Netzeinspeisung eine höhere Vergütung einstreichen konnten als sie für die gleiche Menge Netzstrom bezahlen mussten. Mittlerweile hat sich dieses Verhältnis umgedreht. Der Eigenverbrauch von Solarstrom ist heute wirtschaftlich lohnenswert, da der Bezug von Netzstrom in der Regel mehr Geld kostet als sich durch die Solarstromeinspeisung verdienen lässt.

17 % Eigenverbrauch-Anteil

Folgerichtig zeigt die Analyse des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) einen starken Anstieg des Eigenverbrauchs in den letzten 16 Jahren – und insbesondere in den letzten vier Jahren. Lag der jährliche Eigenverbrauch aller deutschen PV-Anlagen-Besitzer 2009 noch bei mickrigen 0,01 Terrawattstunden (TWh), so hatte er sich bis 2018 immerhin auf 2,69 TWh erhöht und lag 2022 bei 5,57 TWh. Seitdem ist Jahr für Jahr ein deutlich sprunghafterer Anstieg zu beobachten.

Ein Balkendiagramm zeigt den Eigenverbrauch in TWh von 2018 bis 2024. Der Verbrauch steigt kontinuierlich von 2,69 TWh im Jahr 2018 auf 12,28 TWh im Jahr 2024.
Entwicklung des wirtschaftlich motivierten Eigenverbrauchs von PV-Anlagen. (Quelle: Fraunhofer ISE)

Für das Betriebsjahr 2023 errechnete das Fraunhofer ISE einen Eigenverbrauch von 8,20 TWh. „Im Jahr 2024 lag der Eigenverbrauch nun bei 12,28 TWh“, berichtet Tobias Reuther, Datenexperte für die Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien am Fraunhofer ISE. Damit erreichte der Eigenverbrauch in diesem Jahr – in dem die Netzeinspeisung knapp 60 TWh betrug – immerhin bereits einen Anteil von 17 % an der Nettostromerzeugung aus Photovoltaik. Tobias Reuther: „Das ist eine merkliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2023, in dem der Anteil 13 % betrug“.

Methode zur Eigenverbrauch-Schätzung

Die Analysezahlen des Fraunhofer ISE sind interessant, weil verlässliche Zahlen zum Eigenverbrauch bislang Mangelware waren. Eine exakte Ermittlung ist praktisch unmöglich. Dafür müsste man schließlich von vielen Millionen PV-Anlagen wissen, wieviel Strom sie erzeugt haben und wieviel davon tatsächlich in den Eigenverbrauch geflossen ist.

Ein Balkendiagramm zeigt den Anteil der PV-Anlagen mit Speicher von 2020 bis 2025. Der Anteil steigt von 51% im Jahr 2020 auf 86% im Jahr 2025.
Anteil von PV-Gebäudeanlagen zwischen 7 und 20 kWp installierter Leistung, die in Kombination mit einem Batteriespeicher betrieben werden. (Quelle: Fraunhofer ISE)

Die nun veröffentlichten Zahlen des Fraunhofer ISE wurden erstmals mithilfe einer neuen Methode ermittelt. Sie sind Teil einer 130-seitigen Analyse, die das Institut für das Umweltbundesamt erarbeitet hat. Die komplette Analyse kann man unter diesem Link kostenlos herunterladen.

Basis der Auswertung sind die Daten des Marktstammdatenregisters sowie der Übertragungsnetzbetreiber. Daraus leiteten die Wissenschaftler ihre Abschätzung zum PV-Eigenverbrauch ab. Hierfür kategorisierten sie den PV-Anlagenbestand Deutschlands nach Zeitpunkt der Inbetriebnahme, Leistungsklasse und Anlagentyp, um dann unter Berücksichtigung verfügbarer Daten zu Einspeiseverhalten und installierten Solarstrom-Batteriespeichern auf den Eigenverbrauch zu schließen.

Batteriespeicherkapazität verfünffacht

„Wir erwarten, dass der Eigenverbrauch durch die hohen Strompreise und den Erfolg von Batteriespeichern weiterhin steigen wird“, sagt Christoph Kost, Abteilungsleiter für Energiesystemanalyse am Fraunhofer ISE. Die Batteriespeicher sind in der Tat ein entscheidender Punkt, wenn deutsche Haushalte ihren kompletten Strombedarf mit der eigenen Solaranlage decken sollen. Da PV-Anlagen ihre Energie bekanntlich nicht immer dann produzieren, wenn diese tatsächlich gebraucht wird, sind ausreichende Speicherkapazitäten von zentraler Bedeutung.

Diagramm zur Kapazität stationärer Batteriespeicher in Deutschland bis 2030, mit kumuliertem Zubau und Zielwerten.
Um bis 2030 eine Batteriespeicherkapazität von 100 GWh zu erreichen, müsste die bisherige Speicherkapazität vervierfacht werden. (Quelle: BSW-Solar)

Zum Glück ist in den letzten Jahren auch ein Solarspeicher-Boom zu beobachten. Nach Angaben des Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) hat sich die deutsche Batteriespeicherkapazität in den letzten fünf Jahren verfünffacht. Mittlerweile sind rund 2,4 Mio. Batteriespeicher in Betrieb. Zumeist wurden sie in Kombination mit einer Photovoltaik-Anlage installiert, um den selbst erzeugten Solarstrom rund um die Uhr nutzen zu können.

Laut BSW-Solar liegt die Gesamtspeicherkapazität aller hierzulande bereits installierten Solarspeicher deutlich über 25 Gigawattstunden (GWh). Das reiche rechnerisch aus, um den durchschnittlichen privaten Tagesstromverbrauch von über 3 Mio. modernen Zwei-Personen-Haushalten zu speichern.

Aber sind 25 GWh nicht sehr wenig, wenn man bedenkt, dass der Solarstrom-Eigenverbrauch der Deutschen nach den Zahlen des Fraunhofer ISE schon 2024 bei 12,28 TWh lag – also bei 12.280 GWh? Dem wäre tatsächlich so, wenn die Aufgabe darin bestände, den gesamten Eigenverbrauchstrom des Jahres 2024 auf einen Schlag auf die vorhandenen Batterien zu speichern. Aber darum geht es ja gar nicht. Zum einen wird stets ein großer Teil des Solarstroms direkt verbraucht, ohne dass man ihn vorher speichern müsste. Und zum anderen werden die vorhandenen Solarspeicher im Jahresverlauf natürlich vielfach geladen und wieder entladen.

Speicherausbau bis 2030

Gleichwohl räumt der BSW-Solar ein, dass der derzeitige Bestand an Batteriespeicherkapazitäten – trotz der erfreulichen Zuwächse in den letzten Jahren – noch lange nicht ausreicht, um die Stromversorgung in den kommenden Jahren weitestgehend auf erneuerbare Energien umzustellen. Um das zu schaffen, müsste der jährliche Speicherausbau nach Einschätzung des Bundesverbands mehr als verdoppelt werden. Ziel müsse eine Vervierfachung der bisher installierten Batteriespeicherkapazität auf rund 100 GWh bis zum Jahr 2030 sein.

Baustoff-Fachwissen verständlich erklärt: Jetzt Newsletter abonnieren!

Der BaustoffWissen-Newsletter bringt Sie thematisch immer auf den neuesten Stand. Sie erhalten die Branchen-News dann zwei Mal monatlich.

Mit dem bisherigen Ausbautempo ist dieses Ziel nicht erreichbar. 2025 wurden zwar immerhin knapp 600.000 neue stationäre Batteriespeicher mit einer Kapazität von insgesamt rund 6,5 GWh neu in Betrieb genommen. Das reicht aber bei Weitem nicht aus, um die Gesamtspeicherkapazität bis 2030 um zusätzliche 75 GWh zu erhöhen.

Allein durch ein Wachstum bei privaten Heimspeichern ist das Ziel definitiv illusorisch. Allerdings hat sich das Marktgeschehen in den letzten Jahren ohnehin verschoben. 2025 war die Nachfrage nach Heimspeichern im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig (–8 %), dafür aber boomte der Markt für Groß-Batteriespeicher und Gewerbespeicher. Für 2026 erwartet der BSW-Solar ein weiteres Marktwachstum vor allem bei Großspeichern.

Im Heimsegment wird die weitere Investitionsbereitschaft laut Bundesverband stark von den künftigen Förderbedingungen für Photovoltaik und Wärmepumpen abhängen. Die Kombination von Photovoltaik, Solarspeichern und Wärmepumpen ist für die Nutzer und für den Klimaschutz gleichermaßen besonders vorteilhaft. „Es lohnt sich für Haushalte, insbesondere wenn sie mit dem Strom auch eine Wärmepumpe betreiben oder ihr E-Auto laden, ist aber auch für die Stabilität des Stromnetzes von Vorteil“, sagt Christoph Kost vom Fraunhofer ISE. „Der Strom wird dann direkt dort produziert, wo er verbraucht wird, ohne je im Stromnetz gewesen zu sein.“

zuletzt editiert am 29. Januar 2026