Die Energiewende im Gebäudebereich kann nur funktionieren, wenn sie auch sozial gerecht ist. Das legt ein neuer Bericht der Deutschen Energie-Agentur nahe, der unter anderem zeigt, wie die Wohn- und Heizkosten in Deutschland verteilt sind und wie viele Haushalte durch ihre Wärmeenergieausgaben besonders belastet sind.
Die Kosten für Wohnen, Heizen und Sanierungsmaßnahmen belasten die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zunehmend, und bei vielen Haushalten kann bereits von einer Überlastung gesprochen werden. Das zeigt der Bericht „ Soziale Aspekte der Gebäude-Energiewende “, den die Deutsche Energie-Agentur (dena) in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut e. V. erstellt hat.
Besonders belastete Haushalte
Der Bericht bietet aktuelle Daten zu den steigenden Wohn- und Heizkosten, verbindet die Themen Klimapolitik und Soziales, erörtert mögliche Handlungsoptionen für einzelne Haushalte und schlägt sozial ausgewogene Lösungsansätze vor.

In Deutschland gibt es keine offizielle Definition für Energiearmut. Das macht es Statistikern schwer, die tatsächliche Anzahl der Haushalte zu ermitteln, die hierzulande besonders belastet durch ihre Wärmeenergieausgaben sind. Der dena-Bericht verwendet einen kombinierten Indikator für Energiearmut, den das Öko-Institut entwickelt hat. Als benachteiligt bezüglich ihrer Wärmeenergieausgaben gelten demnach Haushalte, deren Wohnung fossil beheizt wird, einen Energieverbrauch von mehr als 180 kWh/m2 verursacht und die zugleich einen hohen Anteil ihrer Gesamtausgaben für Wärme aufwenden (mehr als doppelt so viel wie der Median) und in der unteren Einkommenshälfte angesiedelt sind.
Nach dieser Definition sind laut Bericht mittlerweile 3,1 Mio. der insgesamt etwa 43 Mio. Haushalte in Deutschland von Energiearmut betroffen. Selbst bis in mittlere Einkommensschichten hinein falle fast jeder siebte Haushalt in diese Gruppe.
Nun gehören die Heizkosten zu denjenigen Wohnkosten, die sich bis zu einem gewissen Grad durch Verhaltensänderungen beeinflussen lassen. Menschen können teilweise oder auch ganz aufs Heizen verzichten, wenn es ihnen zu teuer erscheint. Dass dies negative gesundheitliche Folgen haben kann – inklusive Schimmelbildung – ist klar. Aber manche Menschen scheinen keinen anderen Ausweg zu sehen. Laut den analysierten Daten des Berichts jedenfalls ist in Deutschland der Anteil der Haushalte, die ihre Wohnung nicht ausreichend beheizen können, in den letzten Jahren von 3,3 % (2021) auf 8,2 % (2023) gestiegen.
„Ohne eine sozial gerechte Ausgestaltung der Energiewende im Gebäudebereich und eine faire Verteilung von Kosten und Nutzen wird es dem Großprojekt an Akzeptanz und Unterstützung fehlen“, sagt angesichts solcher Zahlen Corinna Enders, Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena).
Einkommensanteil der Wohnkosten
Laut dem Bericht verwenden Haushalte mit niedrigem Einkommen im Vergleich zu wohlhabenderen Haushalten einen signifikant höheren Anteil ihres Einkommens für Wohnkosten (inklusive Wärmeenergie). Demnach geben Mieter mit niedrigem Einkommen etwa 32 % ihres Einkommens für Wohnkosten aus, im Vergleich zu etwa 14 % bei Haushalten mit hohem Einkommen.

Für Mieter setzen sich die Wohnkosten aus Heizkosten und Kaltmiete zusammen. Laut Bericht haben heute über die Hälfte der Mietenden mit geringem Einkommen eine hohe oder sehr hohe Wohnkostenbelastung. Das sind fast 6,5 Mio. Haushalte. Deutschland ist nun mal ein Mieterland. 58 % aller Haushalte hierzulande wohnen zur Miete – die meisten in Mehrfamilienhäusern. Von den 10 % der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen sind sogar fast 90 % Mieterhaushalte.
Doch auch Eigentümer von Wohnungen und Häusern können durch ihre Wohnkosten stark belastet sein. Neben den Heizkosten laufen bei ihnen Kreditbelastungen, Instandhaltungskosten und andere laufende Kosten auf. Die Berichtsdaten zeigen, dass Eigentümer mit geringem Einkommen ebenfalls einen relativ hohen Wohnkostenanteil von 18 % haben. Bei Haushalten mit hohem Einkommen sind es im Durchschnitt nur 13 %. Ein Grund dafür dürfte sein, dass Eigenheimbesitzer mit wenig Einkommen oft ältere Menschen sind, die in älteren, schlecht wärmegedämmten Gebäuden leben.
Aber was meint der dena-Bericht eigentlich, wenn er von hohen beziehungsweise niedrigen Einkommen spricht? Dazu muss man wissen, dass die diesbezüglichen Angaben in der Publikation auf einer einfachen Einteilung der deutschen Haushalte in drei Gruppen basieren: Demnach wird 30 % der Haushalte ein geringes Einkommen zugeordnet und 30 % ein hohes Einkommen. Die fehlenden 40 % repräsentieren den mittleren Einkommensbereich.