Die energetische Ausstattung von Mietwohnungen ist bislang nur rudimentär vorhanden. (Quelle: Pixabay)

Plus 2024-09-04T07:00:00Z Studie: Ausstattung von Mietwohnungen

Bei der Ausstattung von Mietwohnungen klaffen Wunsch und Wirklichkeit nach wie vor auseinander. Das gilt nicht zuletzt für das energetische Niveau bei Heizung, Fenster, Klimatechnik und Dämmung. Nur rund ein Fünftel der Wohnungen verfügt über einen hohen energetischen Standard, obwohl 81 % der Haushalte dies heute erwarten würden. Das zeigt eine repräsentative Befragung von Mieterhaushalten.

Die Studie „Energetische Ausstattungsmerkmale von Mietwohnungen“ basiert auf einer bundesweiten Befragung von 2.408 Mieterhaushalten im Auftrag des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Sie zeigt, dass in Deutschland eine Mehrheit der Mieter mit der Ausstattung ihrer Wohnungen unzufrieden ist, und zwar nicht zuletzt, weil „die energetische Ausstattung deutscher Mietwohnungen bislang rudimentär ist“. So steht es in der Einleitung der 16-seitigen Befragungsauswertung. Zugleich räumt das BBSR ein, dass „die Befragung unter dem Eindruck des massiven Energiepreisschocks im Kontext des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine“ stand, da die Datenerhebung im Herbst 2022 erfolgte.

Energetische Ausstattung mangelhaft

„Der Klimawandel stellt neue Anforderungen an das Wohnen von Morgen“, erläutert BBSR-Wohnungsmarktexperte Dr. Martin Ammon, der zusammen mit seiner Kollegin Evelyne Spörndle die Ergebnisse der Befragung für die Ausgabe 5/2024 der Reihe „BBSR-Analysen Kompakt“ zusammengefasst hat (Download hier ). „Die befragten Mieterhaushalte haben das erkannt, indem sie eine moderne Dach- und Fassadendämmung, doppelt verglaste Fenster und eine effiziente Heizung als Standard sehen.“

Nur 21 % der Befragten bestätigen einen hohen energetischen Standard. (Quelle: BBSR)

Während 81 % der Haushalte mittlerweile einen hohen energetischen Standard erwarten, sehen diesen lediglich 21 % in der aktuell bewohnten Mietwohnung als erreicht an. Als hoher energetischer Standard wurde in der Befragung eine „hochwertige Wärmedämmung“ und zugleich eine „moderne, energieeffiziente Heizungsanlage“ definiert. Als häufigstes energetisches Ausstattungsmerkmal sind in gut der Hälfte der Mietwohnungen (52 %) zwei- oder dreifach verglaste Fenster zu finden.

Lediglich 5 % der Mietwohnungen verfügen etwa über eine mit erneuerbaren Energien betriebene Heizung, obwohl sich 58 % der befragten Mieter dies als Standard wünschen. Auch Mieterstrom , also lokal erzeugter Strom aus einer Photovoltaikanlage , war zum Befragungszeitpunkt lediglich für 5 % der Mieterhaushalte zugänglich, obwohl gut die Hälfte Mieter daran interessiert wäre.

Hitzeschutz wird wichtiger

Angesichts der Zunahme von Hitzetagen gewinnen auch Schutzmaßnahmen in diesem Bereich an Bedeutung. Die BBSR-Befragung zeigt, dass insbesondere ältere Wohngebäude, die den Großteil des Gebäudebestandes bilden, nur selten über außen liegende Sonnenschutzsysteme wie Rollläden, Markisen oder Fensterläden verfügen. Dasselbe gilt für Lüftungssysteme oder Klimaanlagen. Besser ist die Situation bei Wohnneubauten.

Auch Mieterstrom und Smart-Home-Technik sind noch unterentwickelt. (Quelle: BBSR)

Insgesamt gaben 32 % der Befragten an, dass ihre Wohnung an allen Wohn- und Schlafräumen über außen liegende Verschattungselemente (Markisen, Rollläden, Fensterläden) verfügt. Generell äußerten sich aber immerhin 56 % der Mieter zufrieden mit dem Raumklima ihrer Wohnung im Sommer – also auch viele von denen, die nicht über effiziente Sonnenschutzsysteme verfügen. 19 % waren „eher unzufrieden“ oder „völlig unzufrieden, der Rest kreuzte die Antwortoption „teils/teils“ an.

Nur 6 % der Befragten hatten eine Wohnung mit automatischem Lüftungssystem. Bei Mietwohnungen, die 2016 und später errichtet wurden, waren es 38 %. Aber nur 17 % aller Mieterhaushalte setzen dieses Ausstattungsmerkmal als Standard voraus.

Klimaanlagen mit aktiver Kühlfunktion waren sogar nur in 4 % der Mieterhaushalte vorhanden. Nur 14 % der Befragten setzen sie als Standard voraus, 23 % würden für eine Klimaanlage sogar eine höhere Miete zahlen. 13 % lehnen einen Einbau aber auch ausdrücklich ab. Die Studienautoren fügen in ihrer Analyse erläuternd hinzu, dass die klassische Klimaanlage heutzutage zunehmend Konkurrenz bekommt durch Wärmepumpen , die sich im Sommer auch als Klimaanlage betreiben lassen.

Smart Home und Elektromobilität

Die BBSR-Analyse widmet sich auch Trends wie dem smarten Wohnen („ Smart Home “) und der Elektromobilität. Laut Befragung verfügt derzeit nur 1 % der Mieterhaushalte über eine App-Steuerung für Verschattungselemente wie Jalousien. 2 % regeln Heizung, Klimaanlage oder Licht per App, und 5 % können ihren Energieverbrauch digital visualisieren.

Während das geringe Ausstattungsniveau der Mietwohnungen beim Thema Smart Home mit einer ebenfalls nicht allzu hohen Nachfrage der Mieter zu korrelieren scheint, liegt das Angebot an Ladestationen für Elektrofahrzeuge deutlich unter dem geäußerten Bedarf. Laut Studie waren Ende 2022 nur 3 % der Mieterhaushalte mit einer Ladestation ausgestattet, obwohl sich bereits 36 % daran interessiert zeigten. 19 % dieser Interessierten halten Ladestationen am eigenen Mietobjekt heutzutage für Standard, die anderen 17 % wären bereit, dafür mehr Miete zu zahlen.

zuletzt editiert am 29. August 2024
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