Ein Thermometer zeigt hohe Temperaturen an, während die Sonne im Hintergrund strahlt.
Der Großteil der Anpassungskosten wird künftig in einen besseren Hitzeschutz fließen. (Quelle: Pixabay)

Plus 2025-08-06T07:00:00Z Studie zu klimaangepassten Gebäuden

Extremwetterereignisse wie Hitze, Starkregen oder Hochwasser verursachen schon heute erhebliche Schäden an Gebäuden. Deren bauliche Anpassung an den Klimawandel wird daher in den nächsten Jahren zu einer wichtigen Aufgabe und zugleich zur Wachstumschance für die deutsche Bauwirtschaft. Eine neue Prognos-Studie analysiert nun erstmals den konkreten baulichen Investitionsbedarf bis 2035.

„Klimaanpassung ist kein Nischenthema – sie wird zum zentralen Auftrag für das Bauen der Zukunft“, sagt Lukas Sander, Projektleiter bei der Prognos AG für die im Juni veröffentlichte Studie „ Klimaangepasste Gebäude – Zukunftssicherheit und Wachstumschance für die Bauwirtschaft “. Das Institut hat die knapp 60-seitige Publikation im Auftrag des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB) und des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) erstellt.

Mehr als ein reaktives Schutzkonzept

„Die Klimaanpassung im Gebäudebereich ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe mehr – sie ist konkrete Realität und tägliche Praxis in der Baustoffbranche“, betont BDB-Präsidentin Katharina Metzger. „Damit wir diese Herausforderung entlang der Wertschöpfungskette Bau gemeinsam stemmen können, brauchen wir Planungssicherheit, Investitionen und eine politische Strategie, die auf Umsetzung ausgelegt ist.“

Vergleich der zusätzlichen Investitionen in Milliarden Euro für Szenarien leichten und starken Klimawandels, dargestellt in Kreisdiagrammen.
Die Studie modelliert den Investitionsbedarf für klimaangepasste Gebäude bis 2035 in zwei Szenarien. (Quelle: Prognos AG)

ZDB-Präsident Wolfgang Schubert-Raab unterstreicht, dass der Prozess zur Klimaanpassung nur im Schulterschluss aller Beteiligten gelingen kann: „Als Bauwirtschaft verstehen wir uns als Lösungspartner der Politik. Nur gemeinsam lassen sich die Herausforderungen der Klimaanpassung nachhaltig und wirkungsvoll meistern.“ Wenn das gelingt, sieht Schubert-Raab Vorteile für Bauwirtschaft, Politik und Gesellschaft gleichermaßen: „Klimaanpassung ist mehr als ein reaktives Schutzkonzept – sie ist ein wirtschaftlicher Motor für die gesamte Bauwertschöpfungskette, eröffnet neue Märkte, Geschäftsmodelle und Beschäftigungschancen.“

Ziel ist natürlich einerseits, Klimaanpassung beim Neubau künftig von vorneherein mitzudenken. Nach Überzeugung der Branchenvertreter lassen sich durch klimaresilientere Gebäude langfristig Kosten sparen. Doch auch im Gebäudebestand bedarf es vielerorts baulicher Anpassungen, um Mensch und Material besser vor klimawandelbedingten Risiken wie Hitze, Starkregen , Flusshochwasser, Gewitter und Sturm/Hagel zu schützen.

Prognostizierter Investitionsbedarf

Die Prognos-Studie modelliert für jede einzelne der genannten fünf Risiken die jeweils erforderlichen Anpassungsmaßnahmen bis zum Jahr 2035 hinsichtlich Investitionsvolumen und personellem Umsetzungsbedarf. Dabei differenziert sie zwischen den beiden Szenarien „Schwacher Klimawandel“ und „Starker Klimawandel“.

Diagramm zeigt den zusätzlichen Personalbedarf in zwei Klimawandelszenarien: leichter und starker Klimawandel.
Auch der zusätzliche Personalbedarf in Vollzeitäquivalenten (VZÄ) wird in der Studie modelliert. (Quelle: Prognos AG)

Beim Szenario „Schwacher Klimawandel“ schätzen die Prognos-Mitarbeitenden den Investitionsbedarf für bauliche Anpassungen an den Klimawandel auf 137 Mrd. Euro bis 2035. Diese Schätzung bezieht sich sowohl auf Neubau- als auch auf Bestandsinvestitionen. Am meisten müsste in diesem Szenario für Anpassungen an Starkregenereignisse ausgegeben werden (65 Mrd. Euro), gefolgt von den Investitionen zur Anpassung an Hitze (44 Mrd. Euro). 86 % der Kosten für die klimaangepasste Nachrüstung fielen im Gebäudebestand an, 14 % im Neubau.

Beim Szenario „Starker Klimawandel“ – laut Prognos die wahrscheinlichere Variante – sind bis 2035 gleich 100 Mrd. Euro mehr an Ausgaben notwendig – also insgesamt 237 Mrd. Euro. 63 Mrd. würden dann zusätzlich für den Hitzeschutz gebraucht, der mit insgesamt 107 Mrd. Euro den größten Kostenblock in diesem Szenario ausmacht. Zur Vorbeugung von Starkregenschäden wären 76 Mrd. Euro notwendig – 11 Mrd. mehr als beim Szenario eines nur leichten Klimawandels.

Die jährlichen Anpassungskosten im Gebäudesektor belaufen sich laut Prognos-Modellierung auf 12,5 Mrd. Euro im Szenario „Schwacher Klimawandel“ und 21,5 Mrd. im Szenario „Starker Klimawandel“. Zum Vergleich: Derzeit werden in Deutschland jährlich nur etwa 5 Mrd. Euro für bauliche Anpassungen an den Klimawandel ausgegeben. Die Modellierung macht also deutlich, dass sich die Anstrengungen für die Klimaanpassung in den nächsten Jahren mindestens verdoppeln, wenn nicht sogar vervierfachen müssten.

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Die Klimaanpassung im Gebäudesektor wird nicht nur viel Geld kosten, sondern natürlich auch Arbeitskräfte binden. Die Prognos-Forschenden gehen davon aus, dass beim „Starken Klimawandel“ jedes Jahr 15.300 zusätzliche Fachkräfte (Vollzeitäquivalente) gebraucht würden. Beim Szenario „Schwacher Klimawandel“ wären es „nur“ 7.700 pro Jahr.

Aufgabenumfang und geeignete Maßnahmen

Bei wie vielen Gebäuden in Deutschland sind Maßnahmen zur Klimaanpassung eigentlich tatsächlich notwendig, und welche Maßnahmen könnten das sein? Auch zu diesen Fragen liefert die Prognos-Analyse Antworten.

Cover der Prognos-Studie.
Die knapp 60-seitige Studie entstand im Auftrag der Branchenverbände ZDB und BDB. (Quelle: Prognos AG)

Laut Studie müssen in Deutschland insgesamt etwa 11,2 Mio. Gebäude besser gegen Hitze geschützt werden. Geeignete Maßnahmen dazu sind neben außen liegenden Sonnenschutzsystemen und Klimaanlagen insbesondere auch mehr Dachbegrünungen und Fassadenbegrünungen . Hinzu kommt natürlich – falls nicht schon vorhanden – die Wärmedämmung der Gebäudehülle, denn die hilft ja nicht nur beim Heizkostensparen im Winter, sondern bietet auch große Vorteile für den sommerlichen Hitzeschutz .

Von Starkregen sind in Deutschland nach Prognos-Angaben potenziell etwa 22 Mio. Gebäude betroffen. Im Vergleich zum Hitzeschutz sieht die Studie hier aber nur einen „mittleren Anpassungsbedarf“, die notwendigen Maßnahmen seien deutlich kostengünstiger. Als geeignete Maßnahmen nennt sie eine Erhöhung der Schwellen von Haustüren und Lichtschächten , die Verlagerung der Haustechnik aus überflutungsgefährdeten Bereichen, Drainagesysteme in Gebäudenähe, Entsiegelung von Grundstücksflächen, die Abdichtung erdberührter Bauteile (zum Beispiel Kellerabdichtung ), Rückstauklappen für Hausentwässerungsrohre und druckwasserdichte Kellerfenster .

An die Gefahren von Flusshochwasser müssten nach Prognos-Angaben etwa 900.000 Gebäude angepasst werden, die Studie sieht hier aber insgesamt „vergleichsweise geringe zusätzliche Investitionsnotwendigkeiten“. Zur Schadensvorbeugung bieten sich im Prinzip die gleichen Maßnahmen wie bei Starkregen an. Empfohlen wird zudem eine „wasserabweisende Gestaltung der Innenräume im Erdgeschoss“ – insbesondere feuchteunempfindliche Boden- und Wandbeläge wie etwa keramischen Fliesen, mit wasserbeständigen Fliesenklebern und Fugenmassen .

Gegen Gewitter sind laut Prognos etwa 2,2 Mio. Gebäude zusätzlich zu schützen. Geeignete Maßnahmen sind hier äußere Blitzschutzsysteme oder auch innere Blitzschutzsysteme (Überspannungsschutz, Potenzialausgleich).

Für die Anpassung an Hagel und Sturm schließlich erwarten die Forschenden, dass im starken Klimawandelszenario bei etwa 4,5 Mio. Gebäuden zusätzliche Schutzmaßnahmen notwendig wären. Das Maßnahmenspektrum umfasst hier insbesondere Sturmklammern für die Dacheindeckung sowie die Hagelsicherung von Dachfenstern und Lichtkuppeln (verstärkte Außenrolladen, Sicherheitsglas , Hagelschutzfolien, Hagelgitter aus Metall).

zuletzt editiert am 24. Juli 2025
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