Der Photovoltaik-Ausbau geht voran. Das unterstreicht die dritte Auflage einer Kurzstudie des Fraunhofer ISE zum Ausbau in Deutschland. Demnach wurden 2023 erstmals über eine Million neue PV-Anlagen installiert. Zu den wichtigsten aktuellen Trends gehört der beschleunigte Zubau von Balkon- und Mini-PV-Anlagen sowie der Zuwachs von Batteriespeichern in Kombination mit Photovoltaik.
„Balkon-PV-Anlagen sind leicht zu installieren und ermöglichen es auch Mieterinnen und Mietern sich aktiv an der Energiewende zu beteiligen“, erläutert Tobias Reuther. „Der Trend ist mittlerweile so stark, dass es sich beim Leistungszubau der Photovoltaik bemerkbar macht, auch wenn weiterhin die größeren Anlagenklassen für den Solarausbau in Deutschland entscheidend bleiben.“ Reuter ist Autor der Kurzstudie „ Photovoltaik- und Batteriespeicherzubau in Deutschland in Zahlen “. Sie wurde vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) kürzlich in dritter Auflage veröffentlicht.
Laut Studie gab es in Deutschland Ende 2023 insgesamt 3,7 Mio. PV-Anlagen (Ende 2022: 2,2 Mio.) mit einer installierten Leistung von über 82 Gigawatt. Mehr als ein Viertel dieser Anlagen (rund 1 Mio.) ist erst im letzten Jahr dazugekommen. Zur Gesamtanzahl der Anlagen gehören neben der gebäudeintegrierten Photovoltaik natürlich auch die Freiflächenanlagen. Deren Bedeutung hat seit 2000 wieder zugenommen. 2022 machten sie 40 % des gesamten Leistungszubaus aus. 2023 lag dieser Anteil bei 29 %.
Balkon-PV boomt
Gebäudeanlagen befinden sich meist auf Hausdächern. Doch in letzter Zeit ist auch die so genannte Balkon-PV stark im Kommen. Unter Balkon-PV beziehungsweise Minianlagen versteht die Studie steckerfertige PV-Anlagen mit ein bis zwei Modulen und einer Leistung bis 2 kWp. 2023 wurden hierzulande insgesamt 293.000 solcher Anlagen neu gemeldet. Das entsprach einem Anteil von 29 % am gesamtem PV-Zubau (2019: 3 %).

Die Maßeinheit kWp steht übrigens für „Kilowatt Peak“ und bezeichnet den vom Hersteller ermittelten Wert für die Leistung einer Photovoltaikanlage. Genauer gesagt gibt der kWp-Wert an, welche Höchstleistung („peak“) eine Photovoltaik-Anlage unter den Standard-Testbedingungen erbracht hat.
Gebäudeanlagen zwischen 2 und 10 kWp machen mit durchschnittlich 64 % in den Jahren 2001 bis 2023 weiterhin den größten Anteil am Anlagenzubau aus. Daran hat auch der jüngste Boom der Balkon-PV nichts geändert. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, da die Größe der Anlagen bis 10 kWp einfach gut zur typischen Flächenverfügbarkeit auf Einfamilienhaus-Dächern passt.
Gleichwohl hat der Zuwachs bei der Balkon-PV dazu geführt, dass der Anteil der Gebäudeanlagen mit 2 bis 10 kWp Leistung mittlerweile gesunken ist. Im Durchschnitt der Jahre von 2011 bis 2023 machte er noch 68 % des gesamten Anlagenzubaus aus – zuletzt nur noch 64 %.
Trend zu größeren Gebäudeanlagen
Neben dem Trend zu den kleinen PV-Anlagen für die Steckdose gibt es im Gebäudebereich aber auch einen Trend zu größeren Anlagen. Laut Studie lag der Anteil der Anlagen mit einer Leistung zwischen 10 und 20 kWp im Jahr 2023 bei 22 %. Zum Vergleich: 2020 waren es nur 3 %, 2021 immerhin schon 11,5 %.

Hintergrund: Seit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2021 ist selbst verbrauchter Strom von PV-Anlagen bis 30 kWp Leistung von der EEG-Umlage befreit. Das hat größere Solarmodule für private Hausbesitzer deutlich attraktiver gemacht. Zumal die Anlagen im Leistungsbereich von zehn bis 20 kWp ebenfalls einen Flächenbedarf repräsentieren, der sich noch mit den Dachgrößen viele Privathäuser verträgt.
Größere PV-Dachanlagen ab 30 kWp Leistung findet man dagegen meist nur auf Gewerbeimmobilien. Noch 2019 betrug der Anteil solcher Großanlagen am gesamten Leistungszubau übrigens 52,6 %. 2021 lag dieser Wert dann nur noch bei 22,5 %, was nicht zuletzt mit dem Anteilsanstieg bei Anlagen der Leistungsklassen 10 bis 30 kWp zusammenhängt.
Der Norden holt auf
Zwischen 2001 und 2010 wurden mehr als die Hälfte aller in Deutschland neu zugebauten PV-Anlagen in den beiden südlichsten Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern installiert. 2023 waren es nur noch 32 %. Mittlerweile hat der Norden – und hier insbesondere der Nordwesten – aufgeholt. Besonders stark konnte Nordrhein-Westfalen seinen Anteil am Anlagenzubau steigern (2023: 21 %).

Damit im Tagesverlauf möglichst viel Sonnenstrahlen auf die Solarmodule treffen, entscheiden sich die meisten Hausbesitzer – sofern möglich – für eine Ausrichtung nach Süden. Doch schon seit 2013 sinkt der Anteil der Richtung Süden, Süd-West oder Süd-Ost ausgerichteten Anlagen, weil mittlerweile auch zunehmend Anlagen installiert werden, die nach anderen Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. 2023 waren „nur“ noch 45 % aller neu installierten PV-Anlagen nach Süden ausgerichtet. Alle anderen Himmelsrichtungen konnten ihre Anteile am Anlagenzubau ausbauen.
Dass Hausbesitzer ihre PV-Anlagen mittlerweile auch nach Himmelsrichtungen ausrichten, die nicht die optimale Stromausbeute versprechen, hängt vermutlich mit dem Rückgang der Anlagenpreise zusammen. Wer keine Dachfläche mit Südausrichtung hat, verzichtete früher ganz auf Photovoltaik. Heute dagegen erscheinen auch Anlagen mit suboptimaler Ausrichtung und niedrigerem Ertrag oft noch wirtschaftlich realisierbar.
Auch Batteriespeicher boomen
Basis der 27-seitigen Kurzstudie ist das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur zum Stichtag 6. Februar 2024. In diesem Register müssen seit Januar 2019 alle an das allgemeine Versorgungsnetz angeschlossenen Stromerzeugungseinheiten eingetragen sein. Diese Registrierungspflicht gilt auch für Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen) sowie überdies für Batteriespeicher aller Größenklassen.
Eben diese Batteriespeicher erlebten zuletzt gleichfalls einen kleinen Boom. Ende letzten Jahres waren in Deutschland insgesamt über 1,1 Mio. Batteriespeicher installiert. Fast 50 % davon (548.000) wurden allein im Jahr 2023 zugebaut, fast 70 % in den letzten beiden Jahren.
83 % der Speicheranlagen zählten Ende 2023 zum Segment der Heimspeicher (bis 30 Kilowattstunden Speicherkapazität). Heimspeicher werden in Deutschland vor allem in Kombination mit PV-Anlagen eingesetzt. Auf Großspeicher (ab 1.000 Kilowattstunden Speicherkapazität) entfallen mittlerweile 13 %.
Dieser Text ist eine Aktualisierung des BaustoffWissen-Beitrags „Studie zum Photovoltaik-Ausbau“ von Oktober 2022.