Laut Schätzungen des Umweltbundesamts und der Gesundheitsämter gibt es bundesweit noch immer rund 38.000 Gebäude mit bleihaltigen Trinkwasserleitungen. Doch damit hat es nun bald ein Ende. Laut Trinkwasserverordnung müssen Immobilien-Eigentümer Bleileitungen bis spätestens 12. Januar 2026 entfernen oder stilllegen.
Die gesetzliche Vorgabe betrifft vorrangig Gebäude, die vor 1973 errichtet wurden. Nach Angaben des Unternehmens Brunata-Metrona – Dienstleister für verbrauchsabhängige Heiz- und Wasserkostenabrechnungen – befinden sich viele der betroffenen Immobilien in Städten wie Hamburg und Berlin sowie in Teilen Nordrhein-Westfalens. Blei gilt als hochgiftiges Schwermetall, das sich im Körper anreichert und langfristig zu schweren gesundheitlichen Schäden führen kann – insbesondere bei Kindern und Schwangeren. Schon geringe Konzentrationen im Trinkwasser reichen dafür aus.
Nur wenige Gebäude betroffen
Rein zahlenmäßig betrachtet, ist die Gefahr in Deutschland freilich gering. Auch unter den älteren Gebäuden verfügt nur noch eine kleine Minderheit über Bleileitungen beziehungsweise bleihaltige Leitungsteile im Bereich der Trinkwasserinstallation. Wie gesagt: Die Schätzungen liegen bei rund 38.000 Gebäuden, zugleich gibt es in Deutschland aber rund 12 Mio. Wohnhäuser, die vor den 80er-Jahren gebaut wurden.

Auch auf der Website des Umweltbundesamts ist zu lesen, dass es Bleirohre und damit bleihaltiges Trinkwasser höchstens noch in älteren Gebäuden mit Baujahr vor 1973 geben könne. Seit diesem Zeitpunkt werde Blei in Deutschland nicht mehr als Leitungsmaterial verwendet.
Doch auch unter den vor 1973 gebauten Häusern sind bei Weitem nicht alle betroffen, weil auch damals schon häufig andere Werkstoffe wie Kupfer oder verzinkter Stahl zum Einsatz kamen. In Teilen Bayerns und Baden-Württembergs sind Bleileitungen sogar schon seit Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr im Einsatz. Und dort, wo einst Bleirohre verlegt wurden, haben die meisten Immobilienbesitzer sie mittlerweile längst ausgetauscht.
Doch auch wenn das Problem heute nur noch wenige Gebäude betrifft, ist es gut, dass die Mitte 2023 in Kraft getretene, novellierte Trinkwasserverordnung nun ein ausdrückliches Verbot von Bleileitungen vorsieht und die diesbezügliche Übergangsfrist am 12.01.2026 abläuft (§17 TrinkwV). Denn bleihaltiges Trinkwasser ist alles andere als eine Lappalie.
Schon kleine Dosen gefährlich
Laut Umweltbundesamt ist das Schwermetall auch in sehr niedrigen Aufnahmemengen gesundheitsgefährdend und kann bei Ungeborenen, Säuglingen und Kleinkindern das Nervensystem schädigen sowie die Blutbildung und die Intelligenzentwicklung beeinträchtigen. Problematisch ist vor allem, dass sich auch kleine Mengen an aufgenommenem Blei nach und nach im Körper zu gefährlichen Dosen anreichern können.
Der Gesetzgeber legt schon seit Langem einen Grenzwert für Blei im Trinkwasser fest, der nicht überschritten werden darf. Laut Anlage 2 der Trinkwasserverordnung liegt dieser aktuell bei 0,010 mg pro Liter Wasser. Ab 12.01.2028 ist eine nochmalige Absenkung auf dann nur noch 0,005 mg pro Liter geplant. Zum Vergleich: Ende der 1990er-Jahre betrug der Grenzwert noch 0,040 mg pro Liter.
Trinkwasser, das Bleirohre durchläuft, kann bedenkliche Bleigehalte aufweisen, die zumindest bei regelmäßiger Aufnahme gesundheitsgefährdend sind. Dafür reicht es nach Angaben des Umweltbundesamtes unter Umständen schon, wenn man Wasser trinkt, das über Nacht in den Rohren gestanden hat. Eine professionelle Trinkwasseranalyse, wie sie zum Beispiel Brunata-Metrona anbietet, kann hier Klarheit schaffen.
Die besagte Trinkwasseranalyse ist unter Umständen auch das Mittel der Wahl, um bleihaltige Leitungsteile überhaupt erst einmal aufzuspüren. Denn nicht überall im Haus sind die Rohre sichtbar. Im Keller beziehungsweise an der Wasseruhr liegen die Rohre meist offen zutage. Aber wenn sich dort keine Bleileitungen befinden beziehungsweise diese schon ausgetauscht wurden, heißt das nicht, dass anderswo im Gebäude, etwa in Wänden oder im Bodenaufbau, nicht doch noch bleihaltige Teilleitungen stecken können.
Woran erkennt man Bleirohre?
Dort, wo sie sichtbar verbaut sind, erkennt man Bleirohre an ihrer matten, (silber-)grauen Farbe. Sie sind zudem weicher als andere Metallrohre und lassen sich mit einem Messer leicht einritzen. Ältere Bleirohre können durch Alterung dunkler oder stumpf werden.
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Die Rohre haben zudem keine verschraubten Verbindungen, sondern sind meist „tulpenförmig“ und wulstig verlötet. Der Klopftest offenbart einen eher dumpfen, jedenfalls nicht metallisch-hohen Klang. Blei ist zudem nicht magnetisch. Aufgrund der Weichheit des Materials sind zudem Winkelstücke bei Bleirohren nicht üblich. Stattdessen werden die Rohre einfach gebogen, wenn eine Richtungsänderung notwendig ist.