Gebäudedämmungen mit Vakuum-Isolations-Paneelen sind hocheffektiv, in der Praxis bisher aber nur Nischenlösungen. Das hängt neben der Empfindlichkeit der Dämmplatten auch damit zusammen, dass es bisher an Daten zur Langlebigkeit des Materials mangelt. Der Dämmstoffhersteller va-Q-tec hat nun erstmals in der Praxis die Funktionalität und Dämmleistung von Vakuumdämmplatten überprüft, die vor knapp 20 Jahren in einem Münchner Wohn- und Geschäftshaus verbaut wurden.
Die ersten Vakuumdämmungen für Gebäude kamen in Deutschland Ende des 20. Jahrhunderts auf den Markt. Die heute meist als „Vakuum-Isolations-Paneele“ (VIP) bezeichneten Dämmplatten sind also in der Baubranche ein noch relativ junges Produkt. Die Frage nach der Lebensdauer der Paneele konnte daher naturgemäß bisher nur durch Simulationen und Labortests beantwortet werden, nicht aber im Praxiseinsatz.
Hersteller klassischer Massendämmstoffe wie EPS oder Mineralwolle geben bei der Lebensdauer ihrer Produkte meist Werte zwischen 25 und 50 Jahren an. Bei den VIPs ist das schwierig. Vor 50 Jahren gab es sie noch gar nicht. Und auch Praxisobjekte, die ein Viertel Jahrhundert „auf dem Buckel“ haben, sind rar gesät.
Langzeittest mit Wärmebildaufnahmen
Ein Projekt wie das Futurhaus im Münchner Stadtteil Lehel, das 2004 mit Vakuum-Isolations-Paneelen des Würzburger Herstellers va-Q-tec fertiggestellt wurde, gilt in diesem Produktbereich bereits als „Oldie“. Insofern ist es durchaus von allgemeinem Brancheninteresse, dass va-Q-tec nun knapp 20 Jahre nach Fertigstellung des Referenzprojekts die Funktionalität und Dämmleistung der damals verbauten Isolationspaneele überprüft hat. Dies erfolgte mithilfe von Wärmebildaufnahmen.

Nach Angaben des 2001 gegründeten mittelständischen Unternehmens ist das Futurhaus das erste mehrstöckige Gebäude Deutschlands, das vollständig mit Vakuum-Isolations-Paneelen isoliert wurde. Da VIPs im Vergleich zu klassischen Dämmstoffen durch eine deutlich geringere Wärmeleitfähigkeit bestechen, lässt sich der jeweils gewünschte Wärmeschutzstandard mit einer viel kleineren Dämmschichtdicke erreichen.
Beim Futurhaus wurden die VIPs in ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ) integriert, zudem neben dem Dämmstoff auch eine Putzträgerplatte gehört. Außerdem kamen sie im Bereich der (Dach-)Terrassen zum Einsatz. An der Fassade genügten 2 cm starke VIP-Platten, um eine Dämmwirkung zu erreichen, für die man mit herkömmlichen Materialien eine etwa 25 cm dicke Dämmschicht benötigt hätte. Für das Referenzobjekt bedeutete dies ein Wohnfläche-Plus von 125 m².
Aufbau der VIP-Dämmung
Zum Hintergrund: Vakuum-Isolations-Paneele dämmen so unvergleichlich gut, weil sie zum einen extrem porös sind und zum anderen in ihren unzähligen Poren ein Vakuum erzeugt wurde. Die marktgängigen VIPs enthalten meist mikroporöses Kieselsäurepulver, das enorm porenreich bleibt, obwohl es für die VIPs zu einer festen Stützplatte zusammengepresst wurde. Das Vakuum entsteht, indem die Kieselsäureplatte mit einer gasdichten metallischen Folie umhüllt wird, die man anschließend luftleer pumpt.
Trotz der unbestreitbaren Dämmvorteile kommen VIPs im Bauwesen meist nur dort zum Einsatz, wo ein hoher Wärmeschutz gewünscht, zugleich aber nur wenig Platz für Dämmstoffe vorhanden ist. Ansonsten scheuen Bauherren meist den noch relativ teuren Preis, und viele Handwerker sind skeptisch, weil sie die Paneele im Vergleich zu herkömmlichen Dämmstoffen deutlich vorsichtiger anpacken müssen. Die Metallfolie der VIPs darf nämlich nicht beschädigt werden, sonst ist es aus mit dem Vakuum. Aus demselben Grund lassen sich die Platten nicht flexibel zuschneiden.
Ergebnisse der Wärmebild-Auswertung
Wie aber nun ist es um die Langlebigkeit der (hoffentlich schadensfrei) verarbeiteten Materialien bestellt? Beim Futurhaus in München-Lehel wurde die 2 cm dicke VIP-Fassadendämmung mit einer 8 cm dicken Putzträgerplatte kombiniert, die den Dämmstoff von außen schützt. Knapp 20 Jahre später zeigen die im Februar 2023 durchgeführten Wärmebildaufnahmen, dass die Dämmstoffe offenbar noch voll intakt sind.
an einem Tag zum Einsatz, an dem ähnliche Witterungsbedingungen herrschten wie bei den ursprünglichen Aufnahmen von 2004. Der Vergleich der beiden Aufnahmen hat gezeigt, dass es beim Futurhaus bisher keinen Abfall der Dämmleistung gibt. Selbst in den begrünten (Dach-)Terrassenbereichen, die der Witterung noch stärker ausgesetzt sind als die Fassade, waren alle Paneele intakt. a
Dieses positive Ergebnis zeigt einerseits, dass Vakuum-Isolations-Paneele auch nach fast 20-jähriger Nutzung noch voll funktionsfähig sein können. Es belegt zudem aber auch, dass die 2004 im Futurhaus eingebauten Dämmstoffe damals einwandfrei funktionsfähig zur Baustelle geliefert und anschließend schadensfrei eingebaut wurden.
Patentierte Qualitätskontrolle
Letzteres ist bei VIPs eben nicht selbstverständlich. Ihre Qualität und Lebensdauer hängt nicht nur vom Kernmaterial und vom Produktionsprozess ab, sondern auch von der Unversehrtheit der Barriere-Folie und – damit zusammenhängend – vom internen Gasdruck.

Zur Prüfung der einwandfreien Funktionsfähigkeit der Paneele vor dem Einbau hat va-Q-tec das patentierte Qualitäts-Kontrollsystem „va-Q-check“ entwickelt. Es kommt am Ende des Produktionsprozesses zum Einsatz und ermöglicht binnen Sekunden die Überprüfung des Gasinnendrucks eines jedes einzelnen VIP. Dafür stattet der Hersteller alle seine Paneele mit einer kleinen Sensorscheibe und einem Barcode-Label aus. Somit lassen sich die Informationen über jedes VIP individuell speichern.
Beim Futurhaus kamen übrigens VIP-Dämmplatten mit offen liegender Metallfolie zum Einsatz. Darüber hinaus bietet der Würzburger Hersteller mittlerweile auch VIPs an, die zusätzlich mit einem beidseitigem Oberflächenschutz ausgestattet sind. Je nach Einsatzzweck gibt es hier Produkte mit unterschiedlichen Material-Kaschierungen – beispielsweise aus XPS , Polyurethan oder auch aus Gummi.