Deutlicher Unterschied: links ein typischer DDR-Wohnblock aus den 1970er Jahren, rechts das sanierte Wohnhaus.
Deutlicher Unterschied: links ein typischer DDR-Wohnblock aus den 1970er Jahren, rechts das sanierte Wohnhaus. (Quelle: Halberstädter Wohnungsgesellschaft mbH)

Plus 2025-11-13T08:00:00Z Vom Plattenbau zum Effizienzhaus

In Halberstadt wurde ein alter DDR-Wohnblock zu einem modernen Effizienzhaus 55 aufgewertet. Aus dem ursprünglich flachgedeckten Plattenbau entstand durch Rückbau einzelner Etagen ein dreigeschossiges Wohnhaus mit modernem Steildach. Für die Dämmung der neuen obersten Geschossdecke kam eine Einblasdämmung aus Mineralwolle zum Einsatz.

Das Mehrfamilienhaus in der Eike-von-Repgow-Straße von Halberstadt (Sachsen-Anhalt) stammt aus den 1970er-Jahren und war bis zur Sanierung ein Musterbeispiel für den industriellen Wohnungsbau der DDR. Die funktionale Bauweise bot über Jahrzehnte hinweg vielen Menschen ein Zuhause. Doch der energetische Zustand sowie der Wohnkomfort waren schon seit Längerem nicht mehr zeitgemäß. Die Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe) entschied sich daher für eine grundlegende Kernsanierung, die neben einer optischen Aufwertung auch die energetische Sanierung zum Effizienzhaus 55 umfasste.

Vom Flach- zum Steildach

Aus dem ursprünglich fünfgeschossigen Plattenbau mit Flachdach entstand durch Rückbau zweier Etagen ein dreigeschossiges Wohnhaus mit Satteldach . Statt ehemals 30 finden in dem Haus nun 18 großzügig geschnittene Wohneinheiten Platz.

Ein modernes Wohngebäude mit mehreren Balkonen, die in einer Reihe angeordnet sind.
Der ehemalige Plattenbau ist nun ein modernes Energieeffizienzhaus mit künstlerisch gestalteten Fassaden. (Quelle: Halberstädter Wohnungsgesellschaft mbH)

Die alten Betonbalkone und Fenster wurden modernisiert. Auch im Inneren gab es umfassende Veränderungen. Unter anderem wurden die Grundrisse teils neu organisiert. Aufgrund der tiefgreifenden Umbaumaßnahmen zogen die Mieter für die Dauer der Arbeiten aus. Dies schuf den notwendigen Raum für den grundlegenden Umbau, der das Gebäude sowohl energetisch als auch architektonisch auf ein neues Niveau hob.

Im Zuge der Sanierung erfolgten neben Dämmmaßnahmen auch weitere umfassende Maßnahmen an der Gebäudehülle und im Bereich der Energieversorgung. Die Fassaden wurden zum Beispiel künstlerisch gestaltet: Großflächige Wandmalereien an den Stirnseiten tragen positiv zum Gesamtbild des Wohngebiets rund um die Eike-von-Repgow-Straße bei.

Auch die Heiztechnik wurde grundlegend erneuert: Statt einer alten Gasheizung nutzt das Gebäude nun das Fernwärme-Netz der Halberstadtwerke. Ergänzt wird das nachhaltige Energiekonzept durch eine Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung sowie Solarthermie -Module zur Warmwasserunterstützung.

Die Sanierung in der Eike-von-Repgow-Straße zeigt, welches Potenzial im Bestand steckt. Wo früher ein schlichter Plattenbau stand, ist ein modernes, energieeffizientes und gestalterisch ansprechendes Wohnhaus entstanden. Die Arbeiten in Halberstadt begannen 2023, dauerten gut ein Jahr und wurden 2024 mit der energetischen Dachsanierung abgeschlossen.

Dämmung der obersten Geschossdecke

Apropos Dach: Durch die Umgestaltung zum Steildach entstand ein (unbewohnter) Dachraum, dessen oberste Geschossdecke ebenfalls gedämmt werden musste. Dabei kam der Einblasdämmstoff „Pure Floc“ von Ursa zum Einsatz. Die niedrige Wärmeleitfähigkeit der Mineralwolle -Flocken – 0,037 W/mK bei freiliegender Anwendung – trägt wesentlich dazu bei, Wärmeverluste zu reduzieren.

Ein Arbeiter in Schutzkleidung installiert Dämmmaterial auf einem Dachboden.
Das maschinelle Einblasverfahren ermöglicht eine fugenlose und gleichmäßige Verfüllung der Dämmung. (Quelle: Kematherm Halberstadt GmbH)

Vor allem für ungenutzte Dachräume wie in Halberstadt eignet sich diese Verlegeart. Mit einer Dämmstoffdicke von 40 cm konnte dort eine besonders hohe Dämmleistung erzielt werden. Ergänzend sorgt die geringe Schüttdichte von 20 bis 25 kg pro Kubikmeter bei freiliegender Dämmung für einen geringen Materialeinsatz bei gleichzeitig hoher Effizienz.

Die Sanierung eines Bestandsgebäudes wie in Halberstadt bringt bauphysikalische Herausforderungen mit sich – insbesondere im Hinblick auf Feuchteschutz und Schimmelprävention. Auch diesbezüglich war Pure Floc eine gute Wahl. Die losen Flocken nehmen keine Luftfeuchte auf, sind aber diffusionsoffen und tragen damit zur Austrocknung möglicher Feuchte in der Konstruktion bei. Das beugt Schimmelbildung vor – ein entscheidender Faktor für die langfristige Erhaltung der Bausubstanz und Wohnqualität.

Die Dämmschicht verhindert nicht nur den Wärmeabfluss aus den Wohnräumen in den unbeheizten Dachraum, sondern verbessert an heißen Tagen auch den sommerlichen Wärmeschutz deutlich. Trotz seiner losen Struktur bleibt der Einblasdämmstoff nach Herstellerangaben über viele Jahre formstabil und garantiert so eine gleichbleibend hohe Dämmleistung. Ursa Pure Floc ist außerdem mit der europäischen Baustoffklasse A1 nicht brennbar, glimmt nicht und behindert damit eine mögliche Brandausbreitung.

Sauber im Einblasverfahren

In Halberstadt kam der Dämmstoff auf rund 1.000 m2 zum Einsatz. Die Arbeiten führte die Kematherm Halberstadt GmbH im Einblasverfahren aus. Diese maschinelle Technik zeichnet sich durch ihre schnelle und präzise Umsetzung aus. Sie ermöglicht eine vollständige und lückenlose Verfüllung der Fläche, selbst in schwer zugänglichen Bereichen. Es entsteht keine Staubbelastung und der logistische Aufwand auf der Baustelle wird erheblich reduziert.

Ein detaillierter Blick auf die Holzkonstruktion eines Dachstuhls, die symmetrisch und stabil aufgebaut ist.
Das alte Flachdach wurde durch ein modernes Satteldach ersetzt. (Quelle: Halberstädter Wohnungsgesellschaft mbH)

So konnten die Dämmarbeiten in kurzer Zeit abgeschlossen werden, was den Baufortschritt deutlich beschleunigte. Neben der Dämmung der obersten Geschossdecke wurde in Halberstadt auch die Kellerdecke fachgerecht gedämmt, um Wärmeverluste über den unteren Gebäudebereich zu vermeiden.

Durch die Dämmung der obersten Geschossdecke wurden die Wärmeverluste über das Dach deutlich reduziert und der KfW-55-Standard erreicht. Die diffusionsoffenen Eigenschaften des Dämmstoffs schützen zudem die Bausubstanz langfristig. Die Bewohner profitieren nun von einem spürbar verbesserten Raumklima – im Sommer wie im Winter – sowie einem Plus an Sicherheit durch integrierten Brand- und Feuchteschutz.

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zuletzt editiert am 07. November 2025
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