Eine vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) ist in der Anschaffung zunächst deutlich teurer als beispielweise ein Wärmedämm-Verbundsystem. Doch langfristig ist die Dämmfassade mit dem eingebauten Hinterlüftungsspalt durchaus wirtschaftlich. Sie punktet mit bauphysikalischen Vorteilen sowie geringer Schadensanfälligkeit und ermöglicht eine unschlagbar große Vielfalt unterschiedlicher Fassadenoptiken.
VHF nach DIN 18516-1 bestehen in der Regel aus vier Teilen: die äußere Fassadenbekleidung, der Hinterlüftungsspalt, die Dämmung und die Unterkonstruktion. Streng genommen ist natürlich auch eine vorgehängte Fassadenbekleidung an einer ungedämmten Außenwand eine vorgehängte hinterlüftete Fassade. In diesem Beitrag geht es aber vor allem um VHF mit integrierter Dämmung.
Bei einer VHF handelt es sich um ein Qualitätsprodukt, das zwar nicht ganz billig ist, dafür aber für Langlebigkeit, Robustheit und hohe Zuverlässigkeit steht. Die Schadensanfälligkeit ist im Vergleich zu Wärmedämm-Verbundsystemen ( WDVS ) – bei denen der Dämmstoff nur durch eine dünne Putzschicht geschützt wird – deutlich geringer.
Trennung von Wärme- und Witterungsschutz
Unter den Fassadendämmsystemen zeichnet sich die VHF durch das Alleinstellungsmerkmal einer baulichen Trennung der Funktionen Dämmung und Witterungsschutz aus. Die Fassadenbekleidung übernimmt den Schutz vor Wind und Wetter. Sie liegt aber eben nicht direkt auf der Dämmung auf, sondern wird von dieser durch den Hinterlüftungsspalt getrennt.

Dieser Spalt muss über ausreichende Zu- und Abluftöffnungen verfügen, sodass ein nahezu permanenter Luftstrom hinter der Bekleidung entsteht. Die Hinterlüftung soll bewirken, dass mögliche Feuchtigkeit aus den angrenzenden Bauteilen – sowohl aus der Fassadenbekleidung als auch aus der Gebäudeaußenwand – sicher abgeführt wird.
Der Hinterlüftungsspalt wirkt sich zudem positiv auf das Raumklima des Gebäudes aus. Darauf weist der Fachverband Baustoffe und Bauteile für vorgehängte hinterlüftete Fassaden ( FVHF ) in seiner Mitte 2025 neu aufgelegten Leitlinie „VHF – Planung und Ausführung“ hin (Broschüren-Download hier ). Durch die Hinterlüftung werde im Sommer ein Großteil der Wärme abtransportiert, im Winter dagegen wirke sie als Temperaturpuffer.
Die Trennung der VHF-Komponenten sorgt zudem für mehr Nachhaltigkeit: Bei einem späteren Rückbau des Gebäudes lassen sich die einzelnen Bestandteile sortenrein demontieren und anschließend recyceln oder sogar wiederverwenden.
Dämmstoffe und Brandschutz
Mit dem System VHF sind alle heutzutage geforderten Dämmstoffdicken realisierbar. Laut der deutschen Musterbauordnung ist bis zur Gebäudeklasse 3 – also bis zu einer Höhe von 7 m – auch der Einsatz normalentflammbarer Dämmstoffe erlaubt (Baustoffklasse B2). Bei höheren Gebäuden dürfen dagegen grundsätzlich nur nichtbrennbare Materialien wie zum Beispiel Mineralwolle zum Einsatz kommen.

In den FVHF-Leitlinien wird zudem darauf hingewiesen, dass für VHF auch die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmung (MVV TB) relevant ist. Dort wird in Anhang 6 festgelegt, dass VHF mit geschossübergreifenden Hohlräumen eine nichtbrennbare Wärmedämmung haben müssen.
Der FVHF empfiehlt grundsätzlich nichtbrennbare mineralische Dämmstoffe für alle Gebäudeklassen. Kommt als Dämmstoff Mineralwolle zum Einsatz, wird in Regel wasserabweisende (hydrophobierte) und dampfdiffusionsoffene Mineralwolle verwendet. Das ist unter anderem wichtig, damit Wasserdampf über die Dämmung in den Lüftungsspalt abgeführt werden kann und die Mineralwolle dabei nicht an Dämmwirkung verliert.
Detaillierte Infos zum Thema Brandschutz bietet übrigens auch die FVHF-Leitlinie „Brandschutztechnische Vorkehrungen für Vorgehängte Hinterlüftete Fassaden“, die man hier herunterladen kann.
Vielfältige Fassaden möglich
Das Fassadensystem VHF ist im Prinzip für alle Arten von Gebäuden einsetzbar: vom Ein- oder Mehrfamilienhaus über Hochhäuser bis hin zu öffentlichen Bauten, Industrie- und Geschäftsgebäuden oder sonstigen Objektbauten. Aufgrund des relativ hohen Preises ist die Verwendung im klassischen Mietwohnungsbau eher selten. Hier dominieren WDV-Systeme. Gleichwohl nehmen auch Wohnneubauten mit VHF mittlerweile zu (siehe Foto ganz oben).
Im hochwertigen Objektbau ist die VHF stark verbreitet, eben weil das System so langlebig ist und die Flexibilität bei der Fassadenbekleidung auch architektonisch anspruchsvolle Lösungen erlaubt. Bei der Materialauswahl gibt es kaum Grenzen. Ob Keramik , Faserzement , Naturstein , Aluminium, Holz, Glas, Steinwolle-Fassadenplatten oder HPL-Platten : Praktisch jede Art von Außenbekleidung ist möglich. Auch Putzträgerplatten können als Bekleidungsmaterial zum Einsatz kommen. Es sind also auch vorgehängte Fassaden in typischer WDVS-Optik möglich. Selbst eine Bekleidung aus Solarmodulen ist eine Option.
Eine VHF trägt übrigens nicht zur Luftdichtheit des Gebäudes bei. Darauf weist der FVHF in der oben genannten Leitlinie hin. In der Regel weisen die Bekleidungselemente ja luftdurchlässige Fugen auf. Ist bei offenen Bekleidungsfugen ein Schattenfugeneffekt gewünscht, kann man dafür Dämmstoffe mit dunkler Vlieskaschierung einsetzen.
Unterkonstruktion
Die Unterkonstruktion einer VHF sorgt für die Verbindung zwischen der tragenden Gebäude-Außenwand und der Fassadenbekleidung. Sie besteht heute meist aus Metall (häufig Aluminium), manchmal aber auch noch aus Holz.

Metallische Unterkonstruktionen bestehen im Wesentlichen aus Wandkonsolen und Tragprofilen, an denen man wiederum die Fassadenbekleidung befestigt. Für die Montage werden zunächst Verankerungselemente in die Außenwand eingesetzt. Meist kommen dafür Langschaftdübel in Durchsteckmontage zum Einsatz. An diesen befestigt man die Wandkonsolen (siehe Grafik). Anschließend folgt die Verlegung der Dämmstoffplatten. Die Wandkonsolen verlaufen übrigens durch den Dämmstoff, der quasi von ihnen „aufgespießt“ wird. Sie sind aber so lang, dass sie aus dem Dämmstoff herausragen und damit zugleich die Breite des Hinterlüftungsspaltes definieren.
Im nächsten Schritt werden die Tragprofile mithilfe von Verbindungselementen an den Wandkonsolen befestigt. Diese Profile tragen am Ende die Fassadenbekleidung. Je nach Art der Fassadenbekleidung kommen entweder vertikale oder horizontale Tragprofile zum Einsatz – oder auch eine Kombination von beiden.
Damit die metallischen Teile der Unterkonstruktion, die durch den Dämmstoff verlaufen, nicht zu Wärmebrücken führen, hat die Industrie thermische Trennelemente aus Kunststoff entwickelt. Diese legt der Verarbeiter zwischen Verankerungsgrund und Unterkonstruktion ein. Im Übrigen gibt es auch Wandkonsolen, die komplett aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehen. Dadurch wird das Wärmebrücken-Problem von vorneherein minimiert.
Dieser Text ist eine Aktualisierung des BaustoffWissen-Beitrags „Vorgehängte hinterlüftete Fassaden (VHF)“ von März 2016.