Eine Person hält eine Holzplatte in den Händen, die Bohrspuren von Käfern aufweist.
Bohrspuren in Käfereiche. (Quelle: Lacker Nature)

Grundstoffe des Bauens 2026-03-11T08:00:00Z Was ist Käfereiche?

Der Klimawandel hinterlässt zunehmend sichtbare Spuren in Deutschlands Wäldern. Das Fichtensterben erregte in den letzten Jahren großes mediales Aufsehen, doch auch die Eiche ist betroffen. Ein Befall mit Eichenkernkäfern verändert das Erscheinungsbild des Holzes – nicht aber seine wichtigsten Materialeigenschaften. Beim Sägewerk Lacker Nature verarbeitet man deshalb auch „Käfereiche“ und wünscht sich mehr Akzeptanz für das Kalamitätsholz.

Hitze und lange Dürreperioden vergrößern zunehmend die Problematik des Schädlingsbefalls in unseren Wäldern. Bei der Fichte ist es der Borkenkäfer , bei der Eiche dagegen der Eichenkernkäfer. Als Folge davon gibt es immer mehr Kalamitätsholz. Darunter versteht man das Holz von Bäumen, die gefällt werden müssen, weil sie durch Sturm, Trockenheit, Waldbrand oder eben Schädlingsbefall beschädigt oder abgestorben sind.

Bohrgänge kein Mangel

Bei der Eiche führt das Wirken des Eichenkernkäfers allerdings nur zu optischen Beeinträchtigungen in Form deutlich sichtbarer Bohrgänge. Zumindest nach Angaben von Lacker Nature lässt sich das derart veränderte Holz durchaus noch sinnvoll nutzen.

Ein Mann in einem grauen Pullover steht im Freien und schaut in die Kamera.
Geschäftsführer Willi Lacker. (Quelle: Lacker Nature)

Das Sägewerk mit Sitz im mittelfränkischen Polsingen fordert daher ein Umdenken in der Holzbranche. Was bislang als Mangel gilt, sei längst Ausdruck einer Realität, die man nicht ignorieren könne – heißt es in einer Pressemitteilung des Familienbetriebs von Ende Januar. Wer an der Vorstellung vom makellosen Holz festhalte, riskiere die wirtschaftliche Nutzbarkeit heimischer Bestände.

„Für uns ist Holz mehr als ein Werkstoff – es ist ein kostbarer Rohstoff“, betont Geschäftsführer Willi Lacker, der das 1871 gegründete Sägewerk heute in sechster Generation leitet. „Die gezielte Verwendung von Kalamitätsholz ist für uns ein konsequenter Schritt, um den Auswirkungen des Klimawandels mit nachhaltiger Ressourcennutzung zu begegnen. Die Weiterverarbeitung von so genanntem Käferholz ist für uns ein konsequenter Schritt in eine ökologische, wirtschaftliche und realistische Zukunft.“

Bei Lacker wird Käfereiche weiterverarbeitet zu Produkten wie zum Beispiel Pflanzstäben, Holzpfählen, Bahn- und Gartenschwellen, aber auch Dielen für Terrassen und Wandverkleidungen. Das Eichen-Kalamitätsholz stammt ausschließlich aus nachhaltig bewirtschafteten, heimischen und PEFC -zertifizierten Wäldern.

Holztrocknung wichtig

Natürlich gezeichnetes Holz sei kein Makel, sondern Ausdruck von Herkunft und Wandel – heißt es in der oben bereits erwähnten Pressemitteilung. Wenn der Markt bereit sei, diese Qualität zu erkennen, entstehe eine Chance – für eine moderne Holzverwendung, die Ressourcen schont und die regionale Wertschöpfung stärkt.

Ein Naturpool mit einem Holzdeck und einer Leiter, umgeben von üppiger Vegetation.
Terrassendielen aus heimischer Käfereiche. (Quelle: Lacker Nature)

Um zu unterstreichen, dass die Produktherstellung aus Käfereiche problemlos möglich ist, zitiert Lacker Nature Prof. Dr. Peter Biedermann von der Universität Freiburg als „Gewährsmann“. Der Professur für Forstentomologie und Waldschutz bestätigt, dass der Eichenkernholzkäfer keine Gefahr mehr darstelle für geschnittene, trockene Hölzer: „Wenn diese in Stücke geschnitten werden, wandern die Käfer sehr rasch aus und brüten auch nicht mehr weiter. Der Eichenkernkäfer ist auf das Pilzwachstum in seinen Gängen angewiesen und benötigt daher deutlich höhere Holzfeuchten als beispielsweise Prachtkäfer, Bockkäfer oder andere holzbesiedelnde Insekten.“

FNR empfiehlt Käferholz

Mit seinem Plädoyer für die Nutzung von Käfereiche steht Lacker nicht allein. Auch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe ( FNR ) betont, dass das Merkmal „Insektenfraßgang“ für die Eichenholzverwendung nicht zwangsläufig negativ zu bewerten sei, sondern als natürliches Charaktermerkmal in den Markt etabliert werden könne. In einem Infoflyer für Holzverarbeiter und Waldbesitzer (Direktlink hier ) empfiehlt die FNR eine „vorrangige Verwendung von Holz mit Insektenfraßgängen im öffentlichen Bau“, um kurzfristig einen Absatzmarkt für Käferholz zu etablieren.

Ein Holzpfosten mit der Aufschrift "Lacker Nature" steht im Vordergrund eines unscharfen Waldes.
Pflanzstäbe aus Käfereiche. (Quelle: Lacker Nature)

Die FNR, die als Projektträger für das Bundeslandwirtschaftsministerium arbeitet, hält Holz mit Fraßspuren in vielen Anwendungsbereichen für „hervorragend nutzbar“. Im oben genannten Infoflyer werden in diesem Zusammenhang zum Beispiel Außenmöbel, hinterlüftete Holzfassaden, Leitplanken, Lärmschutzwände und Eisenbahnschwellen genannt. Doch auch für Parkett , Treppen oder Tischplatten im Innenbereich könne Käfereiche zum Einsatz kommen. Die FNR empfiehlt in diesem Fall, die Bohrlöcher mit Wachs oder Kunstharz zu verschließen und die Oberflächen zu ölen.

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Waldbesitzern empfiehlt die FNR, ihre Eichen regelmäßig zu untersuchen und vom Eichenkernkäfer befallene Stämme möglichst schnell zu ernten und an die Sägewerke zu verkaufen. Denn nur bei fachgerecht getrocknetem Holz sterben die Käferlarven ab, sodass die weitere Schädlingsausbreitung gestoppt werden kann.

Laut FNR-Flyer bohrt sich der Käfer ab Juli durch die Rinde und überwintert bei Erstbefall dann zunächst im Splintholz. Erst ab März des Folgejahres beginnen dann die Einbohrungen in das Kernholz des Stamms. Ab dann bohrt sich das Insekt etwa 1 mm pro Tag durch die Eichenstämme. Durch Ernten, Schneiden und Trocknen lässt sich dieser Prozess stoppen.

zuletzt editiert am 05. März 2026
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