Getrockneter Tonschaum hinter einer Klinkerwand.
Getrockneter Tonschaum hinter einer Klinkerwand. (Quelle: BASF)

Dämmstoffe 2026-01-27T08:00:00Z Was ist Tonschaum?

Bei Tonschaum handelt es sich um einen innovativen Dämmstoff, den BASF vor sieben Jahren erstmals vorgestellt hat. Er wurde ursprünglich speziell für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden mit zweischaligem Mauerwerk entwickelt, ist mittlerweile aber auch für die Dämmung von Geschossdecken und Dächern zugelassen. Der mineralisch basierte Schaum besteht aus drei Komponenten, die man erst am Einsatzort mit Luft auf das zehnfache Volumen aufschäumt.

Die offizielle Markteinführung des neuartigen Dämmstoffs erfolgte im November 2018 unter dem Markennamen „Cavipor“. Nach Angaben von BASF wurden in Deutschland, den Niederlanden, Irland und Großbritannien bislang rund 2.000 Häuser mit dem innovativen Produkt gedämmt.

Seit Oktober 2020 kann BASF für den Tonschaum eine Europäische Technische Bewertung vorweisen (ETA-19/0240), wodurch das Produkt in allen Ländern der Europäischen Union frei handelbar ist. Seit 2022 liegt zudem eine Allgemeine Bauartgenehmigung ( aBG ) des Deutschen Instituts für Bautechnik ( DIBt ) vor. Mit diesem Dokument wurde die Anwendbarkeit von Cavipor im Sinne der deutschen Landesbauordnungen nachgewiesen.

Drei wasserbasierte Komponenten

Das Besondere an Cavipor ist, dass man den Mineralschaum erst auf der Baustelle in einem automatisierten Prozess aus drei wasserbasierten Komponenten herstellt. Zunächst wird die Tensid-haltige Schaumbildner-Komponente mit Druckluft aufgeschäumt. So entsteht ein feiner Seifenschaum mit vielen kleinen Blasen. Anschließend wird die Filler-Komponente eingemischt. Diese besteht aus Tonmineralien und einem Polymer-Bindemittel, das nach BASF-Angaben auch für Lebensmittelverpackungen zugelassen ist. Im letzten Schritt sorgt ein Vernetzer für den Start der Abbinde-Reaktion mit dem Bindemittel.

Das Bild zeigt ein Cavipor-Dämmsystem, das in einer Hauswand installiert wird. Links ist die Ausrüstung zu sehen, während rechts die Vorteile der Dämmung im Innenraum dargestellt werden.
Der Mineralschaum wird erst auf der Baustelle in einem automatisierten Prozess aus drei wasserbasierten Komponenten hergestellt. (Quelle: BASF)

Die drei Ausgangsmaterialien von Cavipor lassen sich problemlos transportieren und ganz ohne Staub oder Fasern sauber verarbeiten. Sie bestehen zu 90 % aus mineralischen Bestandteilen und zu 10 % aus organischem Binder. BASF stellt die Komponenten her und verkauft sie an Vertriebspartner, die den Tonschaum dann unter ihrem eigenen Markennamen vertreiben. Der Konzern selbst informiert auf dieser Website über den innovativen Tonschaum.

Kurzes Verarbeitungsfenster

Durch die Druckluft werden die Materialien auf das zehnfache ihres ursprünglichen Volumens aufgeschäumt. Der fließfähige Tonschaum lässt sich dann über kleine Bohrlöcher in die Hohlräume der zu dämmenden Bauteile einbringen. Bei zweischaligem Mauerwerk bieten sich dafür Bohrlöcher in einigen Fugenkreuzen der Vorsatzmauern an. Der selbstabdichtende Schaum wird lückenlos in den Hohlraum eingebracht und bindet dort ab, ohne weiter zu expandieren.

Eine Person injiziert Tonschaum in eine Ziegelmauer, um die Struktur zu verstärken.
Tonschaum wird über kleine Bohrlöcher in die Hohlschicht eingebracht. (Quelle: BASF)

Nach der Herstellung des Tonschaums bleibt laut BASF nur ein kurzes Verarbeitungsfenster von etwa zwei Minuten, in dem das Material in den Hohlraum einzubringen ist. Die Ausführung muss also gut geplant sein und erfordert einen kontinuierlichen Arbeitsprozess. In der Hohlschicht bindet der Tonschaum ab und trocknet innerhalb von zwei bis vier Monaten gleichmäßig aus, wobei die Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf langsam abgegeben wird.

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Ein Austritt des Materials aus kleineren Löchern und Rissen ist laut BASF nicht zu befürchten. Nach Angaben des Chemieunternehmens kombiniert Cavipor unterm Strich die Vorteile eines mineralbasierten Dämmstoffs mit der einfachen, sicheren und sauberen Verarbeitung eines Schaumsystems.

Wohngesund und wärmedämmend

Der getrocknete Tonschaum ist aufgrund seiner hohen mineralischen Anteile nicht brennbar und emittiert nach Herstellerangaben keine Schadstoffe – weder bei der Trocknung noch beim anschließenden Verbleib in der Hohlschicht. Da das Produktsystem wasserbasiert ist und mit Luft geschäumt wird, enthält es zudem weder organische Lösungs- noch Treibmittel. Die Topwerte im Bereich Wohngesundheit werden durch das Siegel „EC1 Plus“ belegt („sehr emissionsarm“) – die Premiumklasse im Rahmen der EMICODE-Zertifizierung.

Eine Nahaufnahme einer cremigen, weißen Textur, die mit einem Spatel bearbeitet wird.
Der Tonschaum hat ein kurzes Verarbeitungsfenster von nur zwei Minuten. (Quelle: BASF)

Bei einem späteren Um- oder Rückbau lässt sich Cavipor zudem ohne aufwändige Trennverfahren zusammen mit dem Bauschutt deponieren oder für den Unterbau von Straßen wiederverwenden. Der Tonschaum ist zudem wasserabweisend, aufgrund seiner offenporigen Struktur zugleich aber auch dampfdurchlässig. Dadurch wird ein Feuchteausgleich mit der Umgebung gefördert. Das ist wichtig für ein angenehmes Raumklima, insbesondere bei der Dachdämmung.

Natürlich kann Cavipor auch dämmen. Der Nennwert der Wärmeleitfähigkeit liegt bei 0,0034 W/mK (Wärmeleitgruppe 035). Die Dämmwirkung ist also vergleichbar mit Mineralwolle oder EPS . Zugleich ist der getrocknete Schaum schalldämpfend.

Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten

Die vor Ort herzustellende Wärmedämmung aus mineralisch basiertem Schaum hat BASF 2018 zunächst nur für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden mit zweischaligem Mauerwerk eingeführt. Seit kurzem ist Cavipor nun auch für die Dämmung von Geschossdecken und von Dächern – als Zwischensparrenfüllung – zugelassen. BASF arbeitet mit einem Netzwerk von Vertriebspartnern in Europa zusammen, die die fachgerechte Anwendung des Tonschaums durch geschulte Verarbeiter sicherstellen sollen.

Laut der zuletzt im Januar 2024 aktualisierten Allgemeinen Bauartgenehmigung (Z-23.15-2136) eignet sich Cavipor auch zur Dämmung von Wänden in Holzrahmenbauweise und Holztafelbauweise oder vergleichbaren Gefachen sowie zur Innendämmung von Wänden, sofern es sich dabei um eine vollständig ausgefüllten Hohlraumdämmung handelt. Wichtig: Die Hohlraum-begrenzenden Baustoffschichten dürfen bei allen genannten Dämmanwendungen nicht diffusionsdicht sein.

zuletzt editiert am 23. Januar 2026