Moderne BIM-Gebäudemodelle enthalten Datenbanken mit Infos zu allen Baustoffen. (Quelle: Fraunhofer IBP)

Fassade und Massivbau 2018-01-18T08:30:43Z Was sind BIM-Objekte?

Immer mehr Baustoffhersteller stellen ihren Kunden im Internet so genannte BIM-Objekte zur Verfügung. Planer, Architekten, Projektsteuerer oder auch Bauunternehmer können in „BIM-Bibliotheken“ nach virtuellen Modellen der Bauprodukte stöbern, um diese im Rahmen des Building Information Modeling in ihre Planungssoftware einzubinden. Was das alles bedeutet, erläutert unser Beitrag.

Building Information Modeling ( BIM ) gilt als die Zukunft des Bauens und kann mit „Gebäudedaten-Modellierung“ übersetzt werden. Dabei geht es um eine weitgehende Digitalisierung der Gebäudeplanung mithilfe moderner CAD-Softwareprogramme (Computer-Aided Design) wie Archicad, Allplan oder Revit. Die Idee dahinter: Bevor ein Haus in der Realität entsteht, entwirft man zunächst einen „digitalen Zwilling“, also ein detailliertes Computermodell des geplanten Gebäudes.

Mit den herkömmlichen, zweidimensionalen Bauplänen hat das nichts mehr zu tun. BIM steht für fotorealistische 3D-Modelle, die der Architekt, Handwerker oder Bauherr aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten kann. Solche Gebäudesimulationen ermöglichen unter anderem auch virtuelle „Kamerafahrten“ durch die Innenräume – wie in einem modernen Computerspiel. So lässt sich die Wirkung der Räumlichkeiten schon vor Baubeginn sinnlich erfahren, und man kann auf dieser Basis frühzeitig Planungskorrekturen vornehmen.

Material-Datenbanken

Doch BIM-Modelle sind mehr als nur virtuelle Abziehbilder der Wirklichkeit. Sie beinhalten zugleich Datenbanken mit umfangreichen Informationen zu allen Baustoffen, Bauteilen und Bauelementen (Türen, Fenster, Treppen), die im geplanten Gebäude verbaut werden sollen. Die Modelle enthalten viel mehr Informationen, als man in der Realität sehen kann, sie erlauben gewissermaßen einen Blick hinter die Oberfläche der Materialien. Im Idealfall enthalten sie alle wichtigen planungs- und ausführungsrelevanten Daten, die Planer, Architekten und Bauunternehmer für ihre Arbeit benötigen.

Damit die Gebäudemodelle aber tatsächlich derartige Material-Datenbanken integrieren können, benötigt man anspruchsvolle digitale Zwillinge von den realen Baustoffen, Bauteilen und Bauelementen. Diese müssen mehr Informationen in sich tragen als nur die äußere Geometrie und Optik der Materialien. Solche Modelle gibt es bereits vielfach, man nennt sie BIM-Objekte. Erst durch sie werden „oberflächliche“ 3D-Gebäudeanimationen mit umfangreichem Datenbankwissen über die Materialien angereichert. Mit ihrer Hilfe lassen sich in BIM-Modellen alle relevanten Gebäudedaten und Materialeigenschaften speichern.

Derartig gespeichert werden zum Beispiel Daten zu den Inhaltstoffen von Baustoffen, zum Schichtaufbau von Bauteilen, zu bauphysikalischen Eigenschaften der Gebäudeteile (etwa Wärme- und Schallschutz), zu Gewichten, Maßen und Materialkosten oder auch zu EAN-Codes und allgemeinen Herstellerinformationen. BIM-Objekte können zudem auch weiterführende Links enthalten – etwa Montage-Anleitungen des Herstellers.

Ein modernes Muss

Der Dämmstoffhersteller Isover stellt seine Produkte bereits als BIM-Objekte im Internet zur Verfügung. (Quelle: Isover)

Es liegt in der Natur der Sache, dass die BIM-Objekte von den jeweiligen Baustoffherstellern geliefert werden müssen. Und diese liefern auch zunehmend. Virtuelle BIM-Objekte des eigenen Produktsortiments anbieten zu können, wird nämlich zunehmend ein Muss, dem sich kein Hersteller mehr entziehen kann. Zumindest gilt das für Hersteller von Materialien wie Wandbaustoffen oder Bauelementen.

Schließlich gilt BIM – wie oben erwähnt – als die Zukunft des Bauens. Hersteller, die bei der computergestützten Gebäudeplanung künftig nicht außen vor bleiben wollen, sind quasi gezwungen, ihre Produkte auch als BIM-Objekte anzubieten. Wer seine Produkte künftig nicht auch als virtuelle Objekte für BIM-Modelle liefern kann, wird wahrscheinlich auch beim realen Bauen irgendwann den Anschluss verlieren.

Die meisten Markenhersteller haben deshalb längst reagiert und bieten ihren Kunden bereits in der Regel kostenfreie BIM-Bibliotheken an.

zuletzt editiert am 30. Oktober 2024
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