Der Begriff Fischgrät bezeichnet zunächst einmal ein spezielles Muster, das als Designelement nicht nur bei Bodenbelägen, sondern auch in ganz anderen Bereichen zu finden ist. Der Klassiker ist zweifellos das kleinteilige Fischgrät-Parkett, das aus schmalen und relativ kurzen Massivholzstäben zusammengesetzt wird. Heute wird die elegante Fischgrät-Optik aber auch mit größeren Dielenformaten realisiert. Außerdem findet man sie nicht nur bei Parkett-, sondern auch bei Laminat- und Designböden.
Das Fischgrät-Muster ist ein uraltes Design. Schon bei den alten Ägyptern und Römern war es weit verbreitet – etwa für Textilien oder Schmuckgegenstände. Auch im antiken Bauwesen findet man es überall, sowohl bei frühen Mauerwerkverbänden als auch beim historischen Straßenpflaster der Römer. Im Mittelalter etablierte sich die Fischgrät-Optik als beliebtes Stilmittel beim Bau von Kathedralen, die Wikinger wiederum nutzen es für ihren Schiffsbau.
Zeitloses Design
Später setzte sich das Design auch bei der Verlegung von Parkettböden durch, sofern diese besonders edel und repräsentativ wirken sollten. Vor allem bei alten Schlössern und Palästen der Barockzeit lässt sich kunstvoll gestaltetes Fischgrät-Parkett bis heute bewundern. Im 19. Jahrhundert begann dann auch das aufstrebende europäische Großbürgertum, seine Wohnhäuser mit den edlen Böden zu schmücken.

Warum hat das Fischgrät-Muster über Jahrtausende in so vielen Bereichen immer wieder zahlreiche Anhänger gefunden? Vor allem im Mauerwerk- und Straßenbau sind hier sicher auch ganz praktische Gründe zu nennen. Die „Zickzack“-Form verbessert die Stabilität der steinernen Bauwerke. Anfangs spielte aber wohl auch Aberglaube eine Rolle: Viele Menschen schrieben dem Fischgrät-Muster eine unheilabwehrende Wirkung zu.
Der wichtigste Grund ist aber wohl, dass das Design als zeitlos schön wahrgenommen wurde und wird. Elegant und zugleich sehr traditionell. Fischgrät-Böden mögen zwischenzeitig immer mal wieder eine Weile aus der Mode gekommen sein, doch die edel-elegante Optik wird eben auch regelmäßig wiederentdeckt. Nach Angaben des Bodenbelag-Herstellers Windmöller hat das Fischgrät-Muster zudem die „einzigartige Fähigkeit, Räume größer erscheinen zu lassen, denn die diagonale Anordnung lenkt den Blick auf die Länge des Musters“.
Modernisierter Klassiker
Bei Fischgrät-Böden im Innenbereich denken wahrscheinlich bis heute die meisten Menschen an Parkettboden mit Echtholzoberfläche. So war es eben jahrhundertelang. Heutzutage gibt es auch Laminat - oder Designböden , die zwar nicht über eine echte Holzoberfläche verfügen, aber dennoch mit einem Fischgrätmuster daherkommen. Oft – aber nicht immer – handelt es sich dabei um ziemlich echt wirkende Holzimitate .

Fischgrät-Parkett wurde lange Zeit vor allem als Stabparkett realisiert. Das Muster bestand also aus vielen schmalen und relativ kurzen Massivholzstäben. Diese traditionelle, kleinteilige Variante ist zwar auch heute (wieder) sehr beliebt, doch mittlerweile bieten viele Bodenhersteller auch modern interpretierte Fischgrät-Muster – teils mit neuen Farben und Materialien (nicht nur Holz!), vor allem aber auch mit deutlich größeren Dielenformaten.
In traditioneller und modernisierter Variante erleben Fischgrät-Böden in den letzten Jahren jedenfalls eine (weitere) Renaissance. Längst ist der Designklassiker nicht mehr nur in den Repräsentationsgebäuden von Adel oder Großbürgertum zu Hause, sondern auch in ganz normalen Wohnhäusern. Er funktioniert sehr gut mit den Stuck-verzierten Decken großstädtischer Altbauwohnungen, macht aber auch eine gute Figur in Kombination mit den eher schlichten Innenarchitektur-Trends der Moderne.
Verschiedene Verlegevarianten
Fischgrät-Parkett heißt so, weil die Anordnung der Holzstäbe an ein Fischskelett erinnert. Beim klassischen Muster werden jeweils zwei Stäbe im 90°-Winkel zueinander verlegt, sodass sie eine V-Form ergeben. Mit Blick auf die Details fällt auf, dass jeweils die kurze Seite eines Stabs an die lange Seite des anderen Stabs anschließt.
So entsteht ein Stufeneffekt mit Zickzack-Verlauf, der sich besonders betonen lässt, wenn man einzelne Stäbe oder Dielen farblich hervorhebt. Wird die V-Form durch jeweils zwei parallele Parkettstäbe (oder Dielen) gebildet, spricht man von einer Zweifach-Verlegung. Auch die Dreifach-Verlegung kommt mitunter vor.
Als „französischen Fischgrät-Boden“ bezeichnet man die Variante, bei der die Stäbe im 45°-Winkel angeordnet sind oder manchmal auch im 60°-Winkel. Solche Beläge werden häufig unter dem Namen „Chevron-Boden“ angeboten. Anders als bei der klassischen 90°-Variante sind beim französischen Fischgrät die Parkettstäbe selbst an ihren kurzen Enden um 45° (oder 60°) abgeschrägt, sodass man sie dort direkt aneinanderlegen kann. Dadurch ergibt sich zwischen den einzelnen Verlegereihen eine durchgehende, gerade Fuge.
Manche Hersteller bieten übrigens auch Fischgrät-Böden mit Winkeln, die von den klassischen Varianten abweichen. So hat zum Beispiel der österreichische Parkettexperte Mafi ein Fischgrät-Parkett mit 77°-Winkel im Programm.
Echtes Fischgrät-Parkett ist ein besonders hochwertiger Bodenbelag mit unvergleichlicher Optik. Die Echtholz-Variante hat aber auch Nachteile. Die Verlegung ist relativ aufwändig und in der Regel ein Fall für den Profi-Verarbeiter. Außerdem ist der Boden vergleichsweise teuer und dennoch relativ empfindlich beziehungsweise pflegeintensiv.
Laminat
Als günstige Alternative gibt es mittlerweile auch Laminatböden im Fischgrät-Design. Damit sprechen die Hersteller insbesondere Kunden an, die mit den deutlich höherpreisigen Parkettböden nur schwer zu erreichen sind – etwa Kurzzeit-Nutzer, Mieter oder auch Erstausstatter im Eigentum.

Wobei Laminat nicht automatisch „billig“ heißen muss. Der münsterländische Parketthersteller ter Hürne beispielsweise hat mit „Ikō“ kürzlich ein neues Laminatkonzept für den Fachhandel auf den Markt gebracht, mit dem er „alte Vorurteile über Laminatböden widerlegen“ will. Das Angebot umfasst vier Kollektionen mit insgesamt 36 Dekoren – darunter auch Fischgrät-Muster. Es handelt sich um Premium-Laminatböden der Nutzungsklasse 33, die sehr widerstandsfähig gegen Kratzer, Stöße und Flecken sind.
Auch die Anfang 2023 vorgestellten „ Hywood “-Böden von ter Hürne gibt es in der Fischgrät-Variante. Hywood-Dielen bestehen aus sechs Schichten, fünf davon komplett aus Holz beziehungsweise aus Holzbestandteilen. Nur die dünne, lackartige Oberflächenversiegelung enthält kein Holz, allerdings auch kein Kunststoff wie herkömmliche Designböden.
Designböden
Viele moderne Fischgrät-Böden haben heute aber tatsächlich eine Kunststoffoberfläche aus Vinyl oder anderen Polymeren. Für solche Designböden kommen als Trägerplatten übrigens trotzdem häufig Holzwerkstoffplatten zum Einsatz.

Designböden sind deutlich preisgünstiger als echtes Parkett, ihre nachgeahmte Holzoptik kommt aber natürlich nicht an das Original heran. Dafür haben sie praktische Vorteile. Sie sind unempfindlicher und pflegeleichter als Naturholzböden sowie deutlich geräuschärmer beim Begehen. Außerdem lassen sie sich meist leichter verlegen.
Designböden können im Übrigen durchaus hohe Ansprüche in Sachen Wohngesundheit erfüllen. Das zeigt das Beispiel des „Wineo Purline Bioboden“, der mit dem innovativen Bio-Polyurethanbelag ausgestattet ist und den der ostwestfälische Hersteller Windmöller auch mit Fischgrät-Muster anbietet. Die neue „Purline Herringbone-Selektion“ umfasst 34 Designs in zwei Formaten und drei Nutzungsklassen. Neben den klassischen Holzoptiken bietet diese Kollektion auch Fischgrät-Böden in verschiedenen Steinoptiken. Moderner Beton oder weißer Marmor geben dem traditionsreichen Muster eine ganz neue Wirkung.