Illustration von Dreifachverglasung mit Isolierglas und Abstandshaltern.
Standard-Verglasung mit Scheiben von 4-4-4 mm (l.) und Scheibenverbund mit Leichtverglasung (4-2-3). (Quelle: Kneer-Südfenster / Saint-Gobain Glassolutions Isolierglas-Center GmbH)

Bauelemente 2025-03-18T08:00:00Z Was sind Leichtglas-Fenster?

Bei energiesparenden Neubauten sind Fenster mit Dreischeiben-Isolierverglasung heute Standard. Mehr Scheiben bedeutet allerdings auch mehr Gewicht. Das belastet die Beschläge und erschwert das Öffnen und Schließen. Viele Hersteller bieten daher mittlerweile so genannte Leichtglas-Fenster an. Die haben zwar ebenfalls drei Scheiben. Mindestens zwei davon werden aber in geringerer Stärke ausgeführt.

Die klassische Dreischeiben-Isolierverglasung verfügt über drei Scheiben von jeweils 4 mm Stärke (4-4-4). Ein typisches Gewicht für solche Standard-Mehrscheibenfenster ist 30 kg pro Quadratmeter. Mit einer Leichtglas-Variante lässt sich ein Viertel oder sogar ein Drittel des Gewichts einsparen. Das hängt vom jeweiligen Scheibenaufbau der Fenster ab. Typisch sind Modelle mit einer 3-3-3- oder 4-2-3-Verglasung (jeweils Scheibenstärken in mm). Noch leichter sind Dreischeiben-Fenster mit 3-2-3-Aufbau.

Warum Leichtglas?

Die Vorteile von Leichtglas sind vielfältig. An erster Stelle steht natürlich das geringere Gewicht des Scheibenverbunds. Das schont die tragenden Fenster- Beschläge , also insbesondere die Fensterbänder. Durch den doppelten Trend zu großformatigen Fenstern einerseits und hochwärmedämmenden Drei- oder sogar Vierscheibenfenstern andererseits hat deren Belastung zugenommen. Ein schneller Verschleiß beziehungsweise eine geringere Lebenddauer der Beschläge ist damit vorprogrammiert, wenn nicht besonders belastbare (und entsprechend teure) Fensterbeschläge zum Einsatz kommen. Leichtglas-Fenster können hier im wahrsten Sinn des Wortes Entlastung bringen.

Zwei Handwerker bei der Montage eines großen Schiebefensters in einem Wohnhaus.
Leichtglas ist ressourceneffizient und schont zugleich die Gesundheit der Monteure. (Quelle: Kneer-Südfenster)

Das geringere Gewicht sorgt aber auch dafür, dass sich die Fenster leichter öffnen und schließen lassen. Für Hebe-Schiebe-Türen gilt das umso mehr. Doch nicht nur die Nutzer, sondern auch Monteure und Umwelt profitieren. Man kann mehr Fenster auf einen Lkw laden, bis das zulässige Gesamtgewicht erreicht ist. Das hilft Fahrten und damit auch CO2-Emissionen einzusparen. Das Be- und Entladen sowie die Montage kosten zudem weniger Muskelkraft, was nicht nur die Gesundheit der Beschäftigten schont, sondern auch die Einbauzeit verkürzen kann. Nicht zuletzt trägt Leichtglas auf Herstellerseite zu einem verringerten Materialeinsatz und damit zu mehr Ressourceneffizienz bei.

Das geringere Gewicht und – bei gleichem Scheibenabstand – die geringere Dicke von Dreifach-Isolierglasfenstern mit Leichtglas können zudem auch der entscheidende Vorteil bei Sanierungsprojekten sein. Der Hersteller Kneer-Südfenster verweist zudem darauf, dass leichtes Dreischeiben-Isolierglas lichtdurchlässiger sei als eine gleichwertige Standardverglasung. Dadurch verbessere sich auch der Gesamtenergiedurchlassgrad (g-Wert). Es werde mehr Sonnenstrahlung durch die Scheibe durchgelassen, was höhere solare Wärmeerträge verspricht.

Neue Kneer-Modelle

Kneer spricht nicht nur positiv über Leichtglas, der Hersteller hat sein Sortiment vor Kurzem auch um zwei Leichtglas-Fenstersysteme erweitert: das Modell KF 700 mit Kunststoffrahmen (PVC) und das Modell AKF 700 mit Aluminium-Kunststoff-Rahmen (PVC mit Aluminiumschale). Deren 4-2-3- Scheibenverbund reduziert das Fenstergewicht um ein Viertel gegenüber den gängigen 4-4-4-Modellen. Nach Angaben des Herstellers werden trotzdem die Anforderungen an Mehrscheiben-Isoliergläser der DIN-Norm EN 1279:2018-10 erfüllt. Beim ebenfalls angebotenen Isolierglasaufbau von 3-2-3 mm reduziert sich das Glasgewicht sogar um ein Drittel.

Kneer setzt bei diesen beiden Modellen zudem auf besonders schlanke Rahmenprofile, welche die Tageslichtausbeute zusätzlich erhöhen. Die Rahmen bestehen im Übrigen aus einem neuartigen Faserverbund-Werkstoff mit Rezyklat-Anteil und kommen ohne die sonst üblichen Stahleinlagen aus. Durch das schlanke Design und den neuen Werkstoff reduziert sich das Fenstergewicht nach Kneer-Angaben noch einmal um etwa 40 % – zusätzlich zu der Gewichtseinsparung von 25 bis 33 % durch das Leichtglas. Trotzdem – so Keer – würden die Rahmen der Modellreihe 700 eine um 50 % höhere Stabilität aufweisen als „normale“ Kunststoff-Rahmenprofile.

Wie aber sieht es mit dem Wärme- und Schallschutz aus? Laut Kneer müssen gegenüber einer standardmäßigen Dreifach-Verglasung keine Abstriche beim Wärmeschutz in Kauf genommen werden, weil die Glasschichten und Scheibenzwischenräume „sorgfältig aufeinander abgestimmt“ seien. Der U-Wert der Verglasung (Ug-Wert) falle sogar geringfügig besser aus. Auch der neuartige Faserverbund-Kunststoffrahmen bietet zudem eine verbesserte Wärmedämmung. Ein Grund dafür ist die integrierte Low-E -Folie aus Aluminium.

Bei der Schalldämmung sollen die neuen Leichtglas-Fenster ebenfalls punkten. Durch den Aufbau mit unterschiedlich starken Glasscheiben verbessert sich nach Kneer-Angaben das Schalldämmverhalten gegenüber einer konventionellen 4-4-4-Verglasung. Laut Kneer lassen sich sogar die statische Belastbarkeit und die Windwiderstandsfähigkeit von Fenstern durch Leichtglas optimieren. Begründung: Die leichtere Verglasung sei stärker verformbar und könne daher besser Lasten aufnehmen als eine 4-4-4 Standard-Verglasung.

Stellungnahme des „Flachglas Markenkreis“

Die Angaben von Kneer-Südfenster und anderen Herstellern klingen so, als hätten Dreischeiben-Isolierglasfenster mit Leichtverglasung überhaupt keine Nachteile gegenüber der Standardvariante mit 4-4-4-Verglasung. Dass das dünnere Dreischeiben-Isolierglas von manchen Marktteilnehmern auch kritisch gesehen wird, soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden. So hat der „ Flachglas Markenkreis “ – eine Kooperation mittelständischer Händler und Monteure von Funktionsgläsern ausgewählter Basisglas-Hersteller – eine kritische „Stellungnahme zu leichtem Dreischeiben-Isolierglas mit Floatscheiben dünner 4 mm“ veröffentlicht.

In der im April 2024 veröffentlichten Stellungnahme heißt es unter anderem: „Leichtglas-Aufbauten mit Floatscheiben dünner 4 mm erfordern in allen Produktions- und Verarbeitungsschritten eine erhöhte Sorgfalt. Sie sind zwar leichter, dafür aber bruchanfälliger und haben gegenüber dem Standard-Aufbau mit drei 4 mm dicken Floatscheiben keine nennenswerten energie-, licht- und schalltechnischen Vorteile. Dafür weisen sie teils deutliche Nachteile hinsichtlich Belastbarkeit und Durchbiegung unter Windlast auf, weshalb die Glasformate nicht allzu groß werden sollten. In Verkehrsbereichen (bodentiefe Verglasungen, Türfüllungen etc.) verbietet sich der Einbau solcher Leichtglas-Aufbauten grundsätzlich, da Floatglas kein sicheres Bruchverhalten im Sinne von DIN 18008-1 Abschnitt 3.1.3 aufweist“.

Die vollständige, dreiseitige Stellungnahme des Flachglas Markenkreis steht hier als kostenloses PDF zur Verfügung.

zuletzt editiert am 18. März 2025
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