Luft-Luft-Wärmepumpen kommen ohne Heizkörper und Wasserkreislauf aus. Ihre Funktionsweise erinnert auf den ersten Blick an Klimaanlagen, und tatsächlich kamen die Anlagen bisher meist für die Gebäudekühlung zum Einsatz. Doch Luft-Luft-Wärmepumpen können auch heizen. Sie lassen sich einfach installieren, und erlauben Heizen und Kühlen mit nur einem Gerät.
Sind Luft-Luft-Wärmepumpen überhaupt „richtige“ Wärmepumpen? Die Frage ist nicht so absurd, wie sie zunächst klingen mag. Eine Internetrecherche liefert jedenfalls keine wirklich klare Antwort. Die Unklarheit hat ihre Ursache darin, dass der Begriff Luft-Luft-Wärmepumpe in der Praxis für ganz unterschiedliche Anlagentypen genutzt wird. Im Web finden sich viele Seiten, auf denen auch reine Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung als Luft-Luft-Wärmepumpen bezeichnet werden.
Um diesen verwirrenden Sprachgebrauch nicht auch in diesem Beitrag fortzuführen, bedarf es einer Klarstellung: Wenn im folgenden Text von Luft-Luft-Wärmepumpen die Rede ist, sind damit ausschließlich Anlagen gemeint, die wie „echte“ Wärmepumpen funktionieren. Es geht hier also um Geräte, die mithilfe eines Kältemittelkreislaufs in der Lage sind, Umweltwärme von eher geringer Temperatur so „aufzupumpen“, dass sie für Heizzwecke nutzbar ist.
Marktsituation
Luft/Luft-Wärmepumpen spielten in Deutschland für die Gebäudebeheizung bislang keine große Rolle. Unangefochtener Marktführer ist hierzulande die Luft/Wasser-Wärmepumpe . Diese entzieht der Außenluft Wärme, hebt deren Temperaturniveau mithilfe eines Kältemittelkreislaufs an und gibt die Energie dann an das Heizungswasser ab, das durch die Heizkörper beziehungsweise die Fußbodenheizung fließt.

In der Absatzstatistik des Bundesverband Wärmepumpe (BWP) für das Jahr 2025 haben Luft-Wasser-Wärmepumpen einen Marktanteil von 95 %. Weitere 5 % Marktanteil entfallen auf Sole-Wasser-Wärmepumpen („Erdwärmepumpen“). Und was ist mit Luft/Luft-Wärmepumpen? Auf Nachfrage erläutert der BWP, dass er diese in seiner Absatzstatistik bislang tatsächlich gar nicht berücksichtigt.
Ist der hiesige Absatzmarkt für Luft/Luft-Wärmepumpen so winzig, dass der Wärmepumpen-Verband den Anlagentyp einfach ignorieren kann? Tatsächlich ist es so, dass in Deutschland bislang Wärmepumpen mit wassergeführter Wärmeverteilung eindeutig dominieren. Doch in den letzten Jahren ist Bewegung in den Markt gekommen. Auch der BWP bestätigt auf BaustoffWissen-Nachfrage, dass Luft-Luft-Wärmepumpen „einen immer wichtiger werdenden Teil des Wärmepumpen-Marktes abbilden“. Ab 2027 wolle man für seine Absatzstatistik daher auch diesen Anlagentyp abfragen.
Einfache Installation
Genauso wie wassergeführte Luft/Wasser-Systeme arbeiten Luft-Luft-Wärmepumpen mit Umweltwärme aus der Außenluft. Sie geben diese aber nicht an einen Wasserkreislauf (Heizungskörper/Fußbodenheizung) ab, sondern blasen direkt Warmluft in den Raum. Das ist der zentrale Unterschied zu Luft/Wasser-Wärmepumpen.

Herkömmliche Luft/Wasser-Wärmepumpen funktionieren oft nur mit einer Niedertemperatur-Flächenheizung wirklich effektiv. Luft/Luft-Wärmepumpen dagegen benötigen keine Fußboden-, Decken- oder Wandheizung. Sie geben die Wärme direkt an die Raumluft ab. Der Fachverband Gebäude-Klima (FGK) empfiehlt die Anlagen daher nicht nur als energieeffiziente Lösung für Neubauten, sondern auch für die Sanierung des Gebäudebestands.
Grundsätzlich funktioniert der Heizmodus der Geräte bei Außentemperaturen bis zu –25 °C. Ob für die Beheizung eines konkreten Altbaus tatsächlich eine Luft-Luft-Wärmepumpe infrage kommt, muss gleichwohl für jeden Einzelfall zunächst berechnet werden. Die Eignung hängt unter anderem von der Größe und dem Dämmstandard des jeweiligen Gebäudes ab sowie von der Sonneneinstrahlung.
Ein Vorteil von Luft-Luft-Wärmepumpen ist, dass sie sich relativ schnell und ohne großen Bauaufwand installieren lassen. Bei den meisten Luft/Luft-Wärmepumpen handelt es sich um so genannte Split-Geräte. Der Name kommt daher, weil die Anlagen aus zwei Teilen bestehen: einer Außen- und einer Inneneinheit. Für die klassische Wandmontage bedarf es hier nur zweier kleiner Kernbohrungen durch die Außenwand. Durch diese führt man die dünnen Kältemittelleitungen, die Außen- und Innengerät miteinander verbinden.
Neben den Split-Geräten gibt es auch so genannte Monoblock-Geräte. Bei dieser Variante hängt die komplette Wärmepumpe – also auch der vollständige Kältekreislauf – integriert in einem einzigen Gerät an der Innenwand. Die Versorgung mit Umweltwärme erfolgt bei dieser Variante über etwas größere Löcher in der Außenwand (Durchmesser: 16–20 cm). Auf der Fassadenseite sieht man davon nur die Abdeckgitter.
Je nach Wohnungsgröße vergrößert sich natürlich der Installationsaufwand. Mit einem Innengerät allein lässt sich eine große Wohnung in der Regel nicht beheizen. Hersteller wie Mitsubishi Electric bieten so genannte Multisplit-Systeme an, mit denen sich bis zu acht Innengeräte an eine Außeneinheit anschließen lassen.
Funktionsweise
Von außen sieht es so aus, als würden Luft-Luft-Wärmepumpen einfach nur warme oder kalte Luft in den Raum „pusten“. Sie wirken auf den ersten Blick tatsächlich wie normale Klimaanlagen. Doch wie oben schon erwähnt haben die Geräte – genauso wie herkömmliche Wärmepumpen – einen Kältemittelkreislauf und sind in der Lage, die Temperatur der Umweltwärme deutlich anzuheben.
Im Heizmodus saugt ein Ventilator im Außengerät der Wärmepumpe Luft an. Die Wärmeenergie in dieser Luft bringt über einen Wärmetauscher das anfangs flüssige Kältemittel zum Verdampfen. Das erfolgt im Verdampfer. Das „Aufpumpen“ der Umweltwärme erfolgt dagegen im Verdichter. Dort wird das gasförmige Kältemittel nämlich unter hohem Druck zusammengedrückt, wodurch seine Temperatur stark steigt.
In der Inneneinheit der Luft-Luft-Wärmepumpe befindet sich ein weiterer Wärmetauscher. Dort trifft der heiße Kältemitteldampf auf kühlere Raumluft, die vom Innengebläse der Anlage angesaugt wurde. Diese wird anschließend wieder als Warmluft an den Raum abgegeben. Das Kältemittel wird durch die Wärmeabgabe erneut verflüssigt und fließt zurück zum Verdampfer. Soll die Luft-Luft-Wärmepumpe den Raum kühlen, läuft der Mechanismus umgekehrt. Dann wird Wärme aus dem Innenraum an die Außenluft abgegeben.
Einschränkungen
Wie oben bereits erwähnt, ist insbesondere bei Altbauten stets im Einzelfall zu prüfen, ob die notwendige Heizlast tatsächlich durch eine Luft/Luft-Wärmepumpe gedeckt werden kann. Zu bedenken ist ferner, dass sich die Anlagen – anders als Luft/Wasser-Wärmepumpen – nicht für die Warmwasserbereitung eignen. Dafür muss also eine andere Lösung gefunden werden, zum Beispiel eine zusätzliche Brauchwasserwärmepumpe oder ein elektrischer Durchlauferhitzer.
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Die elektrische Warmwasseraufbereitung verbraucht relativ viel Strom. Doch auch Wärmepumpen-Heizungen laufen bekanntlich mit Strom. Die diesbezüglichen Kosten sinken, wenn selbst produzierter Strom aus einer Photovoltaik-Anlage zum Einsatz kommt. Bei Luft-Luft-Wärmepumpen lassen sich die Betriebskosten darüber hinaus senken, wenn man sie mit einer Lüftungsanlage koppelt. In diesem Fall kann die Wärmepumpe nämlich neben Umweltwärme von draußen auch die warme Gebäude-Abluft zum Heizen nutzen.