Ein pastellfarbenes Mehrfamilienhaus unter einem klaren blauen Himmel.
Die Hausfassaden dieser Wohnanlage im sächsischen Raschau wurden 2015 mit der Fassadenfarbe „Maxit Solaren“ saniert. (Quelle: Maxit)

Boden und Wand 2025-07-15T07:00:00Z Was sind Solarfarben?

Die Bezeichnung Solarfarbe ist offenbar kein geschützter Markenbegriff. Der Begriff wird jedenfalls für verschiedene Produkte mit teils sehr unterschiedlichen Anwendungszwecken verwendet – von der Algen- und Moosprävention über Heizkosteneinsparungen bis hin zu photovoltaischen Farben, die Solarstrom erzeugen.

Ein Farbanstrich, der herkömmliche Photovoltaik-Module ersetzt – das dürfte bei den meisten Menschen vermutlich die erste Assoziation sein, wenn sie den Begriff „Solarfarbe“ hören. Tatsächlich wird an photovoltaischen Farben, die lichtempfindliche Partikel oder Halbleitermaterialien zur Stromerzeugung enthalten, bereits intensiv geforscht. Aktuell gibt es aber noch keine marktreifen Produkte.

Hohlglaskugeln als Zusatzmittel

Wer derzeit im Internet nach Solarfarben sucht, stößt stattdessen meist auf Anstrichmittel für Gebäudefassaden, die als Zusatz mikroskopisch kleine Hohlglaskugeln enthalten. Diese Farben haben mit Solarstrom rein gar nichts zu tun hat, sie dienen vielmehr dem Zweck, für eine wärmere Wandoberfläche zu sorgen. Im Winter nämlich wirken diese Produkte wärmeabsorbierend, wenn die tief stehende Sonne auf die Fassade trifft. Im Sommer dagegen ergibt sich ein gewisser Hitzeschutz, da die Glaskügelchen Sonnenstrahlen mit steilem Einfallswinkel reflektieren.

Der Baustoffhersteller Maxit bietet gleich mehrere Fassadenfarben, die den Hohlglaskugel-Effekt nutzen. Die „Maxit Solarfarben“ etwa ist als Neubau-Produkt konzipiert, während "Maxit Solaren“ über zusätzliche Eigenschaften verfügt, die es vor allem für den Einsatz bei der Fassadensanierung prädestinieren. Bei beiden Anstrichmitteln handelt es sich aber um Farben auf Silikonharzbasis , die einen hohen Anteil an winzigen Hohlglaskugeln enthalten.

Auch sonst überwiegen die Gemeinsamkeiten beider Produkte. Sie sind einsetzbar auf allen Putzarten und mineralischen Untergründen. Sie verfügen über eine mikroporöse Struktur und sind wasserdampfdiffusionsoffen. Die in den Farben enthaltenen Glaskugeln beschleunigen zudem die Ableitung von Feuchtigkeit an der Oberfläche und begründen damit auch die geringe Verschmutzungsneigung der Produkte. Nach Bewitterung trocknen die Farben schnell ab – ein Effekt, der natürlich durch die Wärmeabsorption der Glaskügelchen in den feucht-kalten Jahreszeiten noch verstärkt wird.

Als Sanierungslösung hat Maxit Solaren unter anderem noch die zusätzliche Eigenschaft, dass die Farbe nicht nur rissüberbrückend, sondern rissfüllend wirkt. Es können damit Rissbreiten bis 0,5 mm geschlossen werden.

Schutz vor Grünbildung

Auch wenn Maxit beiden Fassadenfarben eine „wärmeregulierende“ Funktion zuspricht, betont der Hersteller ausdrücklich, dass die Produkte keine Alternative zu einer klassischen Fassadendämmung darstellen. Hauptzweck sei es vielmehr, einer Grünbildung auf der Fassade durch Moos oder Mikroorganismen wie Algen und Pilze entgegenzuwirken. Die Farben böten einen langanhaltenden Schutz vor einem solchen Befall, ohne dass dafür umweltbelastende Algizide und Fungizide notwendig wären.

Eine Hausfassade mit vier Fenstern, die symmetrisch angeordnet sind. Dübel-Abzeichnungen fallen als helle Flecken insbesondere in den Bereichen mit starker Veralgung unangenehm auf.
Bei der Sanierung in Raschau ging es um Fassadenschutz: Dübel-Abzeichnungen fielen als helle Flecken insbesondere in den Bereichen mit starker Veralgung unangenehm auf. (Quelle: Maxit)

Nach Angaben von Maxit sorgt die Kombination von Silikonharz-Bindemittel und Glaskügelchen für einen idealen temperatur- und feuchtigkeitsregulierenden Fassadenschutz, der Grünbildung effektiv vorbeugt. Die Glaskugeln halten die Fassadenoberfläche länger warm, wenn zuvor die Sonne darauf geschienen hat. In der Produktbeschreibung zur Maxit Solarfarbe heißt es, diese bewirke „einen Isoliereffekt der Farbe, der zu einer deutlichen Verlangsamung der Wärmedurchleitung führt“. Gleichwohl betont der Hersteller auf Nachfrage ausdrücklich, dass die Produkte Solarfarbe und Solaren nicht der Gebäudedämmung dienen, sondern dem Bereich Fassadenschutz zuzuordnen sind.

Bei manch anderen Solarfarben-Herstellern klingt das durchaus anders. Das Unternehmen Solarcolor beispielsweise schreibt auf seiner Website, man könne mit seinen Solarfarben auf ungedämmten und gedämmten Fassaden bis zu 25 % Heizkosten einsparen. Im Sommer würden die Anstriche zudem durch Solarstrahlungsreflektion Gebäude kühl halten und könnten somit die Klimaanlage entlasten. Auch die Solarcolor-Farben enthalten winzige Hohlkörper aus Glas oder alternativ aus „Thermokunststoff“.

Photovoltaische Farben

Wie oben bereits erwähnt, wird der Begriff Solarfarbe auch für neuere Entwicklungen verwendet, bei denen es sich um stromerzeugende Farbanstriche handelt. Sowohl an der University of Buffalo im Staat New York als auch an der kanadischen University of Toronto wurden zum Beispiel bereits Farben entwickelt, die lichtempfindliche Zusätze enthalten, mit denen sich bei Sonneneinstrahlung Strom erzeugen lässt.

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Diese Art von Solarfarben könnte sich in Zukunft als günstige, einfach anzuwendende Alternative zu herkömmlichen Photovoltaik-Modulen etablieren. Allerdings hat die Technologie derzeit noch eine geringe Effizienz (3–8 %), während klassische Solarpaneele bei über 20 % liegen. Es ist also vermutlich noch Einiges an Forschungsarbeit notwendig, damit photovoltaische Farben tatsächlich Marktreife erreichen. Wenn es gelingt, den Wirkungsgrad zu erhöhen, dürfte diese spannende Innovation aber ein großes Zukunftspotenzial haben.

zuletzt editiert am 20. Oktober 2025