Bei Dacharbeiten kommt es viel zu häufig zu Absturzunfällen. Der aktuelle Solarboom in Deutschland erhöht das Risiko, da die Anzahl der Arbeiten auf Dächern wächst. Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft haben deshalb die Infokampagne „Sicher auf dem Dach“ gestartet.
Absturzunfälle machen seit Jahren einen großen Anteil an den schweren oder sogar tödlichen Arbeitsunfällen in der Baubranche aus – auch im Jahr 2025. Für die ersten zehn Monate des vergangenen Jahres wurden der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) nach vorläufigen Zahlen 6.178 Absturzunfälle gemeldet – die meisten passierten von Dächern, Gerüsten und Leitern.
26 der bisher für 2025 bekannten Absturzunfälle endeten tödlich. Drei davon wiederum standen im Zusammenhang mit Arbeiten an Photovoltaik-Anlagen und geschahen bei deren Montage oder Reinigung. Im Jahr 2024 gab es insgesamt 7.231 Absturzunfälle, darunter ebenfalls 26 tödliche. Da für 2025 bisher nur die ersten zehn Monate ausgewertet wurden, ist es aber wahrscheinlich, dass die Zahlen für das gerade vergangenen Jahr noch steigen.
Viele Durchstürze
Absturzunfälle sind die häufigste Einzelursache für tödliche Arbeitsunfälle im Baubereich, von denen die BG BAU zwischen Januar und Oktober 2025 insgesamt 61 registrieren musste. Von den 26 im genannten Zeitraum erfolgten tödlichen Absturzunfälle ereigneten sich 14 vom Dach. „Absturzunfälle passieren häufig, wenn auf Dächern ohne ausreichende Sicherung gearbeitet wird“, sagt Michael Kirsch, Hauptgeschäftsführer der BG BAU.

Absturzunfälle vom Dach bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Unfallopfer vom Dach auf die Flächen rund ums Haus fallen. Im Gegenteil: Fast alle der bisher gemeldeten tödlichen Abstürze in 2025 erfolgten nach innen, also als Durchstürze durch nicht durchtrittsichere Dachbereiche. Man kann daher wohl hinzufügen: Absturzunfälle ereignen sich nicht nur auf Steil-, sondern auch oft auf Flachdächern. „Einen Unfallschwerpunkt sehen wir bei Dachbereichen mit nicht durchbruchsicheren Materialien wie Wellasbestplatten, Lichtbändern oder Lichtplatten“, erläutert Michael Kirsch. „Wer dort die Tragfähigkeit falsch einschätzt und ungesichert arbeitet, bringt sich in Lebensgefahr.“
Unfälle meist vermeidbar
2025 gab es auffällig viele solcher tödlichen Durchsturzunfälle. Der BG-BAU-Hauptgeschäftsführer hält viele davon für vermeidbar: „Wenn der Arbeitsschutz konsequent beachtet wird, ist sicheres Arbeiten auf dem Dach möglich. Um Unfälle zu vermeiden, ist es wichtig, dass alle Tätigkeiten auf Dächern fachgerecht ausgeführt, gut geplant und mit geeigneten Schutzmaßnahmen abgesichert werden.“

Die Arbeit in der Höhe erfordert umfassende Fachkenntnisse, wie sie Dachdeckerinnen und Dachdecker in ihrer Ausbildung erwerben – sei es zu Themen wie Statik, Dachaufbau und Arbeitssicherheit. Die BG BAU und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) fordern gewerbliche und private Auftraggeber daher dazu auf, Arbeiten auf Dächern nur von geeignetem Fachpersonal ausführen zu lassen. „Dachdeckerinnen und Dachdecker arbeiten zumeist in der Höhe – aber sie wissen, was sie tun“, betont auch ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx. „Mit den möglichen Risiken gehen sie professionell um und schützen sich umfassend.“ Und weiter: „Insofern sehen wir mit Sorge, dass mit dem Photovoltaik-Boom zunehmend auch Nicht-Fachleute auf Dächer steigen, ohne sich der Gefahren wirklich bewusst zu sein.“
Wenn Profis am Werk sind, lassen sich Dachabstürze und die damit verbundenen Schäden für Beschäftigte, aber auch für Bewohner oder Passanten, zumindest reduzieren. Das ist eine Botschaft von ZVDH und BG BAU. Aber natürlich sind auch ausgebildete Handwerkerinnen und Handwerke nicht gänzlich vor Unfällen gefeit. Deshalb haben beide Organisationen Ende November die gemeinsame Initiative „Sicher auf dem Dach“ gestartet. Sie soll für Absturzrisiken sensibilisieren und über geeignete Schutzmaßnahmen aufklären.
Sensibilisierung für Absturzrisiken
„Die Initiative ‚Sicher auf dem Dach‘ ist genau der richtige Weg“, findet André Büschkes, Dachdeckermeister und Mitglied im Vorstand der BG BAU. „Gemeinsam entwickeln Verband und Berufsgenossenschaft Maßnahmen, die in der Praxis wirklich funktionieren – damit alle am Ende ihres Arbeitstages sicher wieder nach Hause kommen.“ Er ergänzt: „Für mehr Sicherheit sorgen beispielsweise auch durchtrittsichere Materialien und Konstruktionen, hier könnte die Politik verpflichtende Kennzeichnungen einführen.“
Die Initiative „Sicher auf dem Dach“ kombiniert eine Sensibilisierungskampagne in den sozialen Medien mit neuen Sicherheitsmaterialien und Arbeitshilfen auf einer speziellen Themenseite, die in die Website der BG BAU integriert wurde (Direktlink zur Themenseite hier ). Ziel ist es, Betriebe und Beschäftigte gleichermaßen für sicheres Arbeiten auf dem Dach zu gewinnen und sie mit praxisnahen Unterlagen bei der Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen zu unterstützen.
Zudem hat die BG BAU einen Unterweisungskalender speziell für das Dachdeckerhandwerk entwickelt (Kalender als PDF hier ). Dieser führt mit zwölf Sicherheitsthemen durch das Jahr 2026 und kann gezielt für die Unterweisung der Beschäftigten genutzt werden. Wird der Kalender gut sichtbar im Betrieb ausgehängt, erinnert er bei jedem Vorbeigehen an zentrale Sicherheitsaspekte, die bei Arbeiten auf Dächern wichtig sind.
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