Fast 57 % aller zum Verkauf stehenden Immobilien in Deutschland sind einer der vier niedrigsten Energieeffizienzklassen (E bis H) zuzuordnen und dementsprechend sanierungsbedürftig. Das ergab eine Untersuchung des Sanierungs- und Energieberatungsunternehmens Purpose Green.
Für seine Untersuchung hat das 2023 in Berlin gegründete Startup Purpose Green insgesamt 10.683 Immobilienangebote der 30 größten deutschen Städte analysiert, die auf der Plattform Immowelt zum Verkauf standen. Untersucht wurden dabei die Energieeffizienzklassen der Häuser. Die Ergebnisse hat das Beratungsunternehmen auf seiner Website veröffentlicht (Landingpage hier ).
Chemnitz und Leipzig liegen vorn
Beim Städte-Vergleich schneiden Chemnitz und Leipzig am besten ab. Dort nämlich sind jeweils rund 71 % der untersuchten Immobilien den fünf höchsten Energieeffizienzklassen A+ bis D zuzuordnen. Auf Platz drei folgt Berlin, wo mit 59,8 % mehr als die Hälfte der Häuser den Klassen A+ bis D angehört. Am Tabellenende des 30-Städte-Ranking finden sich dagegen Kiel und Bochum. Dort haben 82 % beziehungsweise 80,6 % der Häuser eine der vier niedrigsten Energieeffizienzklassen E bis H. Auch Bremen hat mit 74,69 % der Immobilienangebote in den ineffizientesten Klassen deutliches Optimierungspotenzial.

Deutschlandweit sind 56,76 % aller untersuchten Häuser den niedrigen Energieeffizienzklassen zuzuordnen. Nur 43,24 % befinden sich in den Klassen A+ bis D. Dass mit Chemnitz und Leipzig zwei ostdeutsche Städte bei der Immobilien-Analyse in Sachen Energieeffizienz am besten abschneiden, ist natürlich kein Zufall. Der dortige Gebäudebestand war gegen Ende der DDR-Zeit so stark sanierungsbedürftig, dass nach der Wende eine breite Modernisierungswelle mehr oder weniger unaufschiebbar war.
Ob nun der Gebäudebestand in ostdeutschen Städten generell energieeffizienter ist als im Westen, lässt sich mit der Analyse von Purpose Green nicht abschließend belegen. Auffällig ist natürlich, dass mit Leipzig, Chemnitz und Berlin drei ostdeutsche Städte das Ranking anführen. Mit Dresden folgt auf Platz sieben eine weitere ostdeutsche Stadt. Dort entfallen freilich nur noch 37,83 % der untersuchten Gebäude auf die Energieeffizienzklassen A+ bis D – also weniger als im bundesdeutschen Durchschnitt (43,24 %).
Großer Sanierungsbedarf
Besser als Dresden schneiden gleichwohl nur drei westdeutsche Städte ab: München (Energieeffizienzklassen A+ bis D: 58,11 %), Mannheim (51,25 %) und Braunschweig (50,07 %). Verallgemeinernde Aussagen zu regionalen Trends beziehungsweise zu einem Ost-West-Gefälle sind dennoch fragwürdig, da sich die Analyse ja nur auf die 30 größten deutschen Städte bezieht, unter denen wiederum nur vier ostdeutsch sind (inklusive Berlin). Außerdem umfasst die Grundgesamtheit nur Gebäude, die auf der Plattform Immowelt zum Verkauf angeboten wurden.
Gleichwohl kann die Analyse im Großen und Ganzen wohl als weiterer Beleg dafür gelten, dass Deutschland bei der Energieeffizienz seines Gebäudebestands einen großen Nachholbedarf hat. „Dass 56,76 % der untersuchten Immobilienangebote in den niedrigsten Energieeffizienzklassen liegen, unterstreicht den dringenden Handlungsbedarf im Gebäudesektor“, sagt Oki Memba, Mitgründer von Purpose Green. Besonders besorgniserregend ist, dass fast jede fünfte untersuchte Immobilie in die schlechteste Kategorie fällt.“
Tatsächlich entfallen auf die Klasse H, also auf die energetisch schlechteste Kategorie, so viele Gebäude wie auf keine andere einzelne Energieeffizienzklasse – nämlich 17,6 %. Zum Vergleich: Immobilien der Klassen A+ und A, die für eine sehr gute Energieeffizienz stehen, machen zusammengenommen nur 16,98 % der Verkaufsangebote auf Immowelt aus. Insgesamt verteilen sich die Energieeffizienzklassen wie folgt auf das untersuchte Immobilienangebot: A+ (11,11 %), A (5,87 %), B (5,53 %), C (8,54 %), D (12,18 %), E (13,17 %), F (13,96 %), G (12,03 %), H (17,6 %).
Was sind Energieeffizienzklassen?
Häuser, die besonders energieeffizient sind, werden in die Energieeffizienzklassen A+ oder A eingestuft. Das bedeutet, das sie einen jährlichen Endenergiebedarf von unter 30 kWh/m² beziehungsweise von 30 bis 50 kWh/m² haben. Die weiteren Klassen stehen für Jahresverbräuche von 50 bis 75 kWh/m² (B), 75 bis 100 kWh/m² (C), 100 bis 130 kWh/m² (D), 130 bis 160 kWh/m² (E), 160 bis 200 kWh/m² (F), 200 bis 250 kWh/m² (G) beziehungsweise mehr als 250 kWh/m² (H).
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Die neun Energieeffizienzklassen spielen zwar keine Rolle bei den energetischen Anforderungen des deutschen Gebäudeenergiegesetzes ( GEG ), sie wurden aber vor rund zehn Jahren in die Energieausweise aufgenommen, die laut GEG für Neubauten, aber auch für viele Bestandsgebäude Pflicht sind.
Die Energieeffizienzklassen für Gebäude sind denen von Haushaltsgeräten wie Kühlschränken nachempfunden und sollen Käufer und Mieter einen leicht verständlichen Eindruck davon vermitteln, wie hoch der Energieverbrauch eines Hauses ist. Die unterschiedlichen Klassen werden nach dem Endenergiebedarf eingeteilt, den die jeweiligen Häuser im Jahr für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung benötigen – gemessen in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr (kWh/m²a).