Aus Ton gebrannte Pflasterklinker eignen sich grundsätzlich auch für die kontrastreiche Gestaltung barrierefreier Verkehrs- und Freiraumflächen im öffentlichen Raum. Selbst die Anforderungen an visuelle Bodenindikatoren bezüglich Leuchtdichtekontrast und Reflexionsgrad lassen sich mit reinen Klinkerflächen erfüllen. Das hat die Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker durch die TU Berlin nachweisen lassen.
Öffentliche Wege, Plätze und Straßen sind so zu gestalten, dass sie auch für Menschen mit Beeinträchtigungen zugänglich sind und ihnen die Teilhabe am öffentlichen Leben ermöglichen. Bei Planung und Ausführung sind daher eine Reihe von Normen und Regelwerke zum barrierefreien Bauen zu beachten. So fordert die aktuell in Überarbeitung befindliche DIN 18040 Teil 3 („ Barrierefreies Bauen – Planungsgrundlagen – Teil 3: Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum “) unter anderem eine kontrastreiche Gestaltung öffentlicher Flächen, um blinden und sehbehinderten Menschen die Orientierung zu erleichtern und sie vor Hindernissen und Gefahren zu warnen.
Bodenindikatoren: Taktil – akustisch – visuell
Der gewünschte Kontrast entsteht in der Regel durch speziell gestaltete Bodenbauteile – die so genannten Bodenindikatoren. Diese grenzen zum Beispiel Funktionsbereiche wie Gehwege, Radwege oder Fahrbahnen voneinander ab oder zeigen sichere Querungsstellen an Ampeln, Zebrastreifen und Bahnübergängen an. Dabei kann die kontrastreiche Gestaltung der Bodenindikatoren sowohl taktiler als auch akustischer oder visueller Natur sein.
Taktile Bodenindikatoren sind solche, die mithilfe des Tastsinns wahrnehmbar sind. Darunter fallen insbesondere Beläge mit Rillen- oder Noppenstruktur, die sich von blinden Menschen mit dem Langstock ertasten lassen. Akustische Kontraste entstehen durch den akustischen Unterschied zum umgebenden Belag. Visuelle Bodenindikatoren beruhen auf dem so genannten Leuchtdichtekontrast, der den Hell/Dunkel-Kontrast benachbarter Flächen ausdrückt. Bei sehbehinderten Menschen reicht ein schwacher Farbkontrast nicht aus, da ihre Fähigkeit zur Farbwahrnehmung oft sehr reduziert ist.
Gemäß DIN 32984 („ Bodenindikatoren im öffentlichen Raum “) müssen alle Arten von Bodenindikatoren – egal ob taktil, visuell oder akustisch – einen starken Kontrast zum benachbarten Bodenbelag aufweisen. Die DIN 32975 wiederum („ Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung “) fordert, dass visuelle Bodenindikatoren gegenüber benachbarten Belägen einen Leuchtdichtekontrast von K ≥ 0,4 aufweisen müssen. Für die hellere Fläche wird zudem ein Reflexionsgrad ρ ≥ 0,5 verlangt. Diese beiden Anforderungswerte für Leuchtdichtekontrast und Reflexionsgrad wurden im Übrigen auch in der oben bereits erwähnten DIN 18040 übernommen.
Vorteile von Pflasterklinkern

Dicht gebrannte Pflasterklinker sind widerstandsfähig gegenüber Schmutz, Säuren, Salzen, Fetten, Frost, Schnee und starken Temperaturschwankungen. Mit einer Nutzungsdauer von bis zu mehr als 100 Jahren sind die Pflasterflächen zudem besonders langlebig. Müssen sie doch einmal zurückgebaut werden, lassen sich die unverwüstlichen Klinker wiederverwenden oder recyceln. All das macht das Material zu einem idealen Belag für hoch belastete öffentliche Wege, Plätze und Straßen.
Aber eignet sich der Tonbaustoff auch für die kontrastreiche Gestaltung barrierefreier Flächen? Das Bauchgefühl sagt an dieser Stelle erstmal Ja. Schließlich lassen sich Klinkersteine nicht nur im klassischen Hellrot, sondern in vielfältigen Farbtönen von ganz hell bis sehr dunkel produzieren. Das Tonpflaster ist zudem farb- und lichtecht. Selbst nach jahrzehntelanger UV-Einstrahlung bleicht es nicht aus, visuelle Kontraste bleiben somit dauerhaft erhalten. Auch Noppen- oder Rillenklinker für taktile Bodenindikatoren können produziert werden.
Aber lässt sich der geforderte Leuchtdichtekontrast (K ≥ 0,4) für visuelle Bodenindikatoren auf reinen Klinkerflächen tatsächlich erreichen? Das Bauchgefühl reicht hier nicht aus, es bedarf harter Fakten. Die Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker e.V. hat deshalb die TU Berlin mit einer entsprechenden Untersuchung beauftragt. Die 1984 gegründete Arbeitsgemeinschaft ist organisatorisch in den Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie eingebunden und hat drei Mitglieder – nämlich die Klinkerhersteller ABC Klinkergruppe, Gima Girnghuber GmbH und Vandersanden Deutschland GmbH.
Nachweis gelungen
Die TU Berlin hat mit verschiedenfarbigen Pflasterklinkern der drei genannten Mitgliedsfirmen barrierefreie Flächen gestaltet und dabei jeweils die als Bodenindikatoren eingesetzten Klinker mit den angrenzenden Belägen visuell verglichen. Dabei wurde der Leuchtdichtekontrast K nach Michelson ermittelt und zusätzlich der Reflexionsgrad der Klinkerflächen bestimmt.
Die Untersuchung hat gezeigt, dass angesichts der Farbvielfalt heutiger Pflasterklinker durchaus Kombinationen möglich sind, mit denen der geforderte Leuchtdichtekontrastwert von mindestens 0,4 erreicht wird. Auch ein Reflexionsgrad von ≥ 0,5 für die hellere Fläche ist mit dem Klinkern realisierbar. Kurzum: Pflasterflächen mit visuellen Bodenindikatoren lassen sich normgerecht auch komplett in Klinkerbauweise erstellen. Als Ergebnis der Untersuchung entstand auch ein Softwaretool, mit dem die beteiligten Hersteller nun schnell überprüfen können, welche Pflasterklinkerkombinationen die genannten DIN-Anforderungen erfüllen.
Im Entwurf zur neuen DIN 18040-3 wird übrigens weiterhin ein Leuchtdichtekontrast von ≥ 0,4 und ein Reflexionsgrad von ≥ 0,5 gefordert. Auch unter der überarbeiteten Norm werden Pflasterklinker also voraussichtlich die Vorgaben für visuelle Bodenindikatoren erfüllen können.