RM Rudolf Müller
Beim PCI-Produkt „Bohrlochsperre“ wird das Mauerwerk mindestens 24 Stunden lang mit einer Injektionsflüssigkeit getränkt. Foto: PCI

Beim PCI-Produkt „Bohrlochsperre“ wird das Mauerwerk mindestens 24 Stunden lang mit einer Injektionsflüssigkeit getränkt. Foto: PCI

 
Bauchemie
28. Februar 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Mauerwerk: Was tun gegen aufsteigende Feuchtigkeit?

Feuchtigkeit kann Mauerwerk langfristig zersetzen. Deshalb sollte man Häuser zum Erdreich hin ausreichend abdichten. Das geschieht bei Neubauten zum Beispiel durch eine „Schwarze Wanne“. Doch was tun bei Bestandsgebäuden, die über keine ausreichende Abdichtung verfügen? Zum Glück gibt es bauchemische Produkte, mit denen man aufsteigende Feuchtigkeit auch im Nachhinein unterbinden kann.

Wenn Gebäudewände feucht sind, kommen häufig Sanierputze zum Einsatz. Diese sind wasserdampfdurchlässig und erleichtern somit die Austrocknung der Wand. Zudem sind sie nur wenig kapillaraktiv, sodass von außen kaum Wasser in das Mauerwerk eindringen kann. Allerdings kann Sanierputz gegen die Zersetzung des Mauerwerks letztlich nichts ausrichten, wenn die Ursache der Durchfeuchtung nicht bekämpft wird.

Eine solche Ursachenbekämpfung ist durch den nachträglichen Einbau einer Horizontalsperre in das Mauerwerk möglich. Dabei kann es sich zum Beispiel um Kunststofffolien, Bitumenbahnen oder Metallbleche handeln, die in den Wandquerschnitt eingearbeitet werden und auf mechanische Weise verhindern, dass Wasser in das Bauwerk aufsteigt. Das ist allerdings aufwändig, schließlich muss die Mauer extra aufgesägt werden. Als Alternative bieten sich chemische Injektionsverfahren an.

Injektionsverfahren

Bei Bestandsgebäuden ohne ausreichende Abdichtung, die man im Nachhinein gegen aufsteigende Feuchtigkeit schützen will, hat sich das chemische Injektionsverfahren als Standardlösung etabliert. Die Bauchemie-Hersteller bieten eine Vielzahl von Produkten an, die alle gemeinsam haben, dass sie über zuvor gebohrte Löcher in das Mauerwerk injiziert werden. Dort sorgen sie dafür, dass wassersaugende Kapillare verschlossen werden und eine flüssigkeitsdichte Wand entsteht.

Die Injektion der chemischen Horizontalsperre erfolgt in der Regel im Sockelbereich der Wand. Das ist logisch, da das aufsteigende Wasser ja von unten kommt und das Mauerwerk oberhalb der Sperrschicht geschützt werden soll. Ist eine geeignete Sperrzone festgelegt, bohrt man über die gesamte Wandbreite etwa alle zehn bis 25 Zentimeter Injektionslöcher, deren Tiefe etwa zwei Drittel der Wanddicke entsprechen sollte. Dadurch wird sichergestellt, dass sich der Injektionsstoff über den gesamten Mauerquerschnitt verteilen kann.

Je nach Produkt und Anwendungsfall erfolgt die Injektion entweder unter Druck oder ohne Druck. Bei der zweiten Variante muss man die Bohrkanäle so bohren, dass sie schräg nach oben zeigen. Dadurch wird ermöglicht, dass der Injektionsstoff über einen längeren Zeitraum allein durch seine eigene Schwerkraft beziehungsweise durch das Saugverhalten der Kapillare in das Mauerwerk eindringt.

Drucklos verarbeitet wird zum Beispiel das Produkt „Bohrlochsperre“ von PCI. Diese Injektionsflüssigkeit füllt man in spezielle Behälter, die in die Bohrlöcher eingehängt werden (siehe Foto 1). Mithilfe dieser Vorrichtung wird die Wand über mindestens 24 Stunden ununterbrochen mit der Injektionsflüssigkeit getränkt. Dabei ist Vorsicht geboten, denn die Flüssigkeit ist bei Hautkontakt schwer ätzend!

Unterschiedliche Chemikalien

Das Acrylat-Gel von Getifix wird unter Druck ins Mauerwerk „gespritzt“. Foto: Getifix

Das Acrylat-Gel von Getifix wird unter Druck ins Mauerwerk „gespritzt“. Foto: Getifix

Für das Injektionsverfahren kommen je nach Hersteller unterschiedliche Chemikalien zum Einsatz. Verwendet werden zum Beispiel Alkalisilikate, Acrylat-Gele, Kunstharze, aber auch Zementschlämmen oder flüssiges, erhitztes Paraffin. Nach der Injektion müssen die Materialien zunächst aushärten. Der Eingriff war erfolgreich, wenn in der Folge keine Feuchtigkeit mehr in der Mauer aufsteigt. Das allerdings sollte man zunächst über mehrere Monate kontrollieren, bevor die Wand wieder verputzt oder anderweitig endbeschichtet wird. Nicht ausgeschlossen ist ferner, dass die Injektionsbehandlung nach einigen Jahren wiederholt werden muss.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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