RM Rudolf Müller
Steildach mit rot engobierten Hohlfalz-Ziegeln. Foto: Erlus

Steildach mit rot engobierten Hohlfalz-Ziegeln. Foto: Erlus

Dach
26. Juli 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Dachziegel: Was sind Engoben und Glasuren?

Bei Dachziegeln gibt es eine große Farbauswahl. Zu den einzelnen Produkten machen die Hersteller stets spezielle Angaben wie zum Beispiel „rot engobiert“, „grün glasiert“ oder „Edelengobe Schwarz“. Was hat es damit auf sich?

Dachziegel bestehen aus gebranntem Ton. Meist verwenden die Hersteller den klassischen, rot brennenden Ton, der ohne weitere Oberflächenbehandlung eine „naturrote“ Dachpfanne ergibt. Doch neben roten Ziegeln bietet die Industrie zum Beispiel auch schwarze, graue, braune, silberne, anthrazit-farbige, blaue oder grüne Produkte. Und jede einzelne dieser Farbrichtungen wird natürlich in zahlreichen Farbtonabstufungen angeboten.

Aber damit nicht genug: Das optische Spektrum wird noch dadurch erweitert, dass der Kunde zwischen unterschiedlichen Oberflächengestaltungen wählen kann. Am bekanntesten sind hier die seidenmatt schimmernde Engobe und die glänzende Glasur.

Engoben

Engoben sind ein Mittel zur Farbgebung bei Dachziegeln. Dabei entstehen matte oder mattglänzende Oberflächen. Zur Herstellung einer Engobe wird der noch ungebrannte Ziegel mit einer dünnflüssigen Schlämme aus andersfarbig brennendem Ton und Wasser beschichtet. Um bestimmte Farbwirkungen zu erzielen, fügt man diesem so genannten Schlicker oft noch weitere Pigmente oder Metalloxide hinzu. Der Auftrag des Tonschlickers auf den Ziegel erfolgt durch Eintauchen, Übergießen, Schleudern oder Aufspritzen.

Im Ofen wird die Beschichtung anschließend bei über 1.000 Grad Hitze in den Ziegel hinein gebrannt. Die dabei entstehende Oberflächenschicht, die untrennbar mit dem Ziegel verbunden ist, bezeichnet man als Engobe, der ursprüngliche Ziegel gilt dann als engobiert. Die Oberflächen sind diffusionsoffen, also durchlässig für Wasserdampf, ähnlich wie der darunter liegende Ziegel selbst.

Glasuren

Eine Engobe ist eine Schicht aus diffusionsoffenem Tonschlicker auf dem Dachziegel. Grafik: Creaton

Eine Engobe ist eine Schicht aus diffusionsoffenem Tonschlicker auf dem Dachziegel. Grafik: Creaton

Auch die Dachziegel-Glasur ist eine Oberflächengestaltung, bei der mit Wasser angesetzter Ton (Schlämme, Schlicker) auf den noch ungebrannten Ziegel aufgebracht und anschließend zusammen mit diesem gebrannt wird. Wie bei der Engobe erfolgt die Farbgebung durch die Auswahl des Tons beziehungsweise durch Zugabe von Pigmenten oder Metalloxiden.

Der Unterschied zur Engobe besteht lediglich darin, dass die Glasurmasse zusätzlich noch gemahlenes, vorgeschmolzenes Glas enthält. Durch den Glasanteil bekommt die Oberfläche das für Glasuren so typische glänzende Aussehen. Bauherren, die sich für glasierte Dachziegel entscheiden, tun dies in der Regel, weil sie eben diese hochglänzende Optik schätzen, die nicht zuletzt auch besondere Farbeindrücke ermöglicht. Beim Glasieren entsteht eine besonders harte, glasartige Schicht, die diffusionsdicht und zudem glatter als eine Engobe ist.

Wie gesagt: Die Entscheidung für glasierte Produkte fällt meist aus optischen Gründen. Dass Dachziegel durch eine Glasur besser vor Umwelteinflüssen geschützt sind, ist dagegen eine These, die sich durch praktische Erfahrungen kaum belegen lässt. Phänomene wie Schmutzablagerungen oder Moosbewuchs hängen von vielfältigen Faktoren ab – insbesondere von der Gebäudelage – und lassen sich nicht eindeutig auf die Oberflächenbeschichtung der Ziegel zurückführen.

Die Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Dachziegel schließlich auch ganz ohne Engoben oder Glasuren gebrauchstauglich sein müssen. Folglich handele es sich weder bei Engoben noch bei Glasuren um Schutzschichten. Allerdings fügt die Arbeitsgemeinschaft Ziegeldach hinzu, dass eine Grünbildung (Algen, Pilze, Flechten) auf glasierten Oberflächen seltener beziehungsweise erst nach längerer Zeit zu beobachten ist als bei anderen Dachziegeloberflächen.

Edelengoben

Glasierte Ziegel haben einen hohen Glanzgrad. Foto: Creaton

Glasierte Ziegel haben einen hohen Glanzgrad. Foto: Creaton

Eine weitere Form der Oberflächengestaltung für Dachziegel ist die so genannte Edelengobe. Sie ist gewissermaßen ein „Zwischending“ zwischen Engobe und Glasur. Eine Engobe mit höherem Glanzgrad sozusagen. Edelengoben bestehen aus einer Tonschlicker-Schicht, die glasbildende Zusätze enthält. Optisch sind sie kaum von Glasuren zu unterscheiden. Allerdings bildet sich keine durchgängige, diffusionsdichte Glasschicht. Deshalb ist eine Edelengobe eben nicht dasselbe wie eine Glasur.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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