RM Rudolf Müller
Frankfurter Pfanne - die Zutaten und das fertige Produkt

Die „Frankfurter Pfanne“ ist der vielleicht berühmteste Dachstein. Sie besteht aus Sand, Wasser, Zement und künstlichen Metalloxiden für die Farbgebung. Fotos: Braas

Dach
05. März 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Der Unterschied zwischen Dachziegel und Dachsteinen

Die meisten Steildächer in Deutschland sind auch heute noch mit Dachziegeln gedeckt. Auf Platz zwei folgen dann aber gleich die historisch noch relativ jungen Dachsteine. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen diesen beiden Eindeckungsmaterialien?

Dachlandschaft in Deutschland

Kein anderes Eindeckungsmaterial findet man auf Deutschlands Dächern so häufig wie Ton-Dachziegel. Die Hersteller bieten ein schier unüberschaubares Angebot an Formen und Farben. Foto: Creaton

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Zwar wünscht sich jeder Mensch ein „Dach überm Kopf“, aber über Dächer im Allgemeinen denken die meisten doch herzlich wenig nach. Das ist eigentlich erstaunlich, wenn man überlegt, wie sehr die Dachlandschaften tatsächlich das Aussehen der Gebäude in unseren Städten und Dörfern prägen. Wenn wir Urlaub irgendwo im Süden machen – sagen wir mal: an der andalusischen Küste Spaniens – fällt uns auf, dass die Dörfer dort irgendwie anders aussehen als bei uns. Und wenn wir darüber nachsinnen, woran das unter anderem liegt, dann fällt uns vielleicht irgendwann auf: „Hier gibt es viel mehr Flachdächer als zu Hause.“ Bingo! Und mit dieser Erkenntnis sind wir von unseren Urlaubserinnerungen ausgehend urplötzlich in der Welt des Baustoffwissens angekommen.

Witterungsschutz durch Steildächer

Denn es stimmt ja tatsächlich: Im Süden gibt es sehr viele Flachdächer, während zum Beispiel in Deutschland eindeutig die Steildachkonstruktionen dominieren. Und woran liegt das? Insbesondere an der uralten Aufgabe des Daches, das Gebäude vor Feuchtigkeit in Form von Regen, Schnee und Hagel zu schützen. Natürlich ist es mit den heute verfügbaren, modernen Dachbaustoffen kein Problem mehr, auch Flachdächer regendicht zu machen. Aber das war eben nicht immer so. Und deshalb haben sich in Ländern mit eher feuchter Witterung Steildächer als wichtigste Dachbauweise durchgesetzt. Ihr Gefälle ist einfach der beste Feuchtigkeitsschutz, denn dadurch kann sich Wasser unmöglich auf der Dachfläche sammeln und zu Feuchteschäden führen.

Damit ein Steildach Regen und Schnee sicher ableiten kann, muss es natürlich gedeckt sein. In Deutschland haben sich dafür besonders zwei Materialien durchgesetzt: Dachziegel und Dachsteine. Und auch wenn es Fachleute gibt, die beschwören, dass sie schon aus großer Entfernung erkennen, was da für ein Produkt auf dem Dach liegt, so gilt das für Otto-Normal-Verbraucher sicher nicht. Der ist sich des Unterschiedes zwischen den beiden Eindeckungsarten oft nicht einmal bewusst und spricht in der Regel auch dann von Dachziegeln, wenn es sich um Dachsteine handelt.

Ton versus Beton

Und was ist nun der Unterschied? Dachziegel bestehen aus natürlichem Ton, der bei Temperaturen von 900 bis zu 1.300 Grad Celsius im Ofen gebrannt wird. Dieses Verfahren kannten im Prinzip schon die alten Griechen und Römer, die es bereits rund 2000 v. Chr. anwandten. Durch die Römer wurde der Ziegel dann irgendwann auch bei den Germanen bekannt. Wenn man bedenkt, dass Dächer zuvor meist mit Stroh, Reet oder Holz gedeckt wurden – alles Materialien, die nicht gerade feuerfest sind – kann man sich gut vorstellen, dass Tondächer auch in unseren Breitengraden schnell viele Freunde fanden. Denn wie heißt es so schön: Ziegel werden gebrannt, aber sie brennen nicht!
Dachsteine werden dagegen aus flüssigem Beton geformt und härten dann bei etwa 60 Grad Celsius aus. Die Betonmischung besteht in der Regel aus Sand, Wasser, dem Bindemittel Zement sowie künstlichen Metalloxiden für die Farbgebung.

Alt versus Neu

Auch Dachsteine sind feuerfest und gewährleisten auch sonst dieselben Schutzfunktionen wie der Ziegel. Ihre Geschichte aber ist deutlich jünger. Der Bayer Adolph Kroher gilt als Erfinder dieser Dacheindeckung, weil er Mitte des 19. Jahrhunderts erste Dachsteine mithilfe von Naturzement herstellte. Aber seinen eigentlichen Durchbruch erlebte das Produkt erst nach dem zweiten Weltkrieg, vor allem mit der Markteinführung der berühmten „Frankfurter Pfanne“ durch den Hersteller Braas im Jahr 1954.
In gewisser Weise sind Dachsteine Imitate der historisch älteren Ziegel. Sie bestehen zwar aus einem ganz anderen Material, sehen aber zumindest für den Laien nicht grundsätzlich anders aus als ihre Vorbilder. Man kennt so etwas ja beispielsweise auch von modernen Beton-Pflastersteinen, deren Oberflächen die Optik von Natursteinen imitieren. Der Fachmann verzieht das Gesicht und sieht riesige Unterschiede, der Laie grübelt und ist sich unsicher.
Aber ist es denn ganz egal, auf welche der beiden Produkte man bei der Dacheindeckung setzt? Oder gibt es unterschiedliche Eigenschaften, die bei der Auswahl beachtet werden müssen? Auf diese Frage werden wir an dieser Stelle demnächst in einem weiteren Fachwissen-Artikel noch genauer eingehen.


Mehr zum Thema Dach findest du hier.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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