RM Rudolf Müller
Rückstauverschluss

Die Pendelklappen von Rückstauverschlüssen öffnen nur bei Wasserdruck in Fließrichtung zum Kanal. Grafiken: ACO

Entwässerung
15. Oktober 2013 | Artikel teilen Artikel teilen

Rückstausicherungen: Einsatzbereiche und Varianten

Hochwasser, Starkregenereignisse, verstopfte Rohre oder auch Pumpenausfälle im öffentlichen Kanalsystem: Es gibt viele Ursachen für eine Überlastung der Kanalisation in unseren Städten. Hausbesitzer müssen dann mit einem Rückstau von Abwasser aus dem Kanalsystem in den Gebäudebereich rechnen. Wenn Hausentwässerungsrohre unterhalb der so genannten Rückstauebene liegen – also meist im Keller – drohen Überschwemmungen. Mithilfe von Haustechnik zur Rückstausicherung lässt sich diese Gefahr allerdings deutlich verringern.

Wenn das öffentliche Entwässerungssystem überlastet ist, sodass Niederschlagswasser und die Abwässer aus den Gebäuden nicht schnell genug abfließen können, dann steigt der Wasserstand in der Kanalisation. Da die öffentlichen und privaten Abflussleitungen miteinander verbunden sind, verteilt sich das Wasser im Gesamtsystem schließlich so, dass überall nahezu der gleiche Wasserstand erreicht wird. Dieses Phänomen beruht auf einem physikalischen Grundprinzip, dem Gesetz der kommunizierenden Röhren (Was das ist, erfahrt ihr bei Wikipedia).

Was bedeutet Rückstauebene?

Rückstauebene

Kommt es zu Rückstau in der Kanalisation, dann kann der Wasserpegel in privaten Abflussleitungen, die unterhalb der Rückstauebene liegen, so weit ansteigen, dass es zu Überschwemmungen kommt.

Nun gibt es für den Wasserstand innerhalb der Kanalisation aber eine natürliche Obergrenze: die jeweilige Geländeoberkante. Denn das Röhrensystem ist ja nach oben hin offen, und irgendwann tritt das Wasser einfach aus der Kanalisation heraus und verteilt sich, zum Beispiel über Gullys, frei auf dem Gelände. Diese Oberkante wird auch als Rückstauebene bezeichnet. Wie wir ja bereits wissen, gibt es für praktisch alles eine DIN-Norm. So auch hier: in der DIN EN 12056 wird die Oberkante definiert als „die höchste Ebene, bis zu der das Wasser in einer Entwässerungsanlage ansteigen kann“. Die Rückstauebene wird in Deutschland auf Gemeindeebene behördlich festgelegt. In der Regel handelt es sich um die Straßenoberkante.

Welche Bedeutung hat die Rückstauebene nun für die private Hausentwässerung? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich noch einmal vor Augen halten, dass sich das Wasser im gesamten Röhrensystem der Entwässerung überall auf gleicher Höhe einpegelt. Daraus folgt, dass sich bei starkem Wasseranstieg auch die privaten Abflussleitungen bis zur Rückstauebene mit Rückstau-Abwasser füllen können. Das wiederum erzeugt akute Gefahren für alle häuslichen Entwässerungssysteme, die sich unterhalb der Rückstauebene befinden. Diese betreffen insbesondere Bodenabläufe, Waschbecken, Dusch- und Badewannen sowie Toiletten und Waschmaschinen in Kellerräumen. An diesen Abflusspunkten kann rückgestautes Wasser aus dem Röhrensystem austreten und zu Überschwemmungen führen, obwohl sie sich unterhalb der Rückstauebene befinden.

Abwasser-Hebeanlagen

Abwasserhebeanlage

Hebeanlagen pumpen das Abwasser über eine Rohrschleife auf ein höheres Niveau oberhalb der Rückstauebene. 

Um sich vor solchen Überschwemmungen zu schützen, sollten Hausbesitzer Abflüsse unterhalb der Rückstauebene unbedingt mit geeigneter Haustechnik zur Rückstausicherung ausstatten. Für die Auswahl der richtigen Technik ist die Frage entscheidend, ob vom Entwässerungsanschluss ein Rohr mit natürlichem Gefälle zum Kanal führt. Ist dies nicht der Fall, liegt der Anschluss also unterhalb des öffentlichen Kanalrohrs, dann ist eine Abwasser-Hebeanlage mit integriertem Rückflussstopp notwendig. Diese sorgt dafür, dass das Abwasser über eine Rohrschleife auf ein höheres Niveau gepumpt wird, von wo aus es mit einem Gefälle in den Kanal fließen kann (siehe Grafik). Da man die Rohrschleife in der Regel oberhalb der Rückstauebene an die Kanalisation anschließt, wird zudem effektiv verhindert, dass Wasser aus dem Kanalrohr in die Abflussleitung des Kellers zurückfließt. Schließlich kann das Wasser in der Kanalisation ja nur maximal bis zur Straßenoberkante steigen, bevor es sich frei im Gelände verteilt.

Schutz per Rückstauverschluss

In vielen Gebäuden liegen die Entwässerungsanschlüsse von Kellerräumen noch oberhalb des Kanalrohrs. In solchen Fällen kann die Rückstausicherung auch über einen einfachen Rückstauverschluss erfolgen. Dabei handelt es sich um ein Bauteil, welches in das Abwasserrohr eingebaut wird und meist über zwei Pendelklappen verfügt, die in den Rohrquerschnitt hineinragen (siehe Grafik). Bei normaler Entwässerungsfunktion öffnen sich die Klappen aufgrund des Drucks des Abwassers in Fließrichtung. Im Rückstaufall aber, wenn Wasser aus der anderen Richtung kommt, wird die hintere Klappe gegen den Dichtsatz gedrückt und verhindert so ein Eindringen des Abwassers.

Zu unterscheiden sind bei solchen Rückstauverschlüssen Modelle, die nur für fäkalienfreies Abwasser geeignet sind und solche, bei denen die Rohrleitung auch an eine Toilette angeschlossen werden darf. Bei der Variante für fäkalienhaltiges Abwasser sind die Klappen im Normalfall immer geöffnet und schließen nur im Rückstaufall automatisch. Die Pendelklappen für fäkalienfreies Abwasser sind dagegen immer geschlossen, solange kein Wasser fließt.

Bei Verwendung eines Rückstauverschlusses sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der Abfluss während des Rückstaus verschlossen bleibt – also nicht verwendet werden kann. Für Partyräume, Vorratskeller oder Waschküchen mag das vorübergehend unproblematisch sein, doch anders sieht es zum Beispiel in Kellerräumen aus, die als Wohnung mit kompletter Sanitärausstattung vermietet werden. In solchen Fällen ist dann eine Abwasser-Hebeanlage notwendig, die dafür sorgt, dass zum Beispiel Toiletten auch in Rückstausituationen weiterhin benutzbar bleiben.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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