RM Rudolf Müller
Bodenbelag aus Vinyl (PVC)

Bodenbeläge sind ein klassisches Einsatzgebiet für Weich-PVC. Foto: Uli Carthäuser / www.pixelio.de

 
Grundstoffe des Bauens
09. Dezember 2014 | Artikel teilen Artikel teilen

Kunststoffe: Welche Eigenschaften hat PVC?

PVC ist neben Polyethylen (PE) der weltweit am häufigsten hergestellte Kunststoff. Er wird zu zahllosen Konsumartikeln verarbeitet – von Kunstleder, über Taschen, Koffer, Regenmäntel und Schuhsohlen bis hin zu Plastikspielzeug. Aber auch in der Baustoffbranche ist das Material weit verbreitet. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Hart- und Weich-PVC.

Polyvinylchlorid (PVC) wird bereits seit Mitte der 1930er-Jahre industriell produziert. Anfangs allerdings nur in der harten Variante. Zu den ersten Anwendungen gehörten Kunststoffrohre – zum Beispiel für Wasser und Abwasser. Damit das Material überhaupt zu Rohren geformt werden konnte, musste man es zuvor bei Temperaturen von 160 Grad Celsius erhitzen.

Widerstandsfähiges Material

Der Kunststoff ist beständig gegen Säuren, Laugen, Ethanol, Öl und Benzin und zudem sehr licht- und wetterresistent. Er verfügt über eine geringe Wärmeleitfähigkeit und nimmt kaum Wasser auf. Da PVC – verglichen mit vielen anderen Kunststoffen – relativ wenige Kohlenstoffatome enthält, ist für seine Herstellung auch weniger Erdöl beziehungsweise Erdgas notwendig. Aus demselben Grund ist das Material auch schwerer entflammbar als zum Beispiel PE. Kommt es allerdings zum Brand, dann entweichen ätzend-giftige Stoffe wie Chlorwasserstoff und Dioxine. Denn PVC gehört zu der Kunststoffgruppe der Thermoplaste, ist also aus kettenartigen Makromolekülen aufgebaut. Das Monomer Vinylchlorid bildet die einzelnen Glieder dieser Kette. Es besteht aus zwei Kohlenstoff-, drei Wasserstoff- und einem Chloratom (C2H3Cl).

Die Tatsache, dass reiner PVC-Kunststoff sehr hart ist, hat den Anwendungsbereich anfangs stark eingeschränkt. Für Rohre war das natürlich eine gute Eigenschaft, aber viele andere, heute weit verbreitete Anwendungen wurden erst möglich, nachdem man Verfahren erfunden hatte, PVC mithilfe von Weichmachern flexibler zu gestalten. Das gilt insbesondere für elastische Bodenbeläge, durch die der Begriff PVC in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg überhaupt erst in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist. Weich-PVC kann bis zu 50% Weichmacheranteile enthalten. Es wird auch als PVC-P bezeichnet, wobei der angehängte Buchstabe P hier für „plastisch“ steht (verformbar). Weichmacherfreiem PVC wird ein U angehängt (PVC-U), was für „unplastisch“ steht.

Vielfältige Einsatzbereiche

Kunststoffrohre aus Hart-PVC

Aus Hart-PVC werden oft Kunststoffrohre gefertigt. Foto: lichtkunst.73 / www.pixelio.de

Hart-PVC setzt man im Baubereich neben Rohren auch für Profile aller Art ein (zum Beispiel Fensterrahmen), aber auch für Lichtkuppeln, Fassadenelemente, Wellplatten oder Lüftungsschächte. Weich-PVC wird dagegen neben Fußbodenbelägen auch für elastische Dichtungen im Fenster- und Türbereich, für Baufolien und als Isolationsmaterial für Elektrokabel verwendet.

Noch bekannter als die Abkürzung PVC ist sicher die Bezeichnung „Vinyl“ – spätestens seit PVC gegen Ende der 1940er-Jahre unter diesem Namen den Kunststoff Schellack als Material für die Schallplattenherstellung abgelöst hat. Wobei viele Menschen heute wahrscheinlich gar nicht wissen, dass Vinyl und PVC im Prinzip ein und dasselbe sind. Gerade in den letzten Jahren feiert eine neue Form von PVC-Böden unter dem Begriff Vinylboden große Verkaufserfolge. Diese Beläge unterscheiden sich in mancherlei Hinsicht von der alten PVC-Rollenware: Sie sind kleinformatiger, werden auf Trägerplatten aus Holzwerkstoffen geliefert, lassen sich im Prinzip wie Laminat verlegen und bieten dank moderner Drucktechniken ziemlich realistisch wirkende Holz-, Stein-, Beton- und sogar Teppichoptiken. Die Oberfläche dieser Vinylböden besteht aber nach wie vor aus PVC.

Diskussion um Weichmacher

Der Grundbaustein von PVC, das gasförmige Vinylchlorid, gilt als gefährliche Substanz, die beim Menschen Krebs erzeugen kann. Für die Produktion gelten daher strenge Arbeitsschutzvorschriften. Doch auch das Endprodukt PVC ist in den letzten Jahrzehnten immer wieder wegen vermeintlicher Schadstoffemissionen ins Gerede gekommen. Manche Umweltverbände lehnen das Material bis heute rundweg ab, während Hersteller und Industrieverbände die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Kunststoffs betonen.

Unbestritten ist immerhin, dass sich die Debatte um das Gefahrenpotenzial von PVC-Produkten in der Regel nicht um das Hart-PVC, sondern um die weiche Variante des Polymers dreht. Im Fokus stehen hier Weichmacher, die sich aus dem Stoffverbund lösen können und – insbesondere bei Spielzeug – über den Speichel in den Körper von Kindern geraten können. Manche dieser Weichmacher gelten als leber- und nierenschädigend sowie als krebserzeugend.

Die Industrie verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass es mittlerweile qualitativ hochwertiges Weich-PVC gäbe – mit Weichmachern, die für den Menschen nicht gefährlich seien. „Produkte aus PVC stellen kein Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar, vorausgesetzt, sie enthalten geeignete Additive und werden in Übereinstimmung mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen entsorgt?, antwortete die EU-Kommission Ende 2010 auf eine entsprechende Anfrage aus dem Europaparlament. Aber natürlich hat das die weit verbreitete Kritik an PVC nicht zum Verstummen gebracht.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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