RM Rudolf Müller
Putzprofile im Fenster- und Sockelbereich. Grafik: Protektor

Putzprofile im Fenster- und Sockelbereich. Grafik: Protektor

Grundstoffe des Bauens
21. April 2016 | Artikel teilen Artikel teilen

Welche Funktionen haben Putzprofile?

In die Randbereiche von Putzflächen werden oft so genannte Putzprofile eingearbeitet. Sie helfen dem Verarbeiter, Putz- und Spachtelarbeiten qualitativ hochwertig auszuführen. Eine Übersicht über die vielfältigen Aufgaben dieses breiten Produktsortiments bietet der folgende Beitrag.

Das Angebot an Putzprofilen ist riesig. Allein der Hersteller Protektor bietet über 400 Produkte für unterschiedlichste Einsatzzwecke: Das Spektrum reicht von Kantenschutz- und Sockelprofilen über Putzabschluss- und Dehnungsfugenprofile bis hin zu Einfass-, Ausbau-, Mauerkanten- und weiteren Spezialprofilen. Eingearbeitet in die Putzfläche übernehmen die Profile zum Beispiel Bewehrungs-, Putzträger- oder Schutzfunktionen. Sie erleichtern es dem Verarbeiter, Flächen mit geraden Kanten, stabilen Ecken und schöner Optik herzustellen, oder sie übernehmen trennende Funktionen bei Fugen beziehungsweise abdichtende Funktionen bei Fenster- und Türanschlüssen.

Auswahl des richtigen Profils

Und wie findet der Baustoffhändler in diesem Riesenangebot das richtige Profil für die jeweilige Anwendung? Grundsätzlich erfolgt die Auswahl in drei Schritten. Zunächst ist zu klären, ob das Putzprofil für Innenputz- oder Außenputzflächen beziehungsweise für ein Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) benötigt wird. An zweiter Stelle steht die Frage, an welcher Stelle der jeweiligen Flächen das Profil zum Einsatz kommen soll: Geht es um Kantenbereiche, um Wandabschlüsse beziehungsweise Sockelbereiche, um Fugen oder vielleicht um Laibungen von Fenstern und Türen? Drittens spielt auch die geplante Putzschichtstärke eine Rolle bei der Profilauswahl. Für alle Anwendungsbereiche und Putzstärken stehen Profile mit passender Geometrie zur Verfügung.

Als Kantenschutz bieten Putzprofile Schutz, wenn Wandecken versehentlich angestoßen werden. Andere Produkte dienen zur Sicherung von Dehnungs- und Bewegungsfugen. Sockel- und Anschlussprofile wiederum sorgen für einen sauberen Abschluss von Putzflächen. Und nicht zuletzt sind Putzprofile für den Verarbeiter ein Richtmaß, um die geforderte Schichtstärke einhalten zu können. Dafür zieht er den Putz mit der Kelle über die zuvor korrekt ausgerichteten Putzprofile ab. Das erleichtert die Herstellung ebener Oberflächen in der gewünschten Schichtstärke. Für unterschiedliche Putzstärken gibt es jeweils passende Profile.

Woraus bestehen Putzprofile?

Kantenschutz für die Außenwand. Grafik: Protektor

Kantenschutz für die Außenwand. Grafik: Protektor

Putzprofile werden nicht etwa mit Nägeln, Schrauben oder Dübeln an der Wandoberfläche befestigt, sondern mithilfe des Putzmörtels selbst beziehungsweise mit speziellem Ansetzmörtel verklebt. Wichtig ist es, dass die Produkte einfach zu verarbeiten sind. Sie sollten nicht nur stabil, sondern auch leicht sein. Typische Materialien sind verzinktes Stahlblech, Aluminium, Edelstahl, aber auch PVC.

Welches Material zum Einsatz kommt, ist übrigens keineswegs egal. Es hängt vom Anwendungsbereich ab. Der Fachmann muss vorab zum Beispiel klären, ob Putzmörtel und Profilwerkstoff überhaupt miteinander verträglich sind. Die Wahl des Materials wird zudem stark von der zu erwartenden Feuchtebeanspruchung bestimmt. Im Außenbereich bieten beschichtetes Aluminium und Edelstahl den besten Schutz. Im Innenbereich wird häufig PVC eingesetzt.

Für den Anwendungsbereich WDVS kommen Putzprofile grundsätzlich an den gleichen Stellen zum Einsatz wie bei einfachem Außenputz ohne Fassadendämmung. Es geht um Kanten, Sockel, Abschlüsse, Übergänge zwischen Materialien und Bauteilen sowie um die Fenster- und Türbereiche. Zu erwähnen ist allerdings eine Besonderheit: An den WDVS-Profilen ist zusätzlich ein Gewebe angebracht. Das dient quasi als zusätzliche Bewehrung in der Putzebene und sorgt für rissfreie Oberflächen.

Innovatives Laibungsanschlussprofil

Genäht statt geklebt: neuartiges Laibungsanschlussprofil für WDVS-Anwendungen. Foto: Protektor

Genäht statt geklebt: neuartiges Laibungsanschlussprofil für WDVS-Anwendungen. Foto: Protektor

Für WDVS-Anwendungen hat Protektor 2015 übrigens ein innovatives Profil vorgestellt: das Laibungsanschlussprofil mit angenähtem Gewebe (siehe Foto). Als Laibung bezeichnet man die innere Mauerfläche einer Fenster- oder Türöffnung. An der Fassade kommen Laibungsanschlussprofile also dort zum Einsatz, wo der Fassadenputz an die Laibung angrenzt. Durch die neuartige, mechanische Nähverbindung von Protektor wird nach Herstellerangaben die Leistungsfähigkeit des Profils verbessert.

Bei den herkömmlichen Produkten für diesen Anwendungsbereich sind Profil und Gewebe miteinander verklebt. Das kann bei extremen Temperaturen an der Fassade zu Problemen führen. Bei sommerlicher Hitze etwa werden Klebeverbindungen in vielen Fällen weich. Bei klirrender Kälte wiederum verspröden die Kleber – sie verlieren also an Elastizität und werden rissanfälliger. Infolge solcher Temperatureinflüsse kann es im schlimmsten Fall zur kompletten Ablösung des Gewebes vom Profil kommen. Mit der neuen Nähverbindung ist das nach Protektor-Angaben nicht mehr möglich. Mittlerweile hat der Hersteller auch ein WDVS-Abschlussprofil in genähter Variante auf den Markt gebracht.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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