RM Rudolf Müller
Deckenstrahlplatten Montage

Deckenstrahlplatten aus Metall mit oberseitig befestigten Heiz-/Kühlrohren. Als Beplankung kam hier eine Gipsplatte mit besonders wärmeleitfähigem Graphitkern zum Einsatz.

Haustechnik
17. Februar 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Wann ist eine Deckenheizung sinnvoll?

Beim Thema Flächenheizungen haben wir uns bisher mit Systemen für den Fußboden und die Wand beschäftigt. Doch es gibt noch eine dritte Form: die Deckenheizung. Sie wird zwar deutlich seltener installiert als ihr Pendant am Boden. Warme Füße zu haben genießt eben bei vielen Menschen oberste Priorität. Trotzdem kann eine Deckenheizung unter bestimmten Bedingungen die sinnvollste Lösung sein. In Wohnräumen findet man sie bisher eher selten, häufiger dagegen in Büros und Verkaufsräumen oder auch in Industrie- und Sporthallen.

Decken-Flächenheizungen werden genauso wie Fußboden- oder Wandheizungen meist mit relativ geringer Vorlauftemperatur betrieben (30 bis 40°C). Bei hohen Decken ist natürlich irgendwann ein größerer Energieaufwand notwendig, um das vorhandene Raumvolumen angenehm warm zu halten. Auch bei der Deckenheizung dominieren übrigens mit Warmwasser betriebene Rohrsysteme – seltener werden auch elektrische Heizungen eingesetzt. Aufgrund der meist niedrigen Vorlauftemperaturen können Deckenheizungen oft auch mit nachhaltiger Umweltwärme aus Erdreich, Grundwasser oder Außenluft betrieben werden. Dann werden sie zusammen mit einer Wärmepumpe eingesetzt.

Angenehme Strahlungswärme

Deckenheizungen geben eine angenehme Strahlungswärme ab. Dabei wird die Decke an ihrer Oberfläche in der Regel nur bis zu 25°C warm. In Bädern ist maximal eine Abstrahltemperatur von 30°C erlaubt. Trotz dieser für Heizkörper geringen Temperaturen empfindet man eine behagliche Wärme. Das ist generell ein großer Vorteil von Flächenheizungen: Die tatsächliche Raumtemperatur kann durchaus zwei bis drei Grad geringer sein als bei einem konventionellen Heizkörper, ohne dass das Behaglichkeitsgefühl des Menschen sinkt. So lässt sich Energie bei hohem Wohlfühlfaktor sparen.

Innerhalb der Gruppe der Flächenheizungen haben die Deckensysteme den Vorteil, dass sie meist besonders großflächig Wärme abstrahlen können. Abgesehen von vereinzelten Leuchten gibt es an der Decke eben kein Mobiliar, das den Wärmestrahlen im Wege stehen könnte. Man müsste schon großflächig Regale bis unter die Decke stapeln. Anders als bei Böden und Wänden brauchen die Nutzer also nicht speziell darauf acht zu geben, dass genügend Heizfläche frei bleibt. Decken eröffnen einfach viel Platz für Wärmestrahlung.

Mehr Gestaltungsfreiraum

Auch in einer anderen Hinsicht bietet die Deckenheizung mehr Gestaltungsfreiraum als eine Fußbodenlösung: Es entfällt die leidige Frage, ob die Heizung denn wohl auch zum Bodenbelag passt. Viele Teppiche „schlucken“ zum Beispiel einen großen Anteil der Heizwärme und eignen sich daher nicht für eine Fußbodenheizung. An der Decke spielen solche Erwägungen keine Rolle. Da das dortige Rohrsystem keinen Druckbelastungen ausgesetzt wird, bedarf es ohnehin keiner besonders dicken Abdeckungen. Verkleidungen dienen eher der Optik als dem Schutz der Heizrohre.

Nicht zuletzt bei der Gebäudesanierung ist die Deckenheizung in manchen Fällen die praktischere Lösung. Viele Altbauten verfügen über hochwertige Parkett- oder Fliesenböden, die noch topp in Schuss sind. Für eine Fußbodenheizung müsste man diese Beläge aufwändig aufreißen und liefe Gefahr, sie dabei zu zerstören. Kein Wunder, dass viele Bauherren dann lieber auf die Deckenalternative setzen.

Selbstverständlich kann man eine Deckenheizung auch zusätzlich zu einer Fußboden- oder Wandheizung betreiben. In der Praxis geschieht das vor allem bei relativ hohen Räumen, die durch die Beheizung nur einer Bauteilfläche nicht ausreichend warm werden. Nicht zuletzt deshalb findet man Deckenheizungen häufiger in Hallengebäuden – zusätzlich zu anderen Heizkörpern. Auch ein Einsatz in ausgewählten Gebäudebereichen, in denen man es gerne besonders warm hat (z. B. im Bad), bietet sich an.

Konstruktionsvarianten

Deckenheizung mit Aluminium Wärmeleitprofilen

Bei diesem System werden die Kupfer-Heiz-/Kühlrohre in Aluminium-Wärmeleitprofile eingepresst. Beplankung: gelochte Gips-Akustikplatte. Fotos: Knauf / Linden

Eine mit Warmwasser betriebene Deckenheizung kann man – genauso wie die entsprechenden Alternativen an Wand und Fußboden – entweder im Nassverfahren oder in Trockenbauweise installieren. Bei der nassen Variante werden die Heizrohr-Elemente an der Decke befestigt und anschließend überputzt. Die Rohre können entweder völlig frei an der Decke verlegt werden oder man verwendet Produkte wie zum Beispiel Heizmatten. Bei diesen sind die Rohre bereits schlaufenförmig in ein Trägermaterial integriert, was die Verlegung vereinfacht.

Für die trockene Bauweise bietet die Industrie eine große Auswahl an Systemen. Manchmal sind die Rohre bereits fest in so genannte Deckenstrahlplatten integriert, die man nur noch an der Decke oder – bei abgehängten Hohlraumdecken – an einer Unterkonstruktion befestigen muss. Diese Elemente bilden dann zugleich Heizköper und die abschließende Deckenoberfläche. Eine andere Variante sind Deckenstrahlplatten oder -profile aus Metall (Stahl oder Aluminium), an denen die Heiz-Kühlrohre oberseitig befestigt werden. Diese werden entweder flächendeckend oder auch nur vereinzelt an der Decke montiert. Anschließend beplankt man sie mit einem geeigneten Deckenabschluss – zum Beispiel Gips- oder auch Metallplatten.

Wichtig bei allen Konstruktionsvarianten ist, dass die Heizkörper-Elemente nach oben hin gut gedämmt sind. Sonst entweicht ein Großteil der erzeugten Wärme durch die Decke, beheizt den Fußboden im nächst höheren Geschoss oder geht im unbeheizten Dachboden verloren.

Einsatz zu Kühlzwecken

Genauso wie Flächenheizungen für Wand und Fußboden lassen sich auch Deckenheizungen alternativ zur Raumkühlung im Sommer einsetzen. Dann lässt man einfach kühleres Wasser durch die Rohrleitungen laufen. Doch aufgepasst: Aus Sicherheitsgründen sollte man nicht zu kaltes Wasser verwenden, weil sonst die Gefahr besteht, dass Luftfeuchtigkeit als Wasserdampf an der Decke kondensiert. Flächenheizungen sind für sanfte Wärmestrahlung ausgelegt und damit auch nur für eine sanfte Kühlung geeignet. Auf der sicheren Seite ist man auf jeden Fall, wenn die Wassertemperatur nicht unter 18°C fällt.



Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

Vor- und Nachteile von Flächenheizungen

Flächenheizungen werden immer beliebter. Passend zum Megatrend „Wellness“ werben die Hersteller mit „sanfter Strahlungswärme“. Das kommt offenbar gut an, und...

mehr »
 

Erklärt: Wie funktioniert eine Wärmepumpe?

Die Wärme der Sonne ist allgegenwärtig auf der Erde. Man kann sie mit Solarkollektoren einfangen und dann in künstlichen Solarspeichern zum Heizen bevorraten. Man kann aber auch auf die natürlichen Speicher unseres Planeten zurückgreifen. Genau das macht eine Wärmepumpe: Sie zapft die Sonnenenergie an, die in der Erde, im Grundwasser oder in der ...

mehr »
 

Wie funktioniert die Wärmeabgabe bei Heizkörpern und Flächenheizungen?

Wohnungen werden am häufigsten mit Heizkörpern erwärmt. Das sind normalerweise metallische Hohlkörper, die man an einer Raumwand aufhängt und die...

mehr »
Nach oben
nach oben