RM Rudolf Müller
Wand aus Gips-Wandbauplatten

Die Einzelplatten lassen sich zügig zu Trennwänden zusammensetzen.

 
Trockenbau
17. September 2015 | Artikel teilen Artikel teilen

Was sind Gips-Wandbauplatten?

Bei Trockenbauwänden aus Gips denkt man zunächst an Stahl-Unterkonstruktionen, die mit Gipskartonplatten beplankt werden. In der Mitte verbleibt ein Hohlraum. Etwas ganz anderes sind so genannte Gips-Wandbauplatten. Mit ihnen errichtet man massive Trockenbauwände, die durch und durch aus Gips bestehen.

Der Begriff „Massiver Trockenbau“ erscheint zunächst wie ein Widerspruch in sich. Schließlich sind wir es normalerweise gewohnt, bei nichtragenden Innenraum-Trennwänden zwischen zwei grundlegend verschiedenen Bauweisen zu unterscheiden: Auf der einen Seite steht das massive, mit (feuchtem) Mörtel verarbeitete Mauerwerk und auf der anderen Seite die leichte, innen hohle Trockenbau-Ständerwand mit einer Beplankung aus Gipskartonplatten.

Hohlraumfreie Gipswände

Gips-Wandbauplatten passen nicht in dieses gegensätzliche Schema. Sie stehen für eine weitgehend trockene Bauweise, die zugleich massiv ist. Zu hundert Prozent aus reinem Gips bestehend, lassen sie sich zu monolithischen Trennwänden zusammenbauen – ganz ohne Kartonummantelung, ohne Hohlräume und ohne Unterkonstruktion.

Die Platten werden standardmäßig in 500 mm Höhe sowie wahlweise 400, 500 oder 666 mm Länge angeboten und auf der Baustelle mithilfe eines schnell trocknenden Gipsklebers fest zusammengefügt. Bei der Plattenstärke hat man die Wahl zwischen 60, 80 oder 100 mm. Zum Vergleich: Eine Standard-Gipskartonplatte ist nur 12,5 mm dick. Aber eine Trennwand aus Gipskarton besteht ja auch aus mindestens zwei Platten und einem Metallprofil dazwischen. Die Dicke von Gips-Wandbauplatten entspricht dagegen genau der Dicke der Wand, die man aus ihnen baut.

Hohe Flexibilität

Ähnlich wie herkömmliche Ständerwand-Leichtkonstruktionen stehen auch Gips-Wandbauplatten für eine flexible Bauweise. Die Wände sind nicht nur zügig errichtet, sondern lassen sich bei Bedarf auch schnell wieder abbauen oder innerhalb des Gebäudes verschieben. Das ermöglicht kostengünstig umzusetzende Raumneuaufteilungen und Gebäudeumnutzungen. Mit massivem Mauerwerk geht das nicht so leicht.

Gegenüber dem Trockenbau in Ständerbauweise haben Wände aus massiven Gips-Wandbauplatten zudem einige Vorteile. Sie sind wesentlich stabiler und belastbarer. Oberflächenbeschädigungen lassen sich problemlos mit Gips-Spachtelmassen reparieren. Bei Bedarf kann man auch einzelne Platten komplett austauschen. Und Tür- oder Fensteröffnungen sind völlig flexibel über die gesamte Wandfläche hinweg möglich. Da die Wand durchweg aus demselben Material besteht, kann man Öffnungen auch problemlos nachträglich aussägen, ohne Beschränkungen durch Ständerweiten oder Rastermaße. Auch Lasten lassen sich an jeder beliebigen Stelle der Wand befestigen.

Schnelle Bauweise

Der Verbund erfolgt mit schnell trocknendem Gipskleber.

Der Verbund erfolgt mit schnell trocknendem Gipskleber.

Die passgenauen Gips-Wandbauplatten werden auf der Baustelle schnell zu massiven, nichttragenden Trennwänden zusammengefügt. Die Verbindung erfolgt einfach mit Gipskleber, der auf die Stoß- und Lagerfugen aufzutragen ist. Da die Stirnseiten der Platten mit Nut und Feder geformt sind, entsteht ein besonders stabiler Klebeverbund. Der Gipskleber sorgt für einen deutlich geringeren Wassereintrag in den Bau als es bei vermörteltem Mauerwerk üblich ist. Die Trocknungszeiten sind entsprechend kurz.

Wenn die Wand zusammengesetzt ist, muss nur noch der Fugenbereich der Platten verspachtelt werden. Um besonders glatte Oberflächen zu erzeugen, kann man die Platten auch vollflächig verspachteln. Zum Schließen der Deckenfuge gibt es einen speziellen Füllgips. Anschließend lässt sich die Wandoberfläche direkt streichen oder auch tapezieren. Ein Putzauftrag ist nicht notwendig. Auch eine Beschichtung mit keramischen Fliesen ist möglich. In diesem Fall dürfen die Gips-Wandbauplatten allerdings nicht vollflächig verspachtelt werden.

Hoher Schallschutz

Massives Mauerwerk hat unter anderem den Vorteil, dass es einen hohen Schallschutz bietet. Aber auch der massive Trockenbau mit Gips-Wandbauplatten schneidet hier gut ab. Kein Wunder: Die Platten verfügen ja ebenfalls über eine relativ hohe Masse. Angeboten werden sie in verschiedenen Rohdichten: 850, 1.200 oder 1.350 Kilogramm pro Kubikmeter. Zum Vergleich: Mauerwerk aus Kalksandstein hat in der Regel Rohdichten zwischen 1.200 und 2.200 kg/m³.

Aufgrund ihrer Masse bieten die Platten also einen relativ guten Schutz vor der Schallübertragung durch die Wände hindurch. Aber auch die Schallübertragung über angrenzende Bauteile wird stark reduziert, weil bei der Bauweise spezielle Randanschlussstreifen zum Einsatz kommen, durch die die Gips-Wandbauplatten von angrenzenden massiven Wänden und Decken akustisch entkoppelt werden. Diese Streifen bestehen aus PE-Schwerschaum, bituminiertem Filz oder auch aus Mineralwolle. Sie werden vor dem Bau der Wand am Boden, an den Wänden und an der Decke des Gebäudes befestigt. Innerhalb dieser Streifenumrandung errichtet man dann anschließend die Trennwand.

Zweischalige Variante

Gips-Wandbauplatte Deckenfuge

Für die Deckenfuge zwischen Platten und Randanschlussstreifen gibt es einen speziellen Füllgips.

Übrigens sind mit Gips-Wandbauplatten nicht nur einschalige, sondern auch mehrschalige Trennwände möglich. Zu unterscheiden sind hier Verbundkonstruktionen, bei denen zwei oder mehrere Plattenlagen vollflächig mit Gipskleber verklebt werden, sowie Konstruktionen mit Hohlraum.

Mehrschalige Verbundwände kommen vor allem zum Einsatz, wenn bei Gebäuden besonders hohe Anforderungen an den Schall- oder Brandschutz gestellt werden. Da Gips nicht brennbar ist, sind die Platten grundsätzlich auch bestens geeignet, um die Feuerausbreitung einzudämmen. Zweischalige Trennwände mit Hohlraum zwischen den beiden Plattenlagen eignen sich insbesondere, um Versorgungsleitungen unsichtbar zu installieren. Alternativ kann der Hohlraum aber auch mit einer Dämmstofflage gefüllt werden.


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Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com
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