Das Institut Bauen und Umwelt (IBU) hat drei neue Umwelt-Produktdeklarationen (EPDs) für Wärmedämm-Verbundsysteme veröffentlicht. Sie dokumentieren die Umwelteigenschaften von WDVS mit den Dämmstoff-Alternativen EPS, Mineralwolle und Holzfaser. Es handelt sich um die einzigen in der IBU-Datenbank veröffentlichten EPDs für WDVS.
Die drei Umwelt-Produktdeklarationen (Environmental Product Declarations = EPDs) wurden im Auftrag des Verbandes für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) erstellt und sind nun für fünf Jahre gültig. Es handelt sich um Muster-EPDs, die ausschließlich für Wärmedämm-Verbundsysteme ( WDVS ) von Mitgliedsunternehmen des VDPM gelten.
Der VDPM repräsentiert nach eigenen Angaben die führenden Hersteller von Fassadendämmsystemen, Außen- und Innenputzen, Mauermörtel und Estrich. Über Funktion und Inhalte von EPDs in der Baubranche und die diesbezügliche Rolle des IBU haben wir bereits im BaustoffWissen-Beitrag „ Was sind Umwelt-Produktdeklarationen? “ informiert.
EPDs sind individualisierbar
Die Umwelt-Produktdeklarationen gemäß der Norm EN 15804+A2 wurden von einem Expertengremium aus VDPM-Mitgliedsunternehmen und externen Fachleuten erstellt, deren Arbeit bereits 2022 begann. Das Gremium legte als WDVS-Auswahlkriterien Dämmstoff, Untergrund (Putz) und Befestigungsart fest und entschied sich den Marktgegebenheiten entsprechend für diese drei Muster-EPDs:
- WDVS mit EPS-Dämmplatte geklebt und gedübelt
- WDVS mit Mineralwolle-Dämmplatte geklebt und gedübelt
- WDVS mit Holzfaserdämmung.
„Es war eines der aufwändigsten Projekte unseres Verbandes in den letzten Jahren“, erklärt VDPM-Geschäftsführerin Antje Hannig, „Anfang letzten Jahres wurden erst unsere Muster-EPDs für Mörtel und nun endlich die EPDs für WDVS veröffentlicht. Mit diesem Rundum-Paket können unsere Mitglieder den zeitlichen und finanziellen Aufwand für EPDs erheblich reduzieren, da all unsere Muster-EPDs individualisierbar sind. Somit sind wir auch sehr gut für die Anforderungen der neuen Bauproduktenverordnung aufgestellt, da die Deklaration von Umweltleistungen für Bauprodukte in den nächsten Jahren verpflichtend wird.“
Wichtigster Bestandteil der EPDs ist ein verifiziertes LCA-Tool. Hiermit können die Mitglieder des VDPM für eigens definierte WDVS mit spezifischem Aufbau näherungsweise Ökobilanzindikatoren nach EN 15804+A2 berechnen und die EPDs für ihre WDVS beim IBU individualisieren. Die Abkürzung LCA steht für „Life Cycle Assessment“ (Lebenszyklusanalyse) – das ist der internationale Name für Ökobilanz .
Umfangreiche Überarbeitung
Gegenüber den bisherigen EPDs von 2017 (EPS, Mineralwolle) wurden die Strukturen vollständig an das aktuell geltende Regelwerk angepasst. Die EPD zu WDVS mit Holzfaserdämmung wurde ganz neu erstellt. Laut VDPM bringt die EN 15804+A2 vor allem umfassende Änderungen im Bereich der Ökobilanz-Indikatoren mit sich.
Obwohl die Expertengruppe auf Elemente der bestehenden VDPM-EPDs im Bereich Putzmörtel zurückgreifen konnte, blieb ein sehr großes Paket zur inhaltlichen Überarbeitung: Die WDVS-Komponenten wurden überprüft und zum Teil korrigiert. Notwendig war eine umfangreiche Datenrecherche, unter anderem zu Strom- und Wasserverbrauch sowie Verpackungsaufkommen. Die Öko-Bilanzen mussten neu berechnet und detailliert dokumentiert werden. Zu jeder Muster-EPD existiert ein Anhang, der zusätzliche WDVS-Varianten aufführt. Alle drei EPDs können auf www.vdpm.info heruntergeladen werden.
