Ein Kran hebt Baumaterialien auf das Dach eines mehrstöckigen Gebäudes, während Arbeiter an der Dachrenovierung arbeiten.
Deutsche Wohngebäude werden seit Jahren viel zu selten saniert. (Quelle: Pixabay)

Plus 2026-04-15T07:00:00Z Energetische Sanierungen auf Talfahrt

Für die Modernisierung des deutschen Wohngebäudebestands war auch 2025 mal wieder ein mehr oder weniger verlorenes Jahr. Nach Angaben des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle lag die Quote für energetische Sanierungen im letzten Jahr nur noch bei mickrigen 0,67 %. Nach 0,69 % im Vorjahr, 0,70 % im Jahr 2023 und 0,88 % im Jahr 2022 markiert dies einen neuen Tiefpunkt.

Die Quote für energetische Sanierungen gibt an, bei wie vielen der rund 19,5 Mio. Bestandswohngebäude in Deutschland in einem Jahr Verbesserungsmaßnahmen für die Energieeffizienz durchgeführt wurden (zum Beispiel Dämmung, neue Fenster, Heizung). Sie wird im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle ( BuVEG ) vom Forschungsinstitut B+L Marktdaten Bonn ermittelt.

2 % Sanierungsquote notwendig

2025 sank die Quote für energetische Sanierungen im Wohnbereich auf einen neuen Tiefpunkt: 0,67 % (2024: 0,69 %). Die Quote für die etwas mehr als 2 Mio. Nichtwohngebäude entwickelte sich ebenfalls rückläufig und lag bei 0,92 % (2024: 0,95 %). Eins ist klar: Auch positive Veränderungen im Hundertstel-Bereich hinterm Komma würden nicht mehr ausreichen, damit Deutschland seine bis 2030 gesetzlich vorgeschriebenen Klimaziele im Gebäudesektor erreichen kann. Dafür bräuchte es nämlich eine kontinuierliche jährliche Sanierungsquote um die 2 %.

Ein Mann im Anzug steht mit verschränkten Armen vor einer Backsteinwand.
Jan Peter Hinrichs ist Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle. (Quelle: BuVEG)

„Die Sanierungstätigkeit ist in Deutschland auf einem besorgniserregenden Niveau“, sagt Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle. Der BuVEG repräsentiert die Hersteller aller an der Gebäudehülle beteiligten Bauprodukte. Dazu gehören Wandbildner, Fenster, Türen, Fassaden, Putzsysteme und Dämmstoffe. Hinrichs fordert ein ambitionierteres Gebäudeenergiegesetz ( GEG ), um energetische Sanierungen für Hausbesitzer attraktiver zu machen. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen würden private und institutionelle Immobilieneigentümer weiterhin bei Investitionen in ihre Gebäude zögern – trotz steigender Heizkosten.

Hintergrund: Die Gebäude in Deutschland verbrauchen nach wie vor zu viel Energie; sie verursachen derzeit rund 30 % aller CO₂-Emissionen. Die energetisch schlechtesten Gebäude der Effizienzklassen G und H sind für 50 % des gesamten Energieverbrauchs des Gebäudesektors verantwortlich. Zwei Drittel aller Wohngebäude befinden sich in den Effizienzklassen D bis H und verbrauchen mehr als 100 kWh/m² im Jahr. Dieses Gesamtbild führt zu immer höheren Energiekosten für die Verbraucher.

Der BuVEG-Geschäftsführer sieht auch die schwache Sanierungsquote bei den Nichtwohngebäuden (2025: 0,92 %) mit Sorge: „Gerade in öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern, Schulen oder Verwaltungen besteht ein großer Sanierungsstau. Hier könnte das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität für einen Befreiungsschlag sorgen. Deutschland braucht nicht nur einen Bau-Turbo, sondern dringend auch einen Sanierungs-Booster!“

Kaum Fassadensanierungen

Schaut man sich die Quote für energetische Sanierungen im Wohnbaubestand (0,67 %) differenzierter an und unterscheidet nach unterschiedlichen Gebäudebauteilen sind einerseits deutliche Unterschiede zu beobachten, andererseits aber gibt es in keinem Bereich eine wirklich ausreichende Sanierungsquote. Der Bereich Fassade bildet mit einer erschreckend geringen Sanierungsquote von nur 0,46 % das Schlusslicht. Der Bereich Dach erreichte 2025 eine Sanierungsquote von 0,74 %.

Diagramm zur Sanierungsquote der Gebäudehülle im Wohnbau von 2022 bis 2025 mit Zielwert für 2031.
Seit Jahren werden Wohnbauten viel weniger saniert als klimapolitisch notwendig. (Quelle: BuVEG / B+L Marktdaten Bonn)

Im Bereich Fenster sieht die Sanierungsquote von 1,19 % auf den ersten Blick noch ganz passabel aus. Doch Frank Lange, Geschäftsführer des Verbandes Fenster + Fassade relativiert diesen Eindruck: „Selbst der vergleichsweise aufwandsarme Bereich des Fenstertauschs bleibt weiterhin auf niedrigem Niveau. Neue Fenster sind häufig der erste Sanierungsschritt – bleibt dieser aus, stockt die gesamte Gebäudemodernisierung. Umso wichtiger sind verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, sowohl in der Förderung als auch im Gebäudemodernisierungsgesetz.“

Die Quote für energetische Sanierungen im Wohngebäudebestand von 0,67 % bedeutet in absoluten Zahlen, dass 2025 insgesamt 260.000 Wohneinheiten energetisch saniert wurden (2024: 265.000; 2023: 275.000). Gemäß der Leitstudie „ Aufbruch Klimaneutralität “ der Deutschen Energie-Agentur hätten aber allein letztes Jahr eigentlich 460.000 Wohneinheiten energetisch saniert werden müssen, damit Deutschland seine Klimaziele im Gebäudebereich erreichen kann. Bis 2030 müsste die Zahl auf jährlich bis zu 730.000 Wohneinheiten steigen.

Trier als Vorzeige-Stadt

Die Sanierungsquote ist ein Durchschnittswert, der für das gesamte Bundesgebiet gilt. Aber natürlich ist der energetische Zustand des Gebäudebestands nicht überall gleich. Auch das hat der BuVEG 2025 untersuchen lassen – und zwar in Kooperation mit der Internet-Plattform ImmobilienScout24. Ergebnis: Trier hat derzeit den energieeffizientesten Gebäudebestand Deutschlands, gefolgt von den Städten Rostock und Dresden. Die energetisch schlechtesten Gebäudebestände des Top-50-Rankings finden sich in Mönchengladbach (48), Bremen (49) und Krefeld (50).

Diagramm der Sanierungsquote für die Gebäudehülle im Nichtwohnbau mit Vergleich der Jahre 2024, 2025 und Ziel für 2031.
Bei Nichtwohngebäuden ist die Situation auch nicht viel besser. (Quelle: BuVEG / B+L Marktdaten Bonn)

„Deutsche Kommunen, die die energetische Zukunft ihres Gebäudebestands in den Fokus rücken, profitieren in vielfacher Hinsicht“, betont BuVEG-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs. „Sie machen die Städte klimaresilient, reduzieren die Energiekosten für ihre Bürgerinnen und Bürger und sichern den Wohlstand, der überwiegend in deren Immobilieneigentum steckt.“

Wie hoch der Wertzuwachs durch energetische Sanierungen tatsächlich ist, hat der BuVEG in einer weiteren Datenstudie ermittelt – wiederum in Kooperation mit ImmobilienScout24. Demnach erzielten energieeffiziente Wohngebäude 2025 bis zu 40 % höhere Marktpreise als unsanierte Vergleichsobjekte. Den durchschnittlichen Wertzuwachs infolge energetischer Sanierungen über alle Baualtersklassen und Regionen hinweg beziffert die Studie auf 23 %. 2024 lag der Wert noch bei 21 %. „Energetische Sanierungen werden immer deutlicher zu einem durchschlagenden Wertfaktor von Immobilien“, folgert Jan Peter Hinrichs.

zuletzt editiert am 10. April 2026
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