Eine Sammlung von verschiedenen Pflasterklinkern in unterschiedlichen Formen und Größen auf weißem Hintergrund.
Alles Pflasterklinker: Es gibt viel mehr als das klassische Rechteckformat. (Quelle: AG Pflasterklinker / ABC Klinkergruppe)

Tiefbau 2026-02-11T08:00:00Z Formatwahl bei Pflasterklinkern

Pflasterklinker sind ein bewährtes Material für Straßen, Wege und Plätze. Die aus Ton gebrannten Baustoffe gibt es heute nicht nur im klassischen rechteckigen Format. Vielmehr können Planende aus einer breiten Palette an Standard- und Sonderformaten wählen. Dabei ist die Formatwahl nicht nur eine gestalterische Entscheidung. Sie beeinflusst auch Funktionalität und Stabilität der Pflasterflächen.

Schon seit Jahrhunderten sind Pflasterklinker ein beliebter Baustoff für Bodenbefestigungen im öffentlichen und privaten Außenbereich. Sie überzeugen durch ihre überdurchschnittlich hohe Lebensdauer von rund 150 Jahren sowie eine hohe Beständigkeit gegenüber Temperaturschwankungen, Frost, Tausalzen, Säuren und Fetten sowie Verschmutzung und Abrieb.

Obwohl die Herstellung der keramischen Produkte einen energieintensiven Brennprozess erfordert, bei dem zunächst viel CO2-Emissionen anfallen – zumindest, wenn man die Sinteröfen mit fossilen Brennstoffen betreibt –, gelten Pflasterklinker dennoch als relativ nachhaltig. Ohne chemische Zusätze aus heimischem Ton gebrannt, sind die Baustoffe nämlich wiederverwendbar und vollständig recycelbar.

Große Formatvielfalt

Was einem im Alltag – beim Darübergehen – meist gar nicht auffällt: Pflasterklinker gibt es nicht nur im klassischen Rechteckformat mit seinem typischen 2:1-Verhältnis von Länge und Breite (zum Beispiel 200 × 100 mm). Es gibt auch quadratische Steine und weitere Varianten, die entweder großformatiger oder kleinteiliger daherkommen als das klassische Rechteckformat. Angeboten werden zudem schlanke Riegel- und Langformate.

Ein moderner Stadtplatz mit geometrischem Pflastermuster und Holz-Sitzbänken im Vordergrund.
Format, Farbe und Verlegemuster prägen die Flächenoptik. (Quelle: AG Pflasterklinker / GIMA / Anke Müllerklein)

Während die bisher genannten Formate noch mehr oder weniger zum Standardprogramm der meisten Hersteller gehören, bieten Sonderformate und individuelle Lösungen die Möglichkeit, sich vom Wettbewerber abzuheben. Hier gibt es praktisch alles, was die Geometrie erlaubt: nicht nur viereckige, sondern auch dreieckige, mehreckige und sogar runde Klinker.

Wird das Pflaster im Fischgrätverband verlegt, haben sich für den Randabschluss beispielsweise fünfeckige Klinker etabliert, die man als „Bischofsmützen“ bezeichnet. Diese ähneln in ihrer Form einem Haus (wie Kinder es zeichnen würden) oder eben einer Bischofsmütze. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Passstücke und Randsteine, mit denen Verleger saubere Abschlüsse realisieren können, ohne dass dafür ein aufwändiger Zuschnitt vor Ort erforderlich ist.

Format und Funktion

Klassische Pflasterklinker mit ihrem 2:1-Verhältnis (Länge/Breite) sorgen für ein zeitloses, harmonisches Fugenbild. Quadratische und großformatige Steine wiederum eignen sich gut für repräsentative Plätze, da sie ruhig und großzügig wirken.

Ein geometrisch angeordneter Pflasterklinkerbelag mit verschiedenen Farbtönen.
Dank der hohen Materialfestigkeit der Klinker sind Längen bis zu 400 mm realisierbar. (Quelle: AG Pflasterklinker / Heike Skamper)

Schlanke Riegel- und Langformate – mit Längen-Breiten-Verhältnissen von 3:1 oder 4:1 – verleihen Außenbereichen eine dynamische, elegante Anmutung. Sie betonen Linienführungen und lassen Wege optisch länger erscheinen. Dank der hohen Materialfestigkeit des keramischen Klinkers sind hier Längen bis zu 400 mm realisierbar. Kleinformatige Pflasterklinker wiederum bringen mit ihrer hohen Fugenanzahl mehr Lebendigkeit in die Fläche und eignen sich zudem auch gut zur Gestaltung von Kreisflächen und Kurven.

Wie oben bereits erwähnt, erfolgt die Formatwahl nicht nur aus optischen, sondern auch aus funktionalen Erwägungen. Die Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker im Bundesverband der Deutschen Ziegelindustrie weist darauf hin, dass bei der Wahl von Format und Bauweise stets die vorgesehene Nutzung sowie die zu erwartenden Belastungen zu berücksichtigen sind.

Als maßgebliche Normen nennt die Arbeitsgemeinschaft insbesondere die DIN EN 1344 – als eigentliche Produktnorm für Pflasterklinker – sowie die DIN 18318, die allgemeine technische Vertragsbedingungen (ATV) für Pflasterdecken, Plattenbeläge und Einfassungen definiert. Ein weiteres wichtiges Regelwerk ist die ZTV Pflaster-StB (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen) in Verbindung mit den Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen (RStO 12). Diese Regelwerke legen fest, welche Dicken und Bauweisen für welche Belastungsklassen einzuhalten sind.

Für barrierefreie Flächen sind zusätzlich die DIN 18040-3 („Barrierefreies Bauen – Verkehrs- und Freiräume“) sowie die Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) relevant.

Technische Grenzen der Formatwahl

Je länger ein Klinker im Verhältnis zu seiner Dicke ist, desto größer sind die Biegebeanspruchungen, die bei Verkehrslasten auftreten. In der ZTV Pflaster-StB ist daher festgelegt, dass Pflasterklinker ein Verhältnis von Gesamtlänge zu Dicke ≤ 4 aufweisen müssen. Ein 400 mm langer Klinker muss demnach mindestens 100 mm dick sein. Das klassische Standardformat von 200 × 100 mm erfüllt diese Anforderung ab einer Dicke von 50 mm.

Ein historisches Gebäude mit einem gepflasterten Innenhof und herbstlichem Laub an den Bäumen.
Pflasterfläche im Ellbogenverband. (Quelle: AG Pflasterklinker / Vandersanden)

Die erforderliche Dicke der Pflasterklinker hängt zudem davon ab, welcher Belastungsklasse (nach RStO 12) die jeweilige Fläche zugeordnet wird. Für Fußgängerflächen reicht oft schon eine Mindestdicke von 45 mm. Für stärker beanspruchte Flächen – etwa Pkw-Parkplätze oder Zufahrten – werden Dicken ab 60 mm empfohlen, während bei Busbuchten, Kreisverkehren oder Marktplätzen mit Ladeverkehr sogar 80 bis 100 mm erforderlich sind.

Die hohe Materialfestigkeit keramischer Klinker erlaubt nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker eine wirtschaftliche Flachverlegung, da sie selbst bei geringen Dicken eine hohe Stabilität gewährleisten. Gleichzeitig ist auch eine Hochkant-Verlegung möglich: Mit Einbindetiefen von 80, 100 oder sogar bis zu 120 mm zählt hochkant verlegtes Klinkerpflaster zu den hochwertigsten und dauerhaftesten Straßenbelägen überhaupt.

Gemäß RStO 12 StB sind Fahrbahndecken in Pflasterbauweise übrigens bis zur Bauklasse BK3,2 möglich. Dazu gehören örtliche Einfahrts- und Geschäftsstraßen ebenso wie Gewerbe- und Industriestraßen.

Verlegemuster

Auf einen weiteren wichtigen Punkt weist die Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker hin: Das gewählte Format entfaltet seine volle Wirkung erst in Kombination mit dem passenden Verlegemuster. Dabei spielt die zu erwartende Verkehrsbelastung eine entscheidende Rolle.

Für schwach beanspruchte Flächen – etwa Gehwege und Terrassen – sind Läufer- oder Blockverbände weit verbreitet. Für befahrene Bereiche dagegen sollten Verbände mit Kreuzfugen oder durchgehenden Längsfugen vermieden werden, da sie keine ausreichende Verbundwirkung bieten. Für stärker belastete Flächen empfehlen die Regelwerke stattdessen stabilere Verbände wie den Fischgrät-, Ellbogen- oder Diagonalverband. Diese Verlegemuster sorgen für eine hohe Verbundwirkung, sodass Brems- und Lenkkräfte zuverlässig abgeleitet werden.

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zuletzt editiert am 05. Februar 2026
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