Luftaufnahme von traditionellen Fachwerkhäusern in einer Altstadt.
Wenn Deutschland seine Klimaziele im Gebäudesektor erreichen will, muss im Bestand mehr passieren. (Quelle: Pixabay)

Plus 2026-03-04T08:00:00Z Gebäudesektor verpasst Klimaziele

Die Deutsche Energie-Agentur hat den „dena-Gebäudereport 2026“ veröffentlicht. Er zeigt, dass der Gebäudesektor hierzulande weiterhin mehr klimaschädliche Emissionen verursacht als zur Erreichung der Klimaziele eigentlich vorgesehen. Zugleich verbreitet der Report leichte Hoffnung. Die CO2-Emissionen seien zuletzt in allen Sektoren gesunken. Das Klimaziel für 2030 sei noch erreichbar.

Die neueste Auflage des Gebäudereports zeigt, wo es noch Handlungsbedarf gibt: Mehr als 5 Mio. der Heizungen in Deutschland (16 %) sind älter als 30 Jahre, erneuerbare Energien werden weiterhin zu wenig genutzt, und insbesondere der klimafreundliche Wärmepumpenmarkt wächst noch nicht schnell genug. Während der Speichermarkt 2025 stabil zulegte, verlor der Ausbau von Dach- Photovoltaik (Dach-PV) deutlich an Tempo.

Klimaziele noch erreichbar

Gleichwohl halten die Autoren des Reports die im Klimaschutzgesetz bis 2030 beschlossene Senkung von CO2-Emissionen auch im Gebäudesektor noch für erreichbar, auch wenn das Ziel herausfordernd sei. Der Markt für die Gebäudewende entwickele sich mittlerweile durchaus dynamisch und biete Chancen für Wachstum und Beschäftigung in Deutschland.

Eine lächelnde Frau in einem blauen Kleid lehnt an einer Wand.
Corinna Enders ist seit Oktober 2023 Vorsitzende der dena-Geschäftsführung. (Quelle: Hoffotografen)

„Die Gebäudewende bietet die Chance, Klimaschutz mit Wirtschaftswachstum zu verbinden“, glaubt Corinna Enders, Vorsitzende der dena-Geschäftsführung. „Deutschland kann die Klimaziele im Gebäudesektor mit marktbasierten Instrumenten erreichen: Durch Vereinfachung und Bürokratieabbau, stabile Rahmenbedingungen und kontinuierliche Förderung. Die Bauwirtschaft sowie die Heizungs- und Gebäudeenergiebranche sind dabei ein volkswirtschaftlicher Motor. Das ist gerade in Zeiten schwacher Konjunktur enorm wichtig, besonders auch für die regionale Wertschöpfung im Handwerk.“

Laut Gebäudereport sind die klimaschädlichen Emissionen im Gebäudesektor 2024 um rund 2,3 % auf insgesamt 100,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente gesunken. Um die deutschen Klimaziele einzuhalten, wäre ein Rückgang auf 95,8 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente nötig gewesen.

Energetische Sanierung

Das Marktpotenzial im Gebäudebestand ist laut dena weiterhin hoch. Und allmählich wird es wohl auch gehoben. 2024 ist zumindest die Anzahl der geförderten Energieberatungen im Vergleich zum Vorjahr um 30 % auf insgesamt 163.872 Wohn- und Nichtwohngebäude gestiegen. Dies zeigt nach dena-Angaben, dass energetische Sanierung an Bedeutung gewinnt. Sie könne zu einem wichtigen Konjunkturimpuls werden, Beschäftigung sichern und zugleich das Vorankommen der Wärmewende im Bestand beschleunigen – so die dena in ihrer Pressemitteilung zum Gebäudereport 2026.

Illustration von farbenfrohen Gebäuden auf dem Cover des DENA-Gebäudereports 2026.
Cover des 88-seitigen Gebäudereports. (Quelle: dena)

Schaut man auf die in eben diesem Gebäudereport veröffentlichten Zahlen, scheint es mit dem Aufbruch bei der energetischen Sanierung freilich noch nicht so weit her zu sein. Dort liest man nämlich, dass der Absatz von Wärmedämm-Verbundsystemen ( WDVS ) in Deutschland seit 2022 rückläufig ist. 2024 sank er im Vergleich zum Vorjahr um 8 % auf insgesamt nur noch 28 Mio. m2. Im Jahr 2021 waren es noch 36,3 Mio. m2.

Photovoltaik und Solarspeicher

Mit Sorge sieht die dena die jüngste Entwicklung bei der Dach-PV. 2025 sei der Zubau hier mindestens um 39 % hinter den Rekordjahren 2023 und 2024 zurückgeblieben. Konstant hoch blieb dagegen der Zubau bei Plug-in-Balkon-Solaranlagen .

Zugleich gebe es aber weiterhin einen Boom bei den Solarstromspeichern . Immer mehr Eigenheimbesitzer installieren solche Speicher, um ihren Solarstrom besser selbst nutzen zu können. Letztes Jahr wurden bis September rund 3 Gigawatt-Peak neu installiert, wodurch die gesamte Speicherleistung auf etwa 15,6 Gigawatt stieg.

Für die Dekarbonisierung des Gebäudesektors ist hier insbesondere das Engagement der privaten Hausbesitzer entscheidend, denn in Deutschland besteht der Wohngebäudebestand nach wie vor zu etwa 68 % aus Einfamilienhäusern.

Wärmepumpe im Bestand holt auf

Der Gebäudereport enthält auch Zahlen zur Verbreitung von Wärmepumpen im Gebäudebestand. Während Wärmepumpen im Neubau bereits heute die dominierende Heizungsvariante sind, lag ihr Anteil im Bestand 2024 nur bei etwa 4,3 %. Klarer Spitzenreiter bei den Heizungsarten war im selben Jahr weiterhin die Gasheizung (56,1 %), gefolgt von der Fernwärme (15,5 %) und Ölheizungen (17,3 %).

Baustoff-Fachwissen verständlich erklärt: Jetzt Newsletter abonnieren!

Der BaustoffWissen-Newsletter bringt Sie thematisch immer auf den neuesten Stand. Sie erhalten die Branchen-News dann zwei Mal monatlich.

Mit den genannten 4,3 % hat sich der Anteil der Wärmepumpe allerdings seit 2019 immerhin fast verdoppelt. Zumal 4,3 % vom riesigen Bestand in absoluten Zahlen natürlich auch nicht so wenig ist. Nach Angaben des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) gehen mittlerweile knapp 80 % der Branchenabsätze in Bestandsgebäude. Die 70 % Marktanteil der Wärmepumpe am schwächelnden Neubaumarkt macht rein mengenmäßig deutlich weniger aus.

zuletzt editiert am 27. Februar 2026
Newsletter