Mit Gießkeramik sind auch futuristisch anmutende Fassadengestaltungen denkbar. (Quelle: Leipfinger-Bader / DALL-E)

Plus 2024-07-24T07:00:00Z Gießkeramik für die Fassade

Fassadenkeramik kommt vor allem als äußere Bekleidung in vorgehängten hinterlüfteten Fassaden häufig zum Einsatz. Trotz vielfältiger Farben und Formen handelt es sich dabei bisher meist um herkömmliche, im Pressverfahren hergestellte Plattenware. Mit Gießkeramik lassen sich deutlich komplexere Geometrien, Hohlformen und sogar künstlerisch anmutende Fassadenornamente realisieren.

Die Technik der Gießkeramik eröffnet ein riesiges Feld unterschiedlichster Gestaltungen. Die Keramik wird dafür in individuell hergestellte Formen gefüllt, wobei neben dem Vollguss auch die Herstellung von Hohlformen möglich ist. Angewandt auf die Fassade ermöglicht das zum Beispiel wellenförmige Bekleidungen und kunstvolle Ornamente aus Keramik, aber auch gefäßartige Formen, die man mit Pflanzen füllen kann.

Komplexe Geometrien in Voll- und Hohlguss

Herkömmliche keramische Fassadenplatten werden im traditionellen Pressverfahren hergestellt. Auch der Ziegelbaustoffhersteller Leipfinger-Bader bietet solche Produkte unter der Marke „ Tonality “ an. Anspruchsvollere Geometrien lassen sich damit aber nicht realisieren. Deshalb hat der bayerische Produzent seine Tonality-Produktpalette dieses Jahr um das Angebot künstlerischer Gießkeramik für die Fassade erweitert.

Die Gießtechnik ermöglicht Voll- und Hohlguss gleichermaßen. (Quelle: Leipfinger-Bader / DALL-E)

Das neue Angebot wird in Zusammenarbeit mit einem renommierten Spezialisten für Gießkeramik angeboten und soll auch komplexe Geometrien in Voll- und sogar Hohlguss ermöglichen. Die gegossenen Elemente werden individuell auf Kundenwunsch angefertigt und zeichnen sich durch einen besonderen handwerklichen Charakter aus. „Der Leitgedanke ist, sich von der Masse abzuheben und etwas Einzigartiges und Besonderes zu schaffen“, erklärt Thomas Bader, Geschäftsführer bei Leipfinger-Bader.

Nach Angaben des Herstellers zeichnet sich Gießkeramik genauso wie Fassadenkeramik durch eine hohe chemische Beständigkeit, thermische Stabilität, Verschleißfestigkeit und Korrosionsbeständigkeit aus. Sie ist zudem feuerfest und eignet sich für erhöhte Brandschutzanforderungen. Auch weist sie eine hohe Reinigungsbeständigkeit auf.

Es liegt in der Natur der Sache, dass Vollguss-Elemente eine besonders robuste Struktur und hohe Festigkeit aufweisen. Demgegenüber ist im Hohlguss entstandene Fassadenkeramik natürlich weniger fest. Dafür haben die Elemente aber ein geringeres Gewicht.

Herstellungsverfahren

Zur Herstellung von Gießkeramik wird der so genannte Gießschlicker in Formen gegossen. Bei Leipfinger-Bader werden diese von Modellbauern aus dem Westerwald und aus Spanien individuell angefertigt.

Entformung eines gegossenen Keramikelements. (Quelle: Leipfinger-Bader)

Der flüssige Schlicker besteht aus Materialien wie Kaolin, Feldspat, Quarz und Schamotte sowie Wasser und Verflüssiger. Gegebenenfalls mischt man noch Farbpigmente hinzu. Durch den Verflüssiger lässt sich die notwendige Wassermenge reduzieren und somit die Schwindungs- und Fehleranfälligkeit des Keramikelements beim Trocknen verringern.

Für das Gießen von keramischen Produkten verwendet man poröse, wassersaugende Formen. Häufig kommen dafür Gipsformen zum Einsatz. Eine Alternative ist Silikon. Kapillaraktive Materialien wie Gips haben die Eigenschaft, dem Schlicker Wasser zu entziehen. Infolgedessen lagern sich die festen Bestandteile der Gießkeramik zunächst an der Grenze zwischen Schlicker und Gipsform ab.

Dass die allmähliche Erhärtung des Schlickers von außen nach innen erfolgt, macht man sich beim Hohlguss zunutze. Will man zum Beispiel eine Vase gießen, erfolgt der Trocknungsprozess nur so lange, bis die gewünschte Wandstärke des Objekts erreicht ist. Dann gießt man den noch flüssigen Schlicker im Kern der Form vorzeitig ab.

Oberflächenbearbeitung

Nach dem Gießen werden die Keramikelemente getrocknet und bei hohen Temperaturen gebrannt. Die zerstörungsfreie Entformung des gegossenen Teils erfordert vor allem bei komplexen Formen viel Geschick und spezielle Techniken. Nach dem Brennvorgang erfolgt meist noch eine Bearbeitung der Oberfläche des Gießobjekts – etwa um ungewollte Unebenheiten zu reduzieren oder besondere dekorative Effekte zu erzielen.

Farblich ist im Prinzip alles möglich: vom einheitlichen Farbbild über zufällige Nuancen und klar definierte Farbverläufe bis hin zum Effektdruck. Auch die größere Formenvielfalt spielt hier eine Rolle. So entfalten zum Beispiel Effektglasuren auf einem welligen Untergrund eine andere Wirkung als auf einer geraden Geometrie.

zuletzt editiert am 18. Juli 2024