Ein dichter Verkehr auf einer deutschen Autobahn, umgeben von grünen Bäumen.
Baustoffe werden in Deutschland überwiegend per Lkw bewegt – die Transportstrecken sind aber meist relativ kurz. (Quelle: Pixabay)

Plus 2025-11-05T08:00:00Z Gutachten zur Baustofflogistik

Mineralische Rohstoffe und Bauprodukte – darunter Sand, Kies, Naturstein, Zement oder Transportbeton – machen rund ein Drittel des gesamten Transportaufkommens in Deutschland aus. Ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Ohne funktionierende Logistik gerät die Versorgung der Bauwirtschaft ins Stocken – mit Auswirkungen auf die gesamte Volkswirtschaft.

Das Gutachten „ Baustoffe bewegen Deutschland – Strukturen der Steine-Erden-Logistik und Herausforderungen für die Verkehrsinfrastruktur“ wurde im September veröffentlicht. Erstellt hat es das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Aufraggeber war der Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden (bbs). Dessen Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Frederichs betont: „Die Versorgung der Bauwirtschaft mit mineralischen Roh- und Baustoffen ist für unseren Wirtschaftsstandort von zentraler Bedeutung: Ohne Bau keine Wohnungen, keine Verkehrswege, keine Energieinfrastruktur. Deutsche Lkw bewegen fast die Hälfte ihrer Gesamttonnage allein mit Baustoffen – ein deutlicher Beleg für die Systemrelevanz unserer Branche.“

Logistikkosten treffen Baubranche

Die IW-Studie analysiert, dass die Baubranche signifikant von steigenden Logistikkosten zum Beispiel durch CO₂-Bepreisung betroffen ist. Hinzu kommen teilweise längere Transportwege durch die tendenziell rückläufige Anzahl der Abbaustätten für mineralische Rohstoffe. Engpässe bei Fahrpersonal und Fahrzeugen stellen die Branche vor weitere Herausforderungen.

Ein Mann in einem grauen Anzug sitzt an einem Tisch und gestikuliert während eines Gesprächs in einem hellen Raum.
Dr. Matthias Frederichs betont die Systemrelevanz der Bauwirtschaft. (Quelle: bbs)

„Eine Verteuerung des Lkw-Verkehrs allein löst keine Verlagerungseffekte aus – sie verteuert nur das Bauen“, sagt bbs-Hauptgeschäftsführer Frederichs. „Für eine klimafreundliche Baustofflogistik brauchen wir technologieoffene Lösungen, insbesondere die rasche Defossilisierung des Lkw.“

Schlechte Verkehrsinfrastruktur

Ein weiterer Engpass für den Fluss der Baustofflogistik ist der schlechte Zustand der deutschen Verkehrsinfrastruktur. Der bbs fordert daher für den Bundeshaushalt 2026 mehr Investitionen vor allem im Straßenbereich. Die Bundesregierung habe über das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität zwar viele Milliarden für die Sanierung bestehender Straßen, Brücken und Tunnel versprochen, die Umsetzung laufe aber bisher zu langsam. Gleichzeitig habe man die diesbezüglichen Ausgaben im Kernhaushalt 2025 um über 6 Mrd. Euro gekürzt.

Eine beeindruckende Talbrücke erstreckt sich über ein bewaldetes Tal, während Wolken den Himmel bedecken.
Straßen, Brücken und Tunnel sind hierzulande vielerorts sanierungsbedürftig. (Quelle: bbs)

Im Ergebnis seien die finanziellen Mittel trotz historischer Verschuldung nach Angaben des Baustoffe-Verbands schon jetzt „auf Kante genäht“. Insbesondere für die Modernisierung von Bundesfernstraßen brauche es deutlich mehr Mittel als die vorgesehenen 10 Mrd. pro Jahr. Der Verband fordert die Bundesregierung deshalb auf, das Sondervermögen ausschließlich für zusätzliche Investitionen zu nutzen.

Die Bedeutung von Sanierung (und Ausbau) der Infrastruktur wird noch deutlicher, wenn man bedenkt, dass der Straßen- und Schienengüterverkehr laut Prognose des Bundesverkehrsministeriums bis 2040 noch einmal stark zulegen soll. Im Gutachten wird aber auch betont, dass eine bessere Verkehrsinfrastruktur zwar eine notwendige Bedingung für die Aufrechterhaltung der Versorgung mit bauaffinen Gütern ist, jedoch noch keine hinreichende Bedingung darstellt. Wie oben schon angedeutet, braucht es eben auch ausreichend Fahrzeuge und Fahrpersonal sowie den Fortbestand eines dichten Netzes an Abbaustätten für Rohstoffe.

Lkw-Transporte meist kurz

Die Sorge des bbs um den Zustand des deutschen Straßennetzes ist nachvollziehbar, da hierzulande die meisten Transporte mineralischer Rohstoffe und Bauprodukte per Lkw abgewickelt werden. Laut IW-Gutachten wird in Deutschland etwa 95 % der Tonnage von Naturstein , Sand und Kies auf der Straße transportiert. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Rohstoffgewinnungsstätten und Fabriken der Branche relativ engmaschig im Bundesgebiet verteilt und die Strecken daher kurz sind.

So liegt die durchschnittliche Entfernung bei Transporten von Kies, Sand und Naturstein unter 45 km. Betrachtet man nur Lkw-Transporte, sind es sogar nur 33 km. Bei längeren Distanzen kommen auch häufiger Bahn und Schiffe zum Einsatz – freilich nur, sofern entsprechende Anbindungen überhaupt vorhanden sind. Laut Gutachten sind in Deutschland aber nur knapp 2 % der Lkw-Fahrten mit bauaffinen Gütern länger als 150 km.

Ein wesentlicher Grund für die meist kurzen Distanzen ist das bislang dichte Netz an Rohstoffgewinnungsstätten in Deutschland. Das IW-Gutachten warnt in diesem Zusammenhang vor den vielerorts auslaufenden Genehmigungen für den Abbau mineralischer Rohstoffe. Diese Entwicklung führe zunehmend zu längeren Transportwegen und habe in den vergangenen Jahren bereits zu einer spürbaren Steigerung des Lkw-Verkehrs in Deutschland beigetragen.

Verlagerung auf Schiene und Flüsse?

Die Verlagerung von Transporten auf die Schiene oder Wasserwege ist – sofern möglich – natürlich begrüßenswert. In größerem Umfang scheint sie gleichwohl unrealistisch, allein schon, weil es um ein riesiges Transportvolumen geht. Die IW-Studie weist darauf hin, dass hierzulande die Lkw-Tonnage an bauaffinen Gütern – von Naturstein, Sand, Kies und Ton über Zement , Kalk und Gips bis hin zu sonstigen Baumaterialien – dem 2,2-fachen des gesamten Gütertransportaufkommens von Bahn und Binnenschiff entspricht. Das IW verweist zudem auf die Faustformel, dass eine Fracht normalerweise erst ab einer Streckenlänge von 300 bis 400 km „schienentauglich“ sei.

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Die Angabe zur Lkw-Tonnage bauaffiner Güter bezieht sich übrigens auf „deutsche“ Lkw. Diese fahren laut Gutachten zumeist im Kurzstrecken- und Regionalverkehr, bewegen dabei gleichwohl den größten Teil der in Deutschland anfallenden Tonnage. Sie bedienen letztlich einen ganz anderen Transportmarkt als die Konkurrenz aus dem Ausland oder der Schienenverkehr. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass eine Tonne Fracht mit der Bahn oder einem ausländischen Lkw im Durchschnitt etwa 350 km weit transportiert wird.

Das Gutachten bescheinigt dem Lkw bei dem in der Baubranche dominanten Kurzstreckenverkehr grundsätzlich systemische Vorteile. Bahn und Binnenschiff seien hier nur in Ausnahmefällen eine Alternative. Das IW sieht auch in Zukunft nur wenig Verlagerungspotenzial. Klimaschutzvorgaben für den Verkehr seien für den Transport von Steinen, Erden und Baustoffen nur über eine Defossilisierung des Lkw zu erreichen – sprich: vor allem über eine verstärkte Ausweitung der E-Mobilität im Schwerlastverkehr.

zuletzt editiert am 31. Oktober 2025
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