Eine moderne HPL-Gebäudefassade mit geometrischen Mustern zwischen zwei traditionellen Gebäuden.
Historisches Gebäude in Tiflis: HPL-Fassadenplatten gibt es in vielen Formen und Designs und für unterschiedlichste architektonische Konzepte. (Quelle: Malkhaz Svanidze / Trespa)

Boden und Wand 2026-05-27T07:00:00Z HPL im Außenbereich

HPL kennt man vor allem als beliebtes Oberflächenmaterial für Laminatböden, Türen und (Küchen)Möbel im Gebäudeinneren. Doch es gibt auch spezielles „High Pressure Laminate“ für den Außenbereich. Aufgrund ihrer Robustheit, Pflegeleichtigkeit und Witterungsbeständigkeit sind die Werkstoffe ein interessantes Beschichtungsmaterial – beispielsweise für Gebäudefassaden.

In Innenräumen wird HPL vor allem dort eingesetzt, wo Oberflächen robust, pflegeleicht und hygienisch sein sollen. Typische Anwendungen sind Arbeitsplatten und Wandverkleidungen in der Küche oder Flächen im Bad- und Duschbereich. Aber auch stark beanspruchte Innentüren oder Möbeloberflächen werden häufig mit High Pressure Laminate beschichtet. Bei Laminatböden war das Material früher ebenfalls weit verbreitet, bevor es durch günstigere Schichtstoffe wie DPL oder CPL weitgehend ersetzt wurde.

Was ist HPL?

Beim klassischen HPL für den Innenbereich handelt es sich meist um Schichtstoffe, die man aus mehreren dünnen Papierlagen fertigt, welche mit Harzen durchtränkt und unter hohem Druck sowie hohen Temperaturen miteinander verpresst werden. Nach Erhärtung der Harze sind sie wasserbeständig und abwaschbar.

Ein modernes Wohngebäude mit stilvollen Fassaden und Balkonen in verschiedenen Farben.
Für Dachgauben, Balkone, Fensterläden, Untersichten, Zäune, Carports oder Gartenhäuser hat Trespa seine „Izeon“-Platten im Programm. (Quelle: Trespa)

Bei den Papierlagen sind das Dekorpapier mit dem Druckmotiv sowie die transparenten „Overlay“-Papiere für den Oberflächenschutz zu unterscheiden. Hinzu kommen die ebenfalls mit Harzen imprägnierten Kraftpapiere unter dem Dekorpapier. Sie stabilisieren den Schichtstoff. Erst in einem zweiten Arbeitsschritt verklebt man den Papier-Harz-Verbund mit einer stabilen Trägerplatte.

HPL ist widerstandsfähig gegen physische Einwirkungen wie Kratzer, Stöße und Druckbelastungen sowie unempfindlich gegen Feuchtigkeit, Hitze und viele Chemikalien. Zudem lässt es sich gut reinigen. Deshalb wird der Schichtstoff oft in Bereichen verwendet, in denen Oberflächen viel aushalten und trotzdem hygienisch bleiben müssen – etwas in Krankenhäusern und Labors, aber auch in Schulen und öffentlichen Sanitärräumen. Und das nicht nur im Innen-, sondern auch im Außenbereich.

Dass HPL auch im Außenbereich zum Einsatz kommt, bedeutet nicht, dass jede HPL-Platte außentauglich wäre. Für die Anwendung im Freien gibt es spezielle High-Pressure-Laminate, die besonders witterungsbeständig, unempfindlich gegenüber UV-Strahlung, langlebig, wartungsfrei und zudem leicht zu reinigen sind. Manche Hersteller setzen dafür auf eine etwas andere Rohstoffbasis: Statt aus einem Papier-Harz-Verbund werden HPL-Oberflächen für den Außenbereich auch aus einem Mix von Harzen und holzbasierten Fasern hergestellt.

Platten für VHF-Fassaden

Im Freien dienen HPL-Platten zum Beispiel als Verkleidung für Balkonbrüstungen und Dachgauben, aber auch als Sichtschutz- und Zaunelemente sowie als Außenverkleidung für Carports und Gartenhäuser. Das Haupteinsatzgebiet im Außenbereich sind aber zweifellos vorgehängte hinterlüftete Fassaden ( VHF ). Für solche Anwendungen hat beispielsweise der niederländische HPL-Hersteller Trespa spezielle Außenplatten im Programm.

Ein modernes Schulgebäude mit klaren Linien und großen Fenstern unter einem blauen Himmel.
Der Erweiterungsbau dieser Realschule in Radolfzell am Bodensee hat eine vorgehängte hinterlüftete Fassade mit HPL-Platten der Marke „Trespa Meteon“. (Quelle: Susanne Sommerfeld, Konstanz)

„Meteon“-Fassadenplatten von Trespa bestehen laut Hersteller zu etwa 70 % aus holzbasierten Fasern. Diese werden zusammen mit thermohärtenden Harzen unter Hitze und hohem Druck zu HPL verpresst. Die Oberflächen der Platten erhalten anschließend eine Spezialbehandlung: Durch die von Trespa 1987 entwickelte EBC-Technologie („Electron Beam Curing“ = Elektronenstrahlhärtung) bleiben die Platten auch im Freien farbstabil und verzugsfest. Außerdem werden sie langlebiger und widerstandsfähiger gegenüber den Anforderungen im Außenbereich sowie pflegeleicht und praktisch wartungsfrei.

Graffiti-Schutz

Selbst Graffiti-Schmierereien lassen sich auf Meteon-Fassadenplatten relativ einfach wieder entfernen. Das zeigt das Praxisbeispiel der Gerhard-Thielcke-Realschule in Radolfzell am Bodensee. Diese erhielt 2020 einen Erweiterungsbau mit vorgehängter hinterlüfteter Fassade. Kein halbes Jahr nach dem Bezug des Gebäudes sah sich die Stadt Radolfzell als Bauherrin einem Vandalismus-Schaden gegenüber. Unbekannte hatten Teile der Fassade mit Graffiti und Permanentmarker beschmiert. Dass diese sich relativ einfach, ohne hohe Kosten und ohne Materialbeeinträchtigungen wieder vollständig beseitigen ließen, lag an den verwendeten Meteon-Fassadenplatten.

Graffiti auf einer HPL-Außenwand neben einer Treppe mit verschiedenen Schriftzügen und Kritzeleien.
Selbst Graffiti-Schmierereien lassen sich auf den Meteon-Platten von Trespa relativ einfach wieder entfernen. (Quelle: Gerhard P. Maier)

In Radolfzell mussten die betroffenen Fassadenstellen weder übermalt werden noch mussten Platten getauscht werden. Stattdessen genügte eine einfache Reinigung mit Azeton und Wasser. „Azeton kommt in vielen Pflanzen vor und wird universell als organisches Lösungs- und Reinigungsmittel genutzt“, erklärt David Hanses, Gebietsleiter Fassade und Balkon bei Trespa.

Der für den Erweiterungsbau der Realschule zuständige Architekt Gerhard P. Maier bezeichnet den Reinigungserfolg als „genial“. Er basiert im Wesentlichen auf der Beschaffenheit der Platten. „Es handelt sich um eine geschlossene, nahezu porenfreie Oberfläche mit hoher Widerstandsfähigkeit“, erläutert Maier. „Aber nicht alle HPL-Platten halten einer solchen Reinigung auch stand.“

Hinterlüftung wichtig

Das Meteon-Sortiment von Trespa bietet nicht nur unterschiedliche Plattenformate und -stärken, sondern auch sieben unterschiedliche Oberflächenvarianten sowie unterschiedliche Designs. Meteon-Designlinien wie „Focus“, „Lumen“, „Metallics“, „Naturals“, „Uni Colours“ oder „Woods“ ermöglichen vielfältige Fassadengestaltungen, abgestimmt auf unterschiedlichste architektonische Konzepte.

Baustoff-Fachwissen verständlich erklärt: Jetzt Newsletter abonnieren!

Der BaustoffWissen-Newsletter bringt Sie thematisch immer auf den neuesten Stand. Sie erhalten die Branchen-News dann zwei Mal monatlich.

Seine Fassadenplatten empfiehlt Trespa ausdrücklich zur Anwendung an VHF-Fassaden. Tatsächlich sollte man HPL-Werkstoffe im Außenbereich nicht ohne Luftspalt direkt auf einer Fläche befestigen. Das ist wichtig, damit Feuchtigkeit abgeführt wird und sich die Platten nicht verziehen. Neben einer mindestens 20 mm breiten Hinterlüftung mit Öffnungen oben und unten sollten zwischen den einzelnen Platten auch Fugen vorgesehen werden.

zuletzt editiert am 22. Mai 2026
Newsletter