Verputzte Innenwände ohne Tapeten sind auch im Wohnbereich zunehmend angesagt. Werden Alttapeten entfernt, bleiben allerdings immer Kleisterreste an der Wand haften. Es empfiehlt sich nicht, direkt darauf zu streichen, da die Farbe schlecht haften würde und zudem hässliche Verfärbungen drohen. Kalkputz in Kombination mit Alaunsalz kann das verhindern. Anders als bei gängigen Kunstharz-Grundierungen bleiben die Wände bei dieser Lösung diffusionsoffen.
Auf angetrockneten Kleisterresten haften Farben nur schlecht. In der Regel blättern sie irgendwann ab – wenn nicht gleich, dann unter Umständen nach drei bis fünf Jahren. Die hartnäckigen Tapezierreste verursachen auf frisch gestrichenen Oberflächen zudem gelbliche Verfärbungen. Diese werden sichtbar, wenn die Farben getrocknet sind. Also am besten die Kleisterreste überputzen und erst dann streichen? Schon besser – allerdings kann ein „Farbdurchschlag“ des Kleisters auch nach dem Überspachteln mit frischem Putz auftreten.
Hartnäckige Kleisterreste
Was also tun? Tapetenkleister ist wasserlöslich. Sollte man die Kleisterreste also erstmal abwaschen, bevor die Innenwand neu beschichtet wird? Leider hat auch diese „saubere Lösung“ gewisse Tücken. Man müsste die trockenen Reste zunächst einweichen und dann versuchen, die zähe Masse mit einem Lappen abzuwischen oder mit einem Spachtel abzukratzen.

Eine solche Wasserbehandlung ist aufwändig, anstrengend und – wenn vom Handwerker erledigt – natürlich auch kostenintensiv. Sie ist zudem nur dann eine Option, wenn der Tapetenuntergrund aus Innenputz beziehungsweise Spachtelmasse auf Mauerwerk oder Beton besteht. Besteht der Untergrund dagegen aus Gipskartonplatten oder Gipsfaserplatten wäre das Einweichen mit Wasser eine schlechte Idee.
Denn Gips – und mehr noch: der Gipskarton – reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit. Und selbst wenn es gelingt, die Kleisterreste halbwegs schadensfrei zu entfernen, besteht bei einem Neuanstrich auf alten Gipskartonplatten noch immer die Gefahr, dass die Kartonummantelung der Gipsplatten altersbedingte Gilbungsfarbstoffe abgibt.
Was ist Alaunsalz?
Michael Meißner, technischer Berater beim Naturfarben-Hersteller Kreidezeit , rät beim Neuanstrich von ehemals tapezierten Flächen vom Abwaschen der Wände ab und empfiehlt stattdessen Alaunsalz in Kombination mit Kalkputz . „Die Kombi Kalkputz/Alaunsalz ist die einzige Möglichkeit, den Farbdurchschlag zu unterbinden und einst tapezierte Wände dabei diffusionsoffen zu halten“, sagt der Experte. Im konventionellen Malerhandwerk sei es gängige Praxis, die Oberfläche nach dem Ablösen der Tapete mit einem kunstharzhaltigen Sperrgrund zu versiegeln. Doch dann sei die Wand absolut dicht und lasse keinerlei Wasserdampfaustausch mehr zu.

Bei dem in warmem Wasser gut löslichen Alaunsalz handelt es sich chemisch betrachtet um Kaliumaluminiumsulfat. Der Stoff wird auch in Kosmetik-Produkten verwendet. Wer sich beim Rasieren schneidet, kann mit einem Alaunstift die Blutung schnell stillen. Auch für Deo-Kristalle kommt Alaunsalz zum Einsatz. Hier hilft es, den Schweißfluss einzudämmen. Gängig ist das Mineralsalz ferner als Fixiermittel beim Färben von Textilien.
Doch Alaun kann eben noch mehr. Beim Renovieren von Wohnungen eignet es sich – in Kombination mit Kalk – als Grundiersalz gegen durchschlagende Verfärbungen und Flecken aus alten Untergründen. Die Sperrwirkung des Alauns beruht auf einer Reaktion mit noch nicht abgebundenem Kalk. Dadurch werden Putzkapillare verschlossen. Hilfreich ist zudem die Tatsache, dass das Salz in kaltem Wasser nur schwer löslich ist.
Verarbeitung
Der Einsatz von Kalkputz und Alaunsalz für die Renovierung ehemals tapezierter Innenflächen funktioniert nach Angaben von Kreidezeit wie folgt. Zunächst entfernt man dicke Kleisterreste mit Schleifpapier und entstaubt die Wand. Dann wird eine mindestens 1,5 mm dicke Schicht Kalkhaftputz oder Kalkglätte aufgebracht.
Schlagen anschließend gelbliche Flecken durch, kommt Alaun ins Spiel. Wie erwähnt bindet das Mineralsalz die Farbstoffe des Leims in Kombination mit Kalk. Dazu genügt es, auf den getrockneten Kalkputz eine zehnprozentige Alaun-Grundiersalz-Lösung per Pinsel oder Drucksprüher aufzubringen. Wenn diese Lösung getrocknet ist, folgt der Anstrich mit einer Wandfarbe nach Wunsch. Dann sollten keine Flecken mehr durchschlagen.
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