RM Rudolf Müller
Preisnachlässe fallen nicht vom Himmel, sondern werden zwischen Verkäufer und Käufer vereinbart. Foto: Pixabay

Preisnachlässe fallen nicht vom Himmel, sondern werden zwischen Verkäufer und Käufer vereinbart. Foto: Pixabay

Arbeitsalltag
17. August 2017 | Artikel teilen Artikel teilen

Boni, Skonti & Co.: Preisnachlässe im Baustoffhandel

Baustoffe haben ihren Preis. Auch der Baustoff-Fachhandel schenkt seinen Kunden nichts. Aber nicht immer zahlen diese für ein bestimmtes Bauprodukt unterm Strich gleich viel Geld. Es gibt individuelle Preisnachlässe. Derartige Vergünstigungen gewährt zudem auch die Baustoffindustrie dem Fachhandel. Die häufigsten Arten des Preisnachlasses sind Rabatt, Bonus und Skonto.

Rabatte, Boni und Skonti haben eins gemeinsam: Käufer und Verkäufer vereinbaren sie, bevor die Ware den Besitzer wechselt. Das bedeutet nicht, dass diese Preisnachlässe immer sofort fällig würden. Nur der Rabatt ist ein sofortiger prozentualer Abzug vom regulären Listenpreis des Produkts. Von Bonus und Skonto profitiert der Käufer dagegen erst zeitversetzt – und nur nach Erfüllung von Vorbedingungen. Aber wie gesagt: Vertraglich vereinbart werden die Konditionen für diese Preisnachlässe vorab. Das unterscheidet sie zum Beispiel vom nachträglichen Preisnachlass, den der Verkäufer als Entschädigung bei Produktmängeln zahlt.

Rabatt

Der Rabatt ist ein preislicher Abschlag, der dem Käufer bei der Veräußerung der Ware sofort zugute kommt. Er wird vom Verkäufer zumeist als Mengenrabatt gewährt. Kunden, die auf einen Schlag eine größere Menge Ware abnehmen – zum Beispiel eine volle Lkw-Ladung – werden dafür belohnt, indem sie pro Wareneinheit einen bestimmten, vorab vereinbarten Prozentsatz weniger bezahlen als den normalen Listenpreis.

In der Baustoffbranche gewährt die Baustoffindustrie dem Baustoff-Fachhandel regelmäßig Mengenrabatte. Aber auch Handwerkerkunden erhalten sie zum Beispiel bei ihrem Fachhändler. Übrigens gibt es auch Rabatte, für die der Kunde keine bestimmten Mengen abnehmen muss. Sie dienen dann etwa als Belohnung für eine besonders lange Treue (Treuerabatt) oder als zusätzlicher Kaufanreiz zu bestimmten Jahreszeiten (Saisonrabatt). Von einem Naturalrabatt spricht man, wenn der Preis für die Ware zwar nicht direkt sinkt, der Käufer aber zusätzliche, unentgeltliche Ware als Draufgabe erhält.

Seit 2001 können in Deutschland Rabatte zwischen dem Handel und seinen Kunden übrigens weitgehend frei ausgehandelt werden. Damals wurde nämlich das Rabattgesetz von 1933 ersatzlos abgeschafft. Dieses Gesetz hatte die erlaubte Rabatthöhe zuvor auf maximal 3 % begrenzt.

Bonus

Der Bonus ist ein Preisnachlass, den Verkäufer und Käufer zwar vorab vereinbaren, der aber erst lange nach dem Warenkauf ausgezahlt wird. Er ist ein nachträglich gewährter Rabatt, zum Beispiel zum Jahresende. Bonushöhe und die Bedingungen für seine Gewährung sind Verhandlungssache zwischen Verkäufer und Käufer. Der Bonus ist ein Instrument der Kundenbindung und wird zum Beispiel ausgezahlt, wenn ein Kunde innerhalb einer vorgegebenen Zeitspanne ein bestimmtes Umsatzvolumen erreicht.

In der Baustoffbranche findet man Boni vor allem in den Geschäftsbeziehungen zwischen Baustoffindustrie und Baustoffhandel. Die Industrie gewährt dem Handel Preisnachlässe in Form von Boni, wenn dieser bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Wie beim Rabatt muss es dabei nicht immer nur um Einkaufsmengen gehen. Boni werden auch ausgezahlt, wenn der Handel vereinbarte Marketing-Aktivitäten für die Produkte der Industrie umsetzt. Weitere Kriterien sind zum Beispiel Investitionen in Produktausstellungen oder in eine umfangreiche Lagerhaltung.

Die meisten Baustoff-Fachhändler gehören heute einer Kooperation an, die ihrerseits Geschäftsbeziehungen zur Baustoffindustrie unterhält und von den Herstellern Boni für die Erbringung bestimmter Leistungen einfordert. Das hat zu vielfältigen neuen Bonusformen in der Branche geführt. Die Kooperationen werden von den Herstellern deshalb mitunter auch etwas abfällig als „Bonus-Sammelvereine“ bezeichnet. Für viele mittelständische Baustoff-Fachhändler wiederum ist der Gruppenbonus, den sie von ihrer Kooperation jährlich erhalten, mittlerweile wirtschaftlich überlebenswichtig geworden.

Skonto

Boni sind eine Art Belohnungsgeschenk für erbrachte Leistungen. Foto: Pixabay

Boni sind eine Art Belohnungsgeschenk für erbrachte Leistungen. Foto: Pixabay

Als Skonto bezeichnet man einen nachträglichen Preisnachlass auf den Rechnungsbetrag, wenn der Kunde die Rechnung früher bezahlt als er muss. Es handelt sich um ein Instrument, mit dem zum Beispiel Handelsunternehmen ihre Kunden motivieren wollen, offene Forderungen zügig zu begleichen.

Dafür muss man wissen, dass bei Geschäften zwischen Unternehmen häufig Lieferantenkredite gewährt werden. Endverbraucher, die im Supermarkt einkaufen, zahlen in der Regel sofort. Wenn aber zum Beispiel ein Handwerker Baustoffe im Fachhandel bestellt, erhält er eine Rechnung mit einem Zahlungsziel, das meist bei 30 Tage liegt. Der Käufer muss die Ware demnach erst einen Monat nach Erhalt bezahlen. Der Handel gewährt ihm also einen Lieferantenkredit.

Viele Handwerkerkunden nutzen ihren Fachhandel gewissermaßen als Bank. Sie beziehen von ihm Waren für ein geplantes Bauobjekt, bezahlen diese aber erst, wenn das vereinbarte Zahlungsziel sie dazu zwingt. Zu diesem Zeitpunkt haben sie möglicherweise bereits Geld von dem Auftraggeber erhalten, für dessen Bauobjekt sie die Baustoffe verarbeiten. So müssen sie bei den Materialkosten nicht in Vorleistung gehen. Für Handwerker, die finanziell nicht besonders liquide sind, ist der Lieferantenkredit des Handels sehr wichtig. Für den Handel wiederum ist er ein Kundenbindungsinstrument. Viele Profi-Kunden kaufen auch deshalb treu bei ihrem Fachhändler, weil sie wissen, dass ihnen dieser eine relativ lange Zahlungsfrist gewährt.

Gleichwohl hat der Handel natürlich auch ein Interesse daran, dass er sein Geld so früh wie möglich erhält. Und hier kommt eben der Skonto-Anreiz ins Spiel. Im Kaufvertrag steht dann zum Beispiel neben dem Zahlungsziel von 30 Tagen, dass sich der Kaufpreis um einen bestimmten Prozentsatz vermindert, wenn der Kunde bereits früher – zum Beispiel innerhalb von zehn Tagen – die Rechnung bezahlt. Diese Form des Preisnachlasses nennt man Skonto. Der Skontosatz liegt in der Regel zwischen 2 und 3 %, manchmal aber auch darüber. Als Skontofrist wird meist ein Zeitraum zwischen sieben und 14 Tagen festgelegt.


Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen. Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis. Kontakt: rgrimm1968@aol.com

 

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