Die Roadmap blickt in die Zukunft eines Teils der Baustoffbranche. (Quelle: VDPM)

Plus 2023-12-06T08:08:48.266Z Klimaneutrale WDVS- und Mörtelprodukte?

Der Verband für Dämmsysteme, Putz und Mörtel (VDPM) hat die Roadmap „Klimaneutralität für Dämmsysteme, Putz & Mörtel“ veröffentlicht. Darin geht es um die Frage, wie die vom Verband repräsentierte Industrie die Treibhausgasneutralität erreichen kann, zu der sich Deutschland bis 2045 verpflichtet hat. Das Papier zeigt verschiedenen Pfade zu diesem Ziel auf, benennt aber auch Abhängigkeiten, welche die Mörtel- und Dämmstoffindustrie nicht direkt beeinflussen kann.

Die rund 90-seitige Roadmap „Klimaneutralität für Dämmsysteme, Putz & Mörtel“ steht als kostenloser PDF-Download auf   www.vdpm.info  zur Verfügung. Der VDPM repräsentiert sowohl Anbieter kompletter WDVS-Fassadendämmsysteme (inklusive Zubehör) als auch Hersteller, die sich auf Mörtelprodukte wie etwa Außen- und Innenputze, Mauermörtel oder Estrich konzentrieren, von denen nur der Außenputz auch Bestandteil von Wärmedämm-Verbundsystemen ( WDVS ) ist.

Ersatz fossiler Energieträger

Die Roadmap entstand als Reaktion auf die 2021 erfolgte Verschärfung des Klimaschutzgesetzes mit dem Ziel einer Treibhausgasneutralität in Deutschland bereits bis 2045. Sie wurde erarbeitet von der Münchner Unternehmensberatung  Future-Camp Climate , in Zusammenarbeit mit einem Team von Expertinnen und Experten aus den Mitgliedsunternehmen des VDPM.

Berücksichtigt wurden sowohl direkte als auch indirekte Emissionen der Dämmsystem-, Putz- und Mörtelbranche.  (Quelle: Future-Camp)

Die Fachleute zeigen mithilfe eines komplexen Analyse- und Berechnungsverfahren auf, dass die VDPM-Industriezweige unter bestimmten Voraussetzungen bereits bis 2030 relevante Emissionssenkungen und bis 2045 sogar Klimaneutralität erreichen könnten. Dafür sind fossile Energieträger sowohl in den Industriewerken als auch bei Transporten konsequent zu ersetzen. Die Studie beschreibt in diesem Zusammenhang verschiedene mögliche Emissionsreduktionspfade.

Die Wissenschaftler setzen bei ihren Vorschlägen neben allgemeinen Energieeinsparungen im Produktions- und Transportbereich vor allem auf den Einsatz von grünem Strom sowie auf die Nutzung von wasserstoffhaltigem Synthesegas und  Wärmepumpen . Außerdem empfehlen sie Anpassungen der Produkt-Rezepturen. Dabei geht es insbesondere um die Senkung emissionsintensiver Stoffeinsätze.

Apropos Emissionen: Hier betrachtet die Roadmap nicht nur die direkten Emissionen der Branche (Brennstoffeinsatz in den Werken sowie beim Fuhrpark-Betrieb), sondern auch indirekt verursachte Treibhausgase. Letztere resultieren unter anderem durch Fremdstrombezug, aber zum Beispiel auch durch die spätere Weiterverarbeitung bereits verkaufter Produkte.

Abhängigkeit von anderen Branchen

Als Referenzjahr für die geplanten Emissionssenkungen legt die Studie 2021 zugrunde – das Jahr der Verschärfung des Klimaschutzgesetzes. Damals betrugen die Treibhausgasemissionen der deutschen VDPM-Industrie rund 4,64 Mio. Tonnen CO2-Aäquivalente – ermittelt anhand der Brennstoff- und Materialeinsätze der VDPM-Mitglieder.

Die Autoren der Roadmap halten es für möglich, diese Emissionen bereits bis 2030 um rund 40 % zu vermindern. Voraussetzung dafür ist allerdings die tatsächliche Verfügbarkeit ausreichender Mengen an grünen Energieträgern zur stationären und mobilen Nutzung. Das beinhaltet nicht nur grünen Strom, sondern zum Beispiel auch den Einsatz von grünem Synthesegas für Trocknungsprozesse.

Nur bei Pfad 3 wird 2045 tatsächlich Klimaneutralität erreicht. (Quelle: Roadmap)

Die Autoren weisen zugleich darauf hin, dass die Dämmsystem-, Putz- und Mörtelbranche den Weg zur Klimaneutralität nicht komplett in der eigenen Hand hat. Die Zulieferer von Vorprodukten aus der Zement-, Kalk– und Chemie-Industrie müssten ihre eigenen Roadmaps ebenfalls konsequent umsetzen.

Eine komplette Treibhausgasneutralität bis 2045 wird daher nur im anspruchsvollsten der drei Reduktionspfade erreicht, welche die Roadmap durchspielt. Bei diesem so genannten Klimaneutralitätspfad (Pfad 3) wird nämlich angenommen, dass auch in den vorgelagerten Prozessen eine vollständige Dekarbonisierung gelingt.

Erhebliche Kostensteigerungen erwartet

Die Autoren gehen ferner davon aus, dass der Prozess Richtung Klimaneutralität noch bis in die 2040er-Jahre hinein erhebliche Kostensteigerungen auslösen wird – für die Dämmsystem- und Mörtelbranche, aber auch für Weiterverarbeiter und Endkunden. Die im Zuge der Umstellung auf „grüne Energien“ sinkenden CO2-Kosten reichen demnach nicht aus, um Mehrkosten wie den Wechsel auf teures Synthesegas zu kompensieren.

Für die notwendigen Maßnahmen in Produktion und Logistik werde die Industrie daher auch auf staatliche Förderung angewiesen sein – heißt es in der Roadmap. Das sei auch deshalb wichtig, weil die Industrie für Dämmsysteme, Putz & Mörtel ihre Produkte nicht einfach beliebig verteuern kann. Aus Sicht des Klimaschutzes wäre das zumindest kontraproduktiv, denn schließlich liefert die Branche notwendige Baustoffe, um die Klimaziele im Gebäudebestand zu erreichen. Insbesondere WDVS-Fassaden für Bestandsgebäude sollten daher auch in Zukunft erschwinglich bleiben.

zuletzt editiert am 27. Februar 2024
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