Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Deutschland wächst weiter. Die Windenergie ist hierzulande mittlerweile stärkste Energiequelle. Im ersten Halbjahr 2020 kam sie auf einen Anteil von 30,6 % an der gesamten Nettostromerzeugung. Alle erneuerbaren Energien (Wind, Solar, Biomasse, Wasserkraft) erreichten zusammen einen Anteil von 55,8 %. Die Stromproduktion aus Kohle ging dagegen stark zurück.
Die Zahlen wurden Anfang Juli vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) veröffentlicht und basieren auf Daten des Statistischen Bundesamtes, der Leipziger Strombörse EEX sowie der vier Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW. Kleiner Tipp: Das Fraunhofer ISE bietet auf der Website www.energy-charts.de auch stündlich aktualisierte Daten zur Stromproduktion in Deutschland.
Rekordanteil erneuerbarer Energien
Die erneuerbaren Energiequellen Wind, Solar, Biomasse und Wasserkraft sorgten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres dafür, dass insgesamt 136,13 Terawattstunden (TWh) aus Deutschlands Steckdosen flossen. Das sind 47 % mehr als im Vergleichszeitraum 2019! Die erneuerbaren Energiequellen kamen damit auf einen Anteil von 55,8 % an der Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromerzeugung. Der Begriff bezeichnet den Strommix, der am Ende tatsächlich aus der Steckdose kommt.
Die 55,8 % im ersten Halbjahr sind ein neuer Rekordanteil. Im Februar lag der Anteil der erneuerbaren Energien sogar bei 61,8 %. Die Stromproduktion aus Kohle ging dagegen stark zurück: Der Anteil der Braunkohle sank auf 13,7 %, Steinkohle kommt nur noch auf 6 %. Die Windenergie war mit einem Anteil von 30,6 % erneut stärkste Energiequelle. Wind- und Solarenergieanlagen speisten im ersten Halbjahr zusammen 102,9 TWh elektrische Energie in das öffentliche Netz ein. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es nur 92,3 TWh.
Starkes Plus bei Wind und Solar

Photovoltaikanlagen (11,4 % Anteil am Strommix) speisten in den ersten sechs Monaten des Jahres 11,2 % mehr Strom in das öffentliche Netz ein als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Solarstromanlagen profitierten dabei von den günstigen Wetterverhältnissen, die von April bis Juni jeweils mehr als 6 TWh Stromproduktion pro Monat erlaubten. Noch etwas größer war das Wachstum bei der deutschen Windenergie. Sie produzierte in der ersten Jahreshälfte rund 75 TWh und lag damit etwa 11,7 % über dem Vorjahr. Durch zahlreiche Winterstürme stieg ihr Anteil im Februar zeitweise sogar auf 45 % der Nettostromerzeugung.
Biomasse (9,7 % Anteil am Strommix) verzeichnete dagegen nur einen leichten Anstieg (3,6 %) und war im ersten Halbjahr 2020 die Quelle für 23,7 TWh elektrische Energie. Die Wasserkraft wiederum (4 % Anteil am Strommix) produzierte im selben Zeitraum rund 9,5 TWh – ein Minus von 9 % im Vergleich zum Vorjahr.
Kohle und Atomenergie im Minus
Wie oben schon erwähnt, hat die Windkraft mittlerweile von allen Energiequellen den größten Anteil an der Nettostromerzeugung (30,6 %). Auf den beiden Folgeplätzen landeten im ersten Halbjahr 2020 aber noch zwei nicht erneuerbare Energiequellen: Braun- und Steinkohle (zusammen 19,7 % am Strommix) und Atomenergie (12,3 %). Der Trend bei diesen Stromquellen zeigt aber nach unten.
Die deutschen Braunkohlekraftwerke produzierten etwa 33,6 TWh, das sind 36,3 % weniger als im ersten Halbjahr 2019. Die Stromproduktion aus Steinkohlekraftwerken brach sogar um 46 % auf nur noch 14,4 TWh ein. Die Nettostromproduktion aus Kernkraftwerken betrug im ersten Halbjahr 2020 etwa 30,1 TWh, was einem Rückgang um 12,9 % gegenüber dem Vorjahresniveau entspricht.
Da sich der Preis für Erdgas im gleichen Zeitraum halbierte und Erdgaskraftwerke geringere CO 2 -Zertifikatskosten als Kohlekraftwerke haben, fand ein „Fuel Switch“ von Kohle zu Erdgas statt. Gaskraftwerke konnten somit ihre Produktion auf 28 TWh steigern, ein Plus von 13,9 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2019.

Über den Autor Roland Grimm ist seit Februar 2013 freier Journalist mit Sitz in Essen und schreibt regelmäßig Fachwissen-Artikel für BaustoffWissen . Zuvor war er rund sechs Jahre Fachredakteur beim Branchenmagazin BaustoffMarkt und außerdem verantwortlicher Redakteur sowie ab 2010 Chefredakteur der Fachzeitschrift baustoffpraxis . Kontakt: freierjournalist@rolandgrimm.com