Ein Dachboden mit einer Reflexionsdämmung, die an der Decke angebracht ist.
In Meerbusch wurde die Reflexionsdämmung von innen auf 120 m² Dachfläche verlegt. (Quelle: Friedwil GmbH)

Dämmstoffe 2026-02-17T08:00:00Z Reflexionsdämmung im Einsatz

Viele Eigentümer von Einfamilienhäusern kennen das Dilemma: Das Dach müsste energetisch verbessert werden, aber eine Komplettsanierung mit aufwändigen Förderanträgen, Sparrenaufdopplung und langen Bauzeiten schreckt ab. In Meerbusch entschied sich ein Bauherr für einen anderen Weg. Er sanierte sein Dach in Etappen und mit hohem DIY-Anteil. Dabei ergänzte er die vorhandene Zwischensparrendämmung mit einer dünnen Reflexionsdämmung.

Das Objekt ist ein Einfamilienhaus von 1972 mit einem typischen Dachstuhl für dieses Baujahr. Die Sparrentiefe liegt nur bei etwa 12 cm, die Dicke der Zwischensparrendämmung ist entsprechend begrenzt. Ursprünglich war das Dach völlig ungedämmt. Später entschied sich der Hauseigentümer, in Eigenleistung eine Zwischensparrendämmung aus Mineralwolle einzubauen. Diese ist bis heute technisch intakt und verbessert den Wärmeschutz, erreicht aber natürlich nicht das energetische Niveau, das vom Gebäudeenergiegesetz ( GEG ) bei Dachsanierungen heute gefordert wird.

Einfach und platzsparend

In Zeiten stark steigender Energiepreise denken viele Besitzer älterer Bestandsimmobilien über zusätzliche Dämmmaßnahmen nach. So war es kürzlich auch bei unserem Bauherrn aus Meerbusch bei Düsseldorf. Neben geringeren Heizkosten ging es ihm insbesondere auch darum, durch eine verbesserte Dachisolation den sommerlichen Hitzeschutz seines Eigenheims zu verbessern.

Zwei Handwerker arbeiten gemeinsam an der Dachisolierung eines Hauses.
Die Konterlattung dient der Montage der Innenbekleidung und zur Ausbildung einer ruhenden Luftschicht. (Quelle: Friedwil GmbH)

Die klassische Empfehlung in einem solchen Fall ist häufig eine Sparrenaufdopplung, um Platz für eine dickere Dämmschicht zu gewinnen. Alternativ ist auch eine Aufsparrendämmung denkbar, die allerdings eine Einrüstung des Hauses und die Entfernung der vorhandenen Dacheindeckung erfordert. Für den Meerbuscher Hausbesitzer kamen diese Lösungen aber nicht in Frage: zu teuer, zu viel Aufwand, zu lange Bauzeit und – im Fall einer Sparrenaufdopplung – auch ein zu großer Verlust an Nutzraum im Dachgeschoss.

Gesucht war stattdessen eine Lösung, die sich ohne „Großbaustelle“ schnell und einfach von innen umsetzen lässt. Dabei sollte die vorhandene Zwischensparrendämmung weiter genutzt, der Dachstuhl konstruktiv unverändert bleiben und kein größerer Raumverlust im bereits ausgebauten Dachgeschoss entstehen.

Die Lösung bestand darin, den bestehenden Aufbau raumseitig durch eine 22 mm dünne Reflexionsdämmung mit integrierter Dampfbremsen -Funktion zu ergänzen. Diese wurde auf einer Lattung vor der vorhandenen Mineralwolle-Dämmung verlegt – auf einer Gesamtfläche von 120 m². Darauf folgte eine Konterlattung zur Ausbildung einer zweiten ruhenden Luftschicht. Diese Latten dienen zugleich als Montageebene für die neue Innenbekleidung aus Trockenbauplatten.

Zur Erläuterung: Die Luftschichten tragen in Verbindung mit den reflektierenden Oberflächen der Dämmung entscheidend zur Reduktion der Wärmestrahlung durch das Dachbauteil bei. In Meerbusch wurden durch Holzlatten unter und auf der Reflexionsdämmung zwei solcher Luftschichten realisiert. Man kann die Dämmung aber auch direkt auf den Sparren verlegen und nur eine einzelne ruhende Luftschicht zwischen Dämmfolie und Innenbekleidung ausbilden. Ferner ist es möglich, den Luftraum zwischen den Sparren zu nutzen – vorausgesetzt die Sparrentiefe ist größer als die verbaute Zwischensparrendämmung.

Mehrschichtiger Foliendämmstoff

Beim eingesetzten Dämmprodukt „Friedwil FX5“ handelt es sich im Prinzip um eine Untersparrendämmung – allerdings nicht um die klassische Mineralwolle-Variante. Stattdessen ist Friedwil FX5 ein mehrschichtiger Folienwerkstoff. Genauer gesagt handelt es sich um fünf Schichten. Der Folienkern besteht aus einer doppelseitigen Reflexionsschicht, die der Hersteller aus recycelter PET-Folie – beidseitig metallisiert – fertigt. Diese Kernfolie wird beidseitig von einem Vlies aus thermoplastischem Kunststoff bedeckt. Darauf folgt – ebenfalls beidseitig – eine äußere Reflexionsschicht aus Aluminiumverbundfolie.

Ein Dachboden mit Isoliermaterial, bestehend aus einer Rolle reflektierender Dämmung und einer Verpackungseinheit.
Die Reflexionsdämmung ist einfach zu verlegen und nur 22 mm dick. (Quelle: Friedwil GmbH)

Zusammen ergeben die fünf Schichten eine nur 22 mm starke Reflexionsdämmung. Diese dünne Schicht erhöht nach Angaben des Herstellers Friedwil den Wärmedurchlasswiderstand des gesamten Dachaufbaus. Das komplett ungedämmte Kaltdach in Meerbusch wies im Baujahr 1972 einen U-Wert von etwa 0,8 W/m²K auf. Durch den Einbau der Zwischensparrendämmung – 12 mm Mineralwolle der Wärmeleitgruppe 035 – sank der Wert auf 0,4 W/m²K. Durch die neue Reflexionsdämmung auf der Innenseite der Dachflächen fiel der U-Wert schließlich auf etwa 0,24 W/m²K.

Ausschlaggebend dafür sind vor allem die reflektierenden Oberflächen, die den Infrarot -Wärmestrom – in Verbindung mit den ruhenden Luftschichten zwischen Reflexionsdämmung und Innenbekleidung beziehungsweise Mineralwolle – reduzieren. Auf diese Weise ermöglicht die fünfschichtige Folie trotz geringer Materialstärke eine relativ hohe Wärmedämmung sowie einen guten Hitzeschutz im Sommer.

Für Friedwil FX5 kann der Hersteller eine Europäische Technische Bewertung ( ETA ) vorweisen, das Produkt ist also in der gesamten Europäischen Union zugelassen. Um die Leistungsfähigkeit der Reflexionsdämmung zu belegen, verweist Friedwill auch auf eine Untersuchung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (Fraunhofer IBP) von 2022, der zufolge eine ruhende Luftschicht eine mehr als dreimal so gute Wärmedämmwirkung aufweist, wenn sie über reflektierende Begrenzungsflächen verfügt.

Vertrieb seit 2025

Nach Angaben von Friedwil bedeutet das Sanierungsergebnis für den Hausbesitzer aus Meerbusch, dass er pro Jahr rund 4.400 kWh weniger Energie über seine Dachflächen verlieren wird. „Unter den im Beispiel zugrunde gelegten Annahmen entspricht das einer Heizkosteneinsparung von etwa 490 Euro pro Jahr und einer Amortisationszeit von knapp sieben Jahren“, erläutert Markus Trecker, einer der beiden Geschäftsführer von Friedwil.

Trecker hat die im nordrhein-westfälischen Viersen ansässige Friedwil GmbH im November 2023 gegründet. Im folgenden Jahr ging es vor allem um die Produktentwicklung und -prüfung. Nach der Zulassung der eigenen Reflexionsdämmung im Dezember 2024 startete im Januar 2025 der Vertrieb – unter Leitung des weiteren Geschäftsführers Maximilian Becke.

Und was hat es mit dem Firmennamen „Friedwil“ auf sich? Das erschließt sich Außenstehenden tatsächlich nicht sofort. Die Erklärung: Trecker und Becke haben sich vom Astronom Friedrich Wilhelm Herschel inspirieren lassen, der im Jahr 1800 die Infrarotstrahlung entdeckt hat.

Baustoff-Fachwissen verständlich erklärt: Jetzt Newsletter abonnieren!

Der BaustoffWissen-Newsletter bringt Sie thematisch immer auf den neuesten Stand. Sie erhalten die Branchen-News dann zwei Mal monatlich.

Doch zurück zum Meerbuscher Sanierungsobjekt. Der dortige Bauherr freut sich nun über eine erfolgreiche Dämmmaßnahme, die nicht nur einfach, effektiv und platzsparend, sondern auch vergleichsweise kostengünstig verlief. Die Materialkosten inklusive Innenbekleidung lagen bei rund 4.800 Euro. Ein Großteil der Arbeiten (Verlegung der Reflexionsfolie, Montage der Lattung und Innenbekleidung) wurde in Eigenleistung ausgeführt. Fachliche Unterstützung beschränkte sich auf Planung und Detailausbildung sowie auf die Kontrolle der Luftdichtheit ( Blower-Door-Test ).

zuletzt editiert am 09. Februar 2026