Das „Kino International“ an der Berliner Karl-Marx-Allee wird einer umfassenden, denkmalschutzgerechten Sanierung unterzogen. Zur Wiederherstellung des Schall- und Brandschutzes wurde auf der wellenförmigen Rabitzdecke über dem Vorführsaal ein Granulat aus nichtbrennbarer Steinwolle aufgeblasen und verdichtet.
Das Kino International gilt als spätes Zeugnis der modernistischen Architektur und ist seit seiner Eröffnung im Jahr 1963 eine Institution. Nach dem Ende der DDR überlebte es auch die Wendezeit und steht seit Beginn des 21. Jahrhunderts sogar unter Denkmalschutz.
Bereits in den 2010er-Jahren hatte die die Yorck -Kinogruppe als Betreiberin dringende Sanierungsarbeiten am Gebäude durchgeführt. Im Mai 2024 begann dann die Generalsanierung, für die das Haus erstmals in seiner Geschichte für einen längeren Zeitraum geschlossen bleibt. Im Frühjahr dieses Jahres soll es wiedereröffnet werden.
Historische Rabitzdecke
Mit seinem leuchtend weißen Baukörper ist das Kino International nicht zu übersehen. Über dem Eingangssockel kragt der eigentliche Kinotrakt mit seiner verglasten Hauptfassade rund 9 m vor. Die Breite der Leinwand beträgt großzügige 17,5 m. Blaugepolsterte Sitzreihen sind im Vorführsaal hinunter zur Bühne gestaffelt.

Verstärkt wird die optische Ausrichtung zur Leinwand durch die Akustikdecke des Raumes. In Wellen schwingt sich eine abgehängte Rabitzdecke der Leinwand entgegen. Darunter versteht man eine leichte, abgehängte Drahtputzdecke, die aus einer tragenden Metall-Unterkonstruktion, einem Putzträger aus Drahtgeflecht und darauf aufgetragenem faserarmiertem Mörtel besteht. Der Name geht übrigens auf Carl Rabitz aus Halle (Saale) zurück, der im 19. Jahrhundert die Drahtputzkonstruktion erfunden hat.
Auch die Rabitzdecke wurde im Zuge der Generalsanierung modernisiert. Zur Schadstoffbeseitigung und zur Verbesserung des Brandschutzes wurde die auf der Unterdecke aufliegende Mineralwolle-Dämmung aus DDR-Zeiten ausgebaut und durch eine Einblasdämmung aus Steinwolle -Granulat von Rockwool ersetzt.
Dämmdicke 160 mm
Die historische Rabitzdecke im Vorführsaal des Kino International hängt an einer Tragkonstruktion aus Stahl, die in sehr gutem Zustand ist und die auch über einen Laufweg aus Gitterrosten verfügt. Um die Zugänglichkeit der Dämmung über die gesamte Deckenfläche hinweg zu gewährleisten, wurden außerdem zusätzliche Laufwege aus Holzplanken verlegt. Auf ihnen konnten sich die Mitarbeiter des beauftragten Fachunternehmens sicher bewegen und die Schläuche mit sich führen, über die das Steinwolle-Granulat auf die Decke aufgeblasen wurde.

Aus Brandschutzgründen fiel die Entscheidung auf das Granulat „Fillrock RG“. Dessen Schmelzpunkt liegt bei über 1.000 °C. Ziel war es, eine fugenlose Dämmlage von 160 mm auf der gesamten Decke zu erreichen. Nach dem Aufbringen des Granulats wurde dieses mit Kaliwasserglas benetzt, um die Dämmung zu fixieren und in ihrer Lage zu sichern. Die Raumakustik im Vorführraum des Kinos profitiert von der Masse der neuen Steinwolle-Dämmung ebenso wie der Brandschutz.
Reduzierter Feuchteeintrag
Fillrock RG ist ein nichtbrennbares, flockenförmiges Granulat aus Steinwolle. Wird es als Schüttdämmung mit einer Dichte von 45 bis 55 kg/m3 aufgebracht, erreicht es die Wärmeleitstufe 038. Das Setzmaß liegt nach Rockwool-Angaben bei maximal 10 %. Im Falle eines Rückbaus kann Granulat recycelt und wieder zu neuen Steinwolle-Produkten verarbeitet werden. Die Deutsche Rockwool bietet dafür das Rücknahmesystem „Rockcycle“ an.

Ausgeführt wurde die Dämmung durch die Cogito GmbH aus Müncheberg – ein Unternehmen, das auf Dämmungen mit Granulaten spezialisiert ist. Cogito-Geschäftsführer Gerd Seume spricht von einem „für uns nicht ungewöhnlichen Einsatz, allerdings in einem ungewöhnlichen Denkmal“. Deckendämmungen habe sein Team im Kino International in drei Bauabschnitten eingebracht: über dem großen Vorführraum, über der Bühne hinter der Leinwand und über der Panorama-Bar, die ebenfalls im vorkragenden Obergeschoss untergebracht ist.
In der Verarbeitung eines Steinwolle-Granulats mit Wasserglas-Kleber ist das Cogito-Team erfahren. Mit Blick auf die gipshaltige Rabitzdecke entschied der Geschäftsführer, den Kleber nicht – wie sonst üblich – gemeinsam mit dem Granulat aufzuspritzen, sondern nur einmalig am Ende des Aufblasens. „So konnten wir die Menge der Feuchtigkeit im Auftrag reduzieren“, erklärt Seume.
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