Zwei Bauarbeiter in Schutzkleidung und gelben Helmen arbeiten auf einer aktiven Baustelle, während sie Ziegelsteine auf Paletten und in einer Schubkarre verladen.
Verpackungsmüll macht einen großen Teil der Baustellenabfälle aus. (Quelle: Pixabay)

Forschung 2026-10-27T08:00:00Z Bauabfälle oft vermeidbar

Beim Bauen entsteht viel Abfall, doch ein Großteil davon wäre eigentlich vermeidbar. Eine Studie vom Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb der TU Braunschweig zeigt: Nicht erst die Entsorgung auf der Baustelle entscheidet über Mengen und Qualitäten von Bauabfällen. Bereits im Vorfeld könnte man durch eine bessere Planung und Logistik viel Material, Kosten und klimaschädliche Emissionen einsparen.

„Unsere Untersuchungen zeigen, dass Bauabfälle zum einen nicht im Fokus der Projektrealisierung stehen und zum anderen häufig als unvermeidbares Nebenprodukt angesehen werden, obwohl diese zu einem erheblichen Anteil auf vermeidbare Ursachen wie Überbestellungen oder Wasserschäden zurückzuführen sind“, fasst Projektleiter Jan Niklas Lünig einige der wichtigsten Erkenntnisse der im April veröffentlichten Studie „Zero Waste Baulogistik“ zusammen (Abschlussbericht hier ).

Projekt „Zero Waste Baulogistik“

Lünig und sein Team vom Institut für Bauwirtschaft und Baubetrieb (IBB) der Technischen Universität Braunschweig haben untersucht, wie Bauabfälle entstehen, warum sie anfallen und wie sie sich reduzieren lassen. Die Forschenden zeigen in ihrer Arbeit auch Möglichkeiten auf, wie man im Bauwesen mit verbesserter Planung, Logistik und Ausführung Rohstoffe effizienter einsetzen und gleichzeitig Kosten und Umweltbelastungen senken könnte. Passend dazu lautet der vollständige Titel des Abschlussberichts: „Zero Waste Baulogistik – Ressourceneffizienz durch alternative Verpackungskonzepte und optimierten Materialeinsatz“.

Titelblatt eines Forschungsberichts der TU Braunschweig und des IBB zum Thema Zero Waste Baulogistik. Das Bild zeigt einen roten Baukran über einem schematischen Gebäudegrundriss als Symbol für Ressourceneffizienz und optimierten Materialeinsatz im Bauwesen.
Der Abschlussbericht ist im April erschienen. (Quelle: TU Braunschweig)

Das Projekt wurde vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) aus Mitteln des Innovationsprogramms Zukunft Bau gefördert und lief von August 2024 bis Januar 2026.

Das Forschungsteam untersuchte zehn real existierende Baustellen für unterschiedlich genutzte Gebäude (unter anderem Hotel-, Schul- und Bürogebäude), die von den Praxispartnern Lindner SE und Zeppelin Rental GmbH betreut wurden. Auf diesen Baustellen wurden die Abfallmengen genauer analysiert, wobei der Fokus auf Trockenbauwände, Hohlraumböden sowie Heiz- und Kühldecken lag.

Die Baustellenuntersuchungen belegen die These, dass ein erheblicher Anteil der Bauabfälle auf vermeidbare Ursachen zurückzuführen sind – beispielsweise auf Überbestellungen oder Lager- und Transportschäden. Es zeigte sich ferner, dass Abfälle selten durch unbrauchbare Materialien entstehen, sondern vielmehr durch Verschnitt und Fehler bei der Ausführung.

Verschnitt und Verpackungen

Die Studienautoren sind überzeugt, dass viele Bauabfälle bereits durch kleine Veränderungen der Planungs- und Logistikprozesse vermeidbar wären. Sie wünschen sich eine bessere Planung und Abstimmung von Materiallieferungen auf die Baustelle, verweisen aber unter anderem auch darauf, dass beim Bauen mit vorgefertigten Großbauteilen unterm Strich weniger Abfall entsteht. Natürlich fallen bei der Vorfertigung im Werk ebenfalls Abfälle durch Materialzuschnitte an, aber insgesamt scheint die Fertigteilbauweise dank intensiverer Vorab-Planung effizienter zu sein – auch in Sachen Abfallvermeidung.

Besonders im Fokus der Autoren steht das Thema Verpackungen. Unnötige und/oder nicht kreislauffähige Verpackungen können einen erheblichen Anteil der Abfälle ausmachen. Wiederverwendbare Verpackungen und besser abgestimmte Lieferprozesse wären daher ein großes Potenzial zur Abfallvermeidung.

Bei den im Rahmen der Studie untersuchten zehn Baustellen verursachten Heiz- und Kühldecken die höchsten Gesamtabfallmengen mit durchschnittlich 785 kg je 100 m2 Ausführungsmenge. Beim größten Teil des Abfalls (760 kg) handelte es sich hier um Verpackungsmaterialien – wobei Transportboxen den größten Anteil ausmachten. Pikant: Solche Transportboxen sind eigentlich für eine Mehrfachverwendung gedacht, sie werden aber dennoch meist einfach entsorgt, weil eine Rückführung für die beteiligten Unternehmen offenbar unwirtschaftlich ist. Für Trockenbauwände ergaben die Untersuchungen der TU Braunschweig übrigens ein komplett anderes Ergebnis: relativ wenig Verpackungsmüll (57 kg je 100 m2), dafür aber viele Verschnittabfälle (durchschnittlich 405 kg je 100 m2).

Miteinander statt Nebeneinander

Die Studienautoren regen auch eine bessere Sortierung von Bauabfällen an. Das würde eine hochwertige Wiederverwertung erleichtern und damit auch die bisherigen Entsorgungskosten reduzieren. „Rücknahmesysteme der Hersteller können dazu beitragen, Transport- und Verpackungsmaterial sowie nicht benötigte Bauprodukte und Materialien wiederzuverwenden und Restmengen möglichst hochwertig zu recyceln“, sagt BBSR-Experte Daniel Wöffen.

Baustoff-Fachwissen verständlich erklärt: Jetzt Newsletter abonnieren!

Der BaustoffWissen-Newsletter bringt Sie thematisch immer auf den neuesten Stand. Sie erhalten die Branchen-News dann zwei Mal monatlich.

Damit das alles funktionieren kann, bedarf es freilich ein größeres Miteinander der verschiedenen Player im Bauwesen. Daniel Wöffen: „Um Bauabfälle konsequent zu vermeiden, müssen alle am Bau Beteiligten kreativ zusammenarbeiten – von der Planung und Ausschreibung über die Materialbeschaffung bis hin zur Ausführung im Werk und auf der Baustelle.

Planende beeinflussen durch die Wahl des Bauverfahrens, der Materialien und der Gebäudeabmessungen maßgeblich die Abfallentstehung – heißt es in der Studie. Und auch die Produkthersteller könnten entscheidend dazu beitragen, Bauabfälle zu reduzieren: durch ihre Gestaltung der Produktabmessungen und Verpackungssysteme.

zuletzt editiert am 27. Oktober 2026
Newsletter