Nichtragende Trockenbau-Innenwände erstellt man heute meist mit Gipsplatten, die an Stahlprofilen als aussteifender Unterkonstruktion befestigt werden. Einen neuen Weg geht das Unternehmen Soriwa. Die Münsterländer haben Trockenbauprofile auf den Markt gebracht, die aus stahlfreien Zellstofffasern bestehen. Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung wurde bereits erteilt.
Die Soriwa GmbH aus dem nordrheinwestfälischen Warendorf bei Münster wurde 2023 von Andreas Ridder und Michael Sommer gegründet. Beide verfügen über langjährige Berufserfahrungen in der Holz- und Baustoffindustrie und haben in der Vergangenheit auch schon gemeinsam in leitenden Positionen beim Holzanstrichhersteller Osmo sowie bei den Kooperationen Holzland und Nordwest gearbeitet.
Was gab nun den Anstoß zur Gründung des eigenen Unternehmens Soriwa? Michael Sommer: „Die Ausgangsfrage war eigentlich sehr einfach: Brauchen wir im Trockenbau wirklich Stahl? Über Jahrzehnte haben sich Metallprofile als Standard durchgesetzt. Aber jeder, der sich mit Ressourcen, Klimabilanzen und Kreislauffähigkeit beschäftigt, weiß: Stahl ist energieintensiv in der Herstellung, aufwändig im Recycling und nicht immer die optimale Lösung für den Innenausbau“.
Komplettes Montagesystem
Als Alternative zu konventionellen Stahlprofilen (oder auch Holzständern) hat Soriwa das so genannte Multi-Profil entwickelt. Das besteht aus mehreren Schichten recycelter Zellstofffasern – ummantelt mit einem Kraftliner-Papier. Die Faserstoffe des Profilkerns werden durch einen Polyvinylacetat-Klebstoff (PVAC) zusammengehalten. Zellstoff ist eine faserige Masse, die hauptsächlich aus der Cellulose von Pflanzen gewonnen wird und auch Hauptbestandteil von Papier ist.

Die neuartigen Profile bietet das Unternehmen in drei Breiten (50 mm, 75 mm, 100 mm) und drei Längen an (3 m; 3,5 m; 4 m). Sie werden exklusiv über den qualifizierten Fachhandel vertrieben und sind das Herzstück des „Soriwa Multi-Systems“, zu dem auch noch spezielle Verbinder-Elemente (ebenfalls aus Zellstofffasern) und der „Soriwa Kern“ gehören. Bei Letzterem handelt es sich um ein Vierkantholz, das sich passgenau in das Multi-Profil einlegen lässt und dieses dort verstärkt, wo die Unterkonstruktion einer Trockenbauwand zusätzliche Lasten tragen muss – zum Beispiel an Türöffnungen.
Profile, Verbinder und Kern ergeben zusammen ein komplettes Montagesystem zur Errichtung nichttragender Trockenbau-Ständerwerke. Nach Soriwa-Angaben können die stahlfreien Profile klassische Metall- oder Holzkonstruktionen vollständig ersetzen. „Brandschutz, Tragfähigkeit, Verarbeitung: All das wurde geprüft, bevor wir den Schritt zur allgemeinen bauaufsichtlichen Zulassung gehen konnten“, erinnert sich Andreas Ridder.
Die allgemeine bauaufsichtliche Zulassung liegt seit Ende Mai vor (abZ-Nr. Z-9.1-929). Für Ridder war der Tag, an dem sie erteilt wurde, der bislang wichtigste Moment in der Geschichte des jungen Unternehmens: „Damit war klar: Es ist nicht nur eine Vision, sondern ein zugelassenes Bauprodukt, das in der Praxis eingesetzt werden kann“.
Praktische Vorteile
Wichtigstes Alleinstellungsmerkmal des Multi-Systems ist natürlich die Verwendung recycelter Zellstofffasern als nachhaltiges Material. Das Montagesystem hat nach Überzeugung seiner Entwickler aber auch ganz praktische Vorteile. Zur Errichtung von Wandunterkonstruktionen genügt nämlich ein einziger Profiltyp. Die von Stahlständerwerken bekannte Unterscheidung von CW-, UW- und UA-Profilen existiert bei Soriwa nicht.

„Am Anfang war natürlich Skepsis“, erinnert sich Michael Sommer an die Zeit, als sie das neue System erstmals Trockenbauern präsentierten. „Viele Handwerker konnten sich nicht vorstellen, dass Fasern Stahl ersetzen können. Aber sobald sie das Material selbst in der Hand hatten, hat sich die Sicht verändert. Die Profile sind leichter, man kann sie mit den üblichen Werkzeugen bearbeiten, und es gibt keine scharfen Kanten – das überzeugt in der Praxis.“
Für die Montage eines Ständerwerks aus Multi-Profilen eignen sich alle gängigen Trockenbauschrauben. Der eigentliche Clou aber ist, dass Soriwa in Zusammenarbeit mit dem Befestigungsspezialisten Prebena eine Befestigungsmethode entwickelt hat, die bei Stahlprofilen nicht möglich ist: Mit der so genannten Z-Klammer lassen sich Trockenbauprofile erstmals auch klammern. Nach Angaben von Soriwa entstehen dadurch Zeit- und Preisvorteile.
Um mit den Multi-Profilen auch komplette Rahmenkonstruktionen bauen zu können, bedarf es einer Methode, senkrechte Profile mit Boden- beziehungsweise Deckenprofilen rechtwinklig zu verbinden. Dafür wurde der „Soriwa Verbinder“ entwickelt. Das Besondere: Er besteht ebenfalls komplett aus dem Zellstofffaser-Material und muss einfach nur werkzeuglos in die Stirnseiten der Profile eingeschoben werden.
Einsatz in Feuchträumen
„Zellstofffasern sind hygroskopisch, sie nehmen Wasser auf“, weiß Michael Sommer. „Wir mussten also sicherstellen, dass das Profil auch unter Baustellenbedingungen seine Form und Tragfähigkeit behält. Das bedeutete: intensive Prüfungen im Labor, Anpassungen in der Fertigung und immer wieder Rückkopplung mit Forschungseinrichtungen.“

Das Ergebnis dieser Entwicklungsforschung ist ein faserbasiertes Profil, das in Kombination mit imprägnierten Gipsplatten (GKBI) und einer fachgerechten Abdichtung auch in häuslichen Bädern einsetzbar ist, sofern die dortige Feuchtebeanspruchung maximal die Wassereinwirkungsklasse W1-I erreicht („mäßige Wassereinwirkung“).
Die Zellstofffasern des Profils quellen bei stärkerem Wasserkontakt zwar leicht auf, doch dank des eingesetzten nassfesten Bindemittels bleiben die Fasern strukturell gebunden. Laut Hersteller würden die Profile nach dem Trocknen wieder ihre ursprüngliche Formstabilität erreichen.
Vision „Grüne Wand“
Die Multi-Profile lassen sich mit allen gängigen Plattenmaterialien beplanken: von Gipskartonplatten über Gipsfaserplatten und Holzwerkstoffplatten (Span- und Faserholz) bis hin zu Lehmbauplatten und Strohplatten.
Baustoff-Fachwissen verständlich erklärt: Jetzt Newsletter abonnieren!
Der BaustoffWissen-Newsletter bringt Sie thematisch immer auf den neuesten Stand. Sie erhalten die Branchen-News dann zwei Mal monatlich.
Soriwa selbst verfolgt übrigens langfristig das Ziel der „Grünen Wand“. Gemeint ist damit eine Trockenbau-Innenwand, die komplett aus nachhaltigen Materialien besteht. „Wir wollen eine Wand, bei der nicht nur die Profile, sondern alle Komponenten kreislauffähig sind – bis hin zur Platte und zu den Dämmstoffen“, erläutert Andreas Ridder.
„Unser Multi Profil ist der erste Baustein dafür“, ergänzt Michael Sommer. „Entscheidend ist für uns: Diese neuen Werkstoffe dürfen nicht erheblich teurer sein als heutige Standardartikel und sie müssen sich mit denselben Werkzeugen und Handgriffen verarbeiten lassen.“